5 Fragen an … Barbara Kux von Siemens

"Nachaltigkeit ein wichtiger Treiber für das Geschäft von Siemens"

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Cleantech, CSR-News / München. Siemens ist erst kürzlich bei den SAM Sustainability Awards 2012 als nachhaltigstes Unternehmen seiner Branche ausgezeichnet worden. Die auf nachhaltige Investments spezialisierte SAM-Gruppe bescheinigte Siemens als „SAM Gold Class Sector Leader“ das höchste Niveau in Bezug auf Nachhaltigkeit. Barbara Kux, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und Chief Sustainability Officer nahm die Auszeichnung kürzlich in Berlin entgegen. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2011 mit seinem Umweltportfolio einen Umsatz von 30 Milliarden Euro – das sind rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes von Siemens.

Damit ist Siemens einer der weltweit größten Anbieter von umweltfreundlicher Technologie. CleanThinking-Redakteur Dr. Reiner Frey – Experte für Themen rund um Corporate Social Responsibility – sprach mit Barbara Kux, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und Chief Sustainability Officer, über ethische Standards, innovative Technologien für globale Herausforderungen sowie das gesellschaftliche Engagement von Siemens.

CleanThinking: Die Siemens AG ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik, dessen Tradition bis ins Jahr 1847 zurückreicht. Seit wann ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie von Siemens und wie langfristig ist Ihre Unternehmensstrategie ausgerichtet?

Barbara Kux Siemens

5 Fragen an … Barbara Kux von Siemens

Barbara Kux: Nachhaltigkeit ist für uns kein neues Thema. Sie gehört zum Erbgut von Siemens. Schon Werner von Siemens hat gesagt: „Für den augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.“ Nachhaltigkeit ist unser Leitprinzip und fest in unserer Unternehmensstrategie verankert, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dafür haben wir vor kurzem den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten. Siemens ist im Dow Jones Sustainability Index 2011 als bestes Industrieunternehmen ausgezeichnet worden.

CleanThinking: Welche neue Wachstumsfelder sehen Sie, in denen Siemens einen entscheidenden Beitrag zu innovativen und nachhaltigen Lösungen für globale Herausforderungen leisten kann? Welche Rolle spielt dabei China?

Kux: Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Treiber für das Geschäft von Siemens. Die Menschheit verbraucht heute die natürlichen Ressourcen von 1,6 Planeten. Um künftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, brauchen wir grüne Technologien. Siemens hat die entsprechenden Lösungen. Mit unserem Umweltportfolio haben wir im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von 30 Milliarden Euro erzielt – das sind gut 40 Prozent des Gesamtumsatzes und neun Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist Siemens einer der weltweit größten Anbieter von umweltfreundlicher Technologie. Unser Ziel ist es, den Umsatz unseres Umweltportfolios auf mittelfristig 40 Milliarden Euro steigern.

Bis 2020 wird sich der Umsatz von grünen Technologien auf 3100 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. China ist gemessen am Umsatz unser drittgrößter Markt und bietet enormes Wachstumspotenzial. Der neue Fünf-Jahres-Plan adressiert genau die Herausforderungen, auf die wir mit unseren nachhaltigen Lösungen Antworten geben können – sei es zur Reduzierung des Energieverbrauchs oder zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen.

CleanThinking: Was bedeutet die Energiewende für Deutschland und was sind die passenden Antworten von Siemens?

Kux: Die in Deutschland beschlossene Energiewende eröffnet, wenn sie konsequent angegangen wird, Chancen für Klimaschutz- und Umwelttechnologien. Sie kann einen Innovationsschub auslösen, eine vorbildliche Strominfrastruktur schaffen und die Exportkraft von Klimaschutz- und Umwelttechnologien aus Deutschland weiter stärken. Siemens wird einen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende leisten und engagiert sich für eine nachhaltige Energieversorgung. (Lesen Sie auch: Wie aus dem Energie-Puzzle die Energiewende werden soll)

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Dafür erhöhen wir die Effizienz von konventionellen Kraftwerken, erweitern den Einsatz von erneuerbaren Energien und entwickeln energiesparende Lösungen für Gebäude, Verkehr und Industrie. Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt ist hier ein wichtiges Beispiel. Mit seinem sehr hohen Wirkungsgrad von ca. 60 % und damit sehr niedrigen Emissionen und kurzen Anfahrtszeiten setzt Irsching 5 neue Maßstäbe in dieser Leistungsklasse. Die Anlage ist in nur 30 bis 40 Minuten auf voller Leistung, um die gestiegenen Netzanforderungen bezüglich der Integration von Windstrom zu ermöglichen.

CleanThinking: Wie werden Corporate-Responsibility-Themen in der täglichen Geschäftspraxis verankert?

Kux: Corporate-Responsibility umfasst bei uns das breite Spektrum der „Sustainability“. Nachhaltigkeit bedeutet für uns, im Sinne zukünftiger Generationen verantwortungsvoll zu handeln – wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Für Siemens ist Nachhaltigkeit kein Lippenbekenntnis, sondern bestimmt unser Handeln. Das beginnt bei der strategischen Ausrichtung unseres Produktportfolios und geht über die Themen Ressourceneffizienz und Mitarbeiterzufriedenheit, bis hin zu unserem gesellschaftlichen Engagement. Unser Ziel ist es dabei, nachhaltiges Handeln im Arbeitsalltag zu verankern. Um das zu Erreichen werden alle strategischen Entscheidungen in diesem Zusammenhang durch unser Sustainability Board getroffen, in dem sowohl die Geschäftsbereiche als auch die Fachbereiche für die einzelnen Themen gemeinsam an einem Tisch sitzen.

CleanThinking: Auf welche Schwerpunkte ist das gesellschaftliche Engagement von Siemens ausgerichtet?

Kux: Mit unserem Produktportfolio geben wir Antworten auf die wesentlichen Herausforderungen durch die Megatrends unserer Zeit: demografischer Wandel, Urbanisierung, Globalisierung und Klimawandel. Dementsprechend konzentrieren wir unser gesellschaftliches Engagement im Rahmen festgelegter operativer Regeln auf die Themen Umwelt, Bildung und Wissenschaft, humanitäre Hilfe und soziales Engagement sowie Kunst und Kultur. Wir sind überzeugt, dass wir durch den Einsatz unseres spezifischen Wissens, unserer Ressourcen sowie unserer weltweiten lokalen Präsenz in diesen Bereichen die größte Wirkung für die Gesellschaft erzielen können.

Ein Beispiel für unser Engagement ist das „250-Programm“, mit dem Siemens 250 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche anbietet, die es aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht durch den Auswahlprozess geschafft haben. Das Projekt wird seit 2008 jährlich durchgeführt und hat ein Volumen von 30 Mio. €. Eine gute berufliche Ausbildung ist eine entscheidende Voraussetzung für eine dauerhafte gesellschaftliche Integration.

Ein Beispiel aus dem Bereich Umweltschutz ist das mexikanische Hilfsprojekt »Luz cerca de todos« (Licht nah bei allen). Ziel des Projektes ist es, Orte, die nicht an das Stromnetz angeschlossen sind, mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Siemens unterstützte das Projekt mit der Installation von 182 Solarsystemen für Privathäuser und zehn Systemen für öffentliche Gebäude in neun Gemeinden. Dabei stellte Siemens Finanzmittel für Material zur Verfügung und überwachte die Installation. Die Solarmodule generieren genug Strom, um Lampen, ein Radio oder einen Fernseher mehrere Stunden zu betreiben.

CleanThinking: Frau Kux wir danken Ihnen für das Gespräch.

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