5 Fragen an… Franz Fehrenbach von Robert Bosch GmbH

"Für wichtige Innovationen nimmt Bosch lange, und, wenn es sein muss, hindernisreiche Wege in Kauf."

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CleanTech-News / Frankfurt am Main. Greentech-Manager des Jahres ist Franz Fehrenbach von der Robert Bosch GmbH. Die von der Zeitschrift „Capital“ verliehene Auszeichnung wird an Unternehmer und Manager vergeben, die das Wachstum nachhaltiger Technologien erfolgreich vorantreiben und deren Unternehmen über ein innovatives und nachhaltiges Produktfolio verfügen. CleanThinking-Redakteur Dr. Reiner Frey sprach nach der Preisverleihung mit Franz Fehrenbach über seine langfristigen Ziele, die Energiewende in Deutschland und das gesellschaftliche Engagagement von Bosch.

CleanThinking.de: Herr Fehrenbach anläßlich der Verleihung des Preises „Greentech-Manager des Jahres“ in Frankfurt haben Sie gesagt: „Solange wir das Gefühl haben, ein Ziel ist erreichbar und die Bedingungen stimmen, werden wir uns von unserem Weg nicht abbringen lassen.“ Können Sie diesen Weg, den Bosch geht, kurz skizzieren?

Bosch-Geschäftsführer Franz FehrenbachFehrenbach: Für wichtige Innovationen nimmt Bosch lange und, wenn es sein muss, hindernisreiche Wege in Kauf. Ein Beispiel ist die Hochdruck-Dieseleinspritzung – eine Technik, die wesentlich geholfen hat, die Emissionen des Dieselmotors seit Beginn der 1990er Jahre um mehr als 90 Prozent zu reduzieren. An dieser Technik haben wir mehr als 15 Jahre gearbeitet, allen Rückschlägen zum Trotz. Denn wir waren von der Machbarkeit überzeugt – und wir haben den Erfolg gewissermaßen erzwungen, auch durch massiven Einsatz der verfügbaren Ressourcen.

Das ist der lange Atem, mit dem Bosch heute auf dem Weg zur Elektromobilität oder zur Erschließung regenerativer Energien ist. Natürlich müssen hier wie dort die Rahmenbedingungen stimmen. Aber unser Einsatz ist wiederum erheblich. 45 Prozent unseres Forschungs- und Entwicklungsetats, also jährlich rund zwei Milliarden Euro, zielen auf Erzeugnisse, die Umwelt und Ressourcen schonen. Dieser Aufwand ist langfristig orientiert. Nur mit dieser Einstellung bleibt Bosch ein innovatives Unternehmen.

Cleanthinking.de: Was bedeutet die Energiewende für Deutschland und was tut Bosch für die Energie der Zukunft?

Fehrenbach: Die Energiewende in Deutschland lässt sich als Großversuch für ein qualititativ neues, weniger kohlendioxidintensives Wachstum verstehen. Aber diese Wende steht gerade erst am Anfang. Ihre Wege sind noch lange nicht so klar wie ihre Ziele. Vor allem braucht es einen Meilensteinplan für die Transformation zu einer kohlendioxidfreien Energieversorgung – einen Plan, den es Zug um Zug zu überwachen gilt.

Bosch kann in allen seinen Sparten, auch über die Kraftfahrzeugtechnik hinaus, zum Gelingen der Energiewende beitragen – sei es mit Kühl- und Gefrierschränken, die zwei Drittel weniger Strom verbrauchen als vor 15 Jahren, sei es mit Brennwertheizungen, die in Kombination mit Solar- und Geothermie den CO2-Ausstoß gegenüber Standardkesseln um mehr als die Hälfte reduzieren.

Auch unsere Industrietechnik richten wir ökologisch aus, etwa mit Windkraft-Großgetrieben und Photovoltaik, aber auch mit Energieeffizienz-Beratung, die den Stromverbrauch ganzer Fabriken um bis zu 50 Prozent reduziert. Energie der Zukunft – das ist ein großes Wort. Gefragt sind konkrete technische Lösungen, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energien verringern.

Cleanthinking.de: Wo sehen Sie die größten Chancen für Bosch, CleanTech-Geschäftsfelder auszubauen: Was sind die technischen Lösungen, die für ökologische Probleme besonders nachhaltig sind?

