5 Fragen an… Dr. Stelzer von Vaillant

„Würden in Deutschland die veralteten Heizungen durch heute verfügbare Brennwerttechnik ersetzt, ließen sich bereits rund 30 Prozent Energie und CO2 einsparen.“

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CleanTech News / Remscheid. Mit dem Mikro-Heizkraftwerk ecoPOWER 1.0 hat Vaillant, der Heiztechnikspezialist kürzlich den Nachhaltigkeitspreis des Fachmagazin „Si Informationen“ gewonnen. CleanThinking-Redakteur Dr. Reiner Frey sprach am Rande der FTD-Konferenz „Greentech 2012“ in Frankfurt mit dem Geschäftsführer der Vaillant Group, Dr. Carsten Stelzer, über seine langfristigen Ziele, die Energiewende und die gestraffte Nachhaltigkeitsstrategie von Vaillant.

CleanThinking.de: Herr Dr. Stelzer, seit wann ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie von Vaillant?

Dr. Carsten Stelzer Vaillant 5 Fragen an... Dr. Stelzer von VaillantDr. Carsten Stelzer: Nachhaltigkeit spielte für die Vaillant Group von Anfang an eine wichtige Rolle – nur, dass es Ende des 19. Jahrhunderts niemand so genannt hat. Schon unserem Firmengründer Johann Vaillant war klar, dass eine langfristige Unternehmensstrategie sowie der umsichtige Umgang mit der Umwelt, mit Ressourcen und mit den Mitarbeitern den Geschäftserfolg absichern. Zudem war die Entwicklung effizienter und energiesparender Technologien schon immer unser Kerngeschäft.

Cleanthinking.de: Vaillant hat seine Nachhaltigkeitsstrategie 2011 neu bestimmt. Was wurde wie verändert?

Dr. Stelzer: Die Neuausrichtung des Nachhaltigkeitsmanagements bildet noch stärker das Kerngeschäft der Vaillant Group ab. Die Basis unseres ökonomischen Erfolgs sind effiziente und umweltschonende Produkte. Gleichzeitig leisten wir mit solch grünen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen und dem Einsatz von Ressourcen. Im

“Die Neuausrichtung des Nachhaltigkeitsmanagements bildet noch stärker das Kerngeschäft der Vaillant Group ab.”

Rahmen des neuen Nachhaltigkeitsprogramms haben wir deshalb dem Thema Entwicklung & Produkte ein eigenes Fokusfeld gewidmet. Daneben konzentrieren wir uns auf die klassischen Bereiche Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaft. In allen vier Fokusfeldern haben wir Ziele und Maßnahmen formuliert, die in ein gruppenweit gültiges Managementsystem integriert sind. Durch quartalsweise erhobene Kennzahlen stellen wir sicher, bei der Erreichung unserer Ziele auf dem richtigen Weg zu sein.

Auch bei der Berichterstattung zu unserer Nachhaltigkeitsperformance haben wir uns weiterentwickelt. Der Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2010 orientierte sich erstmalig an den Standards der Global Reporting Initiative. Dieses Jahr integrieren wir zudem die Fortschrittsmitteilung zum Global Compact der Vereinten Nationen.

CleanThinking.de: In welchen CleanTech-Sparten sehen Sie mit Vaillant-Innovationen besondere Chancen?

Dr. Stelzer: Besondere Chancen liegen in Hocheffizienztechnologien, z.B. Brennwerttechnik und Kraft-Wärme-Kopplung. Mit gas-basierter Brennwerttechnologie erreichen wir heute Wirkungsgrade, die kurz vor der physikalischen Grenze liegen. Eine weitere Effizienzsteigerung bei der Ausnutzung

“Der Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2010 orientierte sich erstmalig an den Standards der Global Reporting Initiative.”

von Gas ist bei der Beheizung von Gebäuden kaum noch möglich. Mit Kraft-Wärme-Kopplung wird dezentral und umweltschonend gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt. Wie zukunftsweisend dieser Ansatz ist, hat nicht zuletzt die Auszeichnung unseres Mikro-Heizkraftwerks ecoPOWER 1.0 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis gezeigt. Im Übrigen bezeichnet das Wuppertal Institut in einer für Greenpeace durchgeführten Studie Erdgas als den wesentlichen Energieträger für eine zukunftsfähige Energieversorgung.

Darüber hinaus gewinnen Hybridsysteme, die regenerative Energien einbeziehen, stetig an Bedeutung. Gleichermaßen sehen wir großes Potenzial in Systemtechnik, die über Regelungen verschiedene Komponenten intelligent kombiniert.

CleanThinking.de: Wie schätzen Sie als mittelständiges Familienunternehmen den Markt der Zukunft ein?

Dr. Stelzer: Richtungweisend ist hier der Mix unterschiedlicher Technologien, die individuell an die jeweiligen Kundenbedürfnisse angepasst werden können. Das Thema Energieeffizienz, das bereits jetzt einen überragenden Stellenwert innehat, wird uns auch in den nächsten Jahrzehnten begleiten. Hier liegt der wichtigste Hebel bei der Erreichung der Klimaziele und der Senkung von Energiekosten. Ohne die gewaltigen Potenziale zur Ressourceneinsparung zu nutzen, die allein in deutschen Kellern schlummern, wird die Energiewende schwerlich zu realisieren sein. Zur

“Ohne die gewaltigen Potenziale zur Ressourceneinsparung zu nutzen, die allein in deutschen Kellern schlummern, wird die Energiewende schwerlich zu realisieren sein.”

Verdeutlichung: Nur 12 Prozent der rund 18 Mio. Wärmeerzeuger in Deutschland arbeiten effizient. Würden die veralteten Heizungen durch heute verfügbare Brennwerttechnik ersetzen, ließen sich bereits rund 30 Prozent Energie und CO2 einsparen.

Bei komplexen technischen Lösungen werden die Themen Service und Vernetzung an Bedeutung gewinnen. Erst durch einen umfassenden Service auch nach der Inbetriebnahme bleibt gewährleistet, dass unsere Produkte über den gesamten Lebenszyklus die maximale Effizienz und damit den maximalen Umweltnutzen behalten. Und das ist der Kern des Qualitätsversprechens an unsere Kunden.

CleanThinking.de: Welche CleanTech-Innovationen aus dem Hause Vaillant stehen 2012 bevor?

Dr. Stelzer: Wir arbeiten laufend an der Optimierung unserer Brennwerttechnologien. Im Jahr 2012 werden wir zudem unser Leistungsspektrum im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung weiter ausbauen. Vorantreiben werden wir auch die Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie. Letzten Monat haben wir die erste wandhängende Brennstoffzellen-Heizung im Rahmen eines umfassenden Praxistests offiziell in Betrieb genommen. Der Start dieses Feldtests ist für uns ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung dieser innovativen Technologie. Darüber hinaus haben wir das Thema Smart Grid auf der Agenda, also die intelligente Vernetzung unterschiedlichster Einzelkomponenten, um Energie noch effizienter zu nutzen.

CleanThinking.de: Herr Dr. Stelzer wir danken Ihnen für das Gespräch. Alle 5-Fragen-Interviews finden Sie hier: 5 Fragen an…

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