5 Fragen an … Dr. Walter Huber von Merck

Merck denkt in Generationen, nicht nur in Quartalen

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CSR-News / Darmstadt. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat an vielen weltweiten Standorten ein umfassendes Sparprogramm eingeleitet. Wie viele seiner Konkurrenten leiden die Darmstädter unter den staatlichen Maßnahmen im Gesundheitssystem, dem schwierigen Nachschub an neuen Medikamenten sowie der Konkurrenz im Geschäft mit Flüssigkeitskristallen. CleanThinking-Redakteur Dr. Reiner Frey – Experte für Themen rund um Corporate Social Responsibility – sprach mit Dr. Walter Huber, Leiter Unternehmenskommunikation, über ethische Standards, innovative Produkte und Technologien sowie das gesellschaftliche Engagement der Merck-Gruppe.

CleanThinking: Merck ist ein altes Familienunternehmen dessen Tradition bis ins Jahr 1668 zurückreicht. Heute ist die Merck Gruppe eine Aktiengesellschaft, wobei rund 70 Prozent des Gesamtkapitals der Familie Merck gehören. Seit wann ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie von Merck und wie langfristig ist Ihre Unternehmensstrategie ausgerichtet?

Merck CSR Dr. Walter Huber Leiter Unternehmenskommunikation

Dr. Walter Huber, Merck

Dr. Walter Huber: Auch ohne den Begriff Nachhaltigkeit zu verwenden – es liegt in der Natur eines Familienunternehmens, nachhaltig zu handeln und damit den Besitz für die kommenden Generationen zu bewahren. Und das bedingt unternehmerisches Handeln, das weit nach vorn blickt und nicht die Substanz des Unternehmens, das ja an die Nachkommen weitergegeben werden soll, aufs Spiel setzt: Merck denkt in Generationen, nicht nur in Quartalen. Teil unserer Unternehmensphilosophie und der Kultur von Merck ist Nachhaltigkeit deshalb schon seit den Anfängen des Unternehmens.

1991 haben wir dieses Selbstverständnis in unserem Leitbild formuliert: wir wollen erfolgreich und verantwortungsbewusst handeln. Wir wollen einen Mehrwert für die Menschen, Marktpartner und das gesellschaftliche Umfeld schaffen. Deshalb ist „Verantwortung“ einer unserer sechs Unternehmenswerte, deshalb ist unsere Unternehmenskultur seit jeher durch verantwortungsvolles Handeln geprägt – sei es in Bezug auf unsere Produkte, unsere Mitarbeiter, die Umwelt oder die Gesellschaft. Dieser Ansatz findet sich auch in unserer Strategie wieder.

CleanThinking: Wie werden Corporate-Responsibility-Themen in der täglichen Geschäftspraxis verankert?

Huber: Verantwortliches Handeln gehört bei Merck zu den Grundprinzipien der Unternehmensführung und ist daher auch in der Unternehmensstrategie verankert.
Das Corporate-Responsibility-Committee, dem auch der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Karl-Ludwig Kley angehört, befasst sich mit den Themen der unternehmerischen Verantwortung sowie deren Risiken und Chancen für das Unternehmen. Vertreter der Sparten und Konzernfunktionen wie Human Resources, Environment Health Safety Security Quality, Corporate Purchasing im Corporate-Responsibility-Committee erlauben uns, diese Themen aus den verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sie in der täglichen Geschäftspraxis zu verankern.

CleanThinking: Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, regulatorischer Standards und Erfüllung weiterer in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter ethischer Standards und Anforderungen. Welchen Stellenwert hat Compliance bei Merck