Fehrenbach: CleanTech – auch das ist ein schönes und futuristisch klingendes Wort. Klar arbeitet ein innovatives Unternehmen wie Bosch systematisch an Zukunftstechniken. So haben wir selbst im Norden Kanadas ein Energieplus-Haus realisiert, das mehr Strom erzeugt als verbraucht. Aber so sehr wir mit langem Atem alternative Antriebe oder regenerative Energien rentabel machen, wir steigern auch hier und jetzt Prozent für Prozent die Energieeffizienz – und gerade damit realisieren wir einen großen Teil unseres Geschäfts mit dem Umwelt- und Klimaschutz. Jedenfalls wäre es ökonomisch wie

„Jedenfalls wäre es ökonomisch wie ökologisch unverantwortlich, über große Ziele die vielen kleinen Schritte auszulassen. Wir müssen beides tun.“

ökologisch unverantwortlich, über große Ziele die vielen kleinen Schritte auszulassen. Wir müssen beides tun, und genau diese Doppelstrategie vermissen wir noch in der Umsetzung der Energiewende. So ließe sich die energetische Gebäudesanierung noch stärker anregen als bisher – auch steuerlich. Doch wird die entsprechende Regelung im Bundesrat noch blockiert. Tatsächlich verbrauchen Gebäude rund 40 Prozent der Primärenergie in Deutschland. Es geht darum, ihre Sanierungsrate zu verdoppeln, die derzeit bei nur einem Prozent liegt. Die Energiewende muss, wenn sie ihren Namen verdienen soll, auch im Heizungskeller stattfinden.

Cleanthinking.de: Wie wird das Auto der Zukunft aussehen? Wie nachhaltig kann Mobilität überhaupt sein?

Fehrenbach: Auch hier gilt, was wir über die Energiewende gesagt haben. Wir dürfen nicht nur über das Auto der Zukunft, wir müssen auch über das Auto der Gegenwart reden. Denn die verschärften Vorgaben für den Kohlendioxidausstoß von Neuwagen können wir nur erfüllen, wenn wir auch den Verbrennungsmotor effizienter machen. Und hier sehen wir noch ein großes Potenzial. Mit einer Reihe von Maßnahmen kann Bosch den Verbrauch von Diesel- und Benzinmotoren noch um ein gutes Drittel verringern. Zugleich aber arbeiten wir an der Elektrifizierung des Antriebs, mit einem jährlichen Aufwand von 400 Millionen Euro.

„Große Chancen räumen wir mittelfristig dem Plug-in-Hybrid ein: mit dem Verbrennungsmotor unterwegs über Land, rein elektrisch fahren in der Stadt. Wobei das Nachladen über die Steckdose erfolgt.“

Wir gehen hier explorativ vor, stellen uns auf besondere Lösungen für besondere Anwendungen ein – etwa für die Megacities in Asien.

Große Chancen räumen wir mittelfristig dem Plug-in-Hybrid ein: mit dem Verbrennungsmotor unterwegs über Land, rein elektrisch fahren in der Stadt. Wobei das Nachladen über die Steckdose erfolgt. Klar ist aber auch: Konsequent nachhaltig ist die Elektromobilität erst dann, wenn auch der Strom aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird. Es macht Sinn, dass Bosch auf beiden Seiten arbeitet.

Cleanthinking.de: Auf welche Schwerpunkte ist das gesellschaftliche Engagement der Bosch-Gruppe ausgerichtet?

Fehrenbach: Unser gemeinnütziges Engagement geht unmittelbar auf den Firmengründer Robert Bosch zurück. Dessen erste Spende, eine Million Mark bereits im Jahr 1910, kam der seinerzeitigen Technischen Hochschule in Stuttgart zugute. 2011 haben wir anlässlich unseres 125jährigen Firmenjubiläums rund 50 Millionen Euro Universitäten in Deutschland, USA, China und Indien zur Verfügung gestellt. Heute wie gestern geht es um die Förderung von Fachkräfte-Nachwuchs – gleichermaßen ein unternehmerisches wie gesellschaftliches Ziel. Vor allem aber steht die Robert Bosch Stiftung für Gemeinnützigkeit. Seit ihrer Gründung hat sie Einrichtungen von Forschung, Bildung und Medizin, aber auch Projekte der Völkerverständigung mit insgesamt mehr als einer Milliarde Euro gefördert.

„Die Robert Bosch Stiftung: Eine ungewöhnliche Unternehmensverfassung, die auf der Eigentümerseite Gemeinnützigkeit garantiert, auf der geschäftlichen Seite Wirtschaftlichkeit.“

Bemerkenswert dabei: Während die Familie des Firmengründers nur einen kleinen Anteil hält, gehört der Stiftung das Unternehmen zu mehr als 90 Prozent. Die entsprechenden Stimmrechte übt die Robert Bosch Industrietreuhand KG aus. Eine ungewöhnliche Unternehmensverfassung, die auf der Eigentümerseite Gemeinnützigkeit garantiert, auf der geschäftlichen Seite Wirtschaftlichkeit. Es ist diese besondere Verfassung, die das für Bosch typische langfristige Denken ermöglicht, weit über Quartalsberichte hinaus. Damit schließt sich der Kreis zu einer der wesentlichen Voraussetzungen für die Innovationskraft unseres Unternehmens.

CleanThinking.de: Herr Fehrenbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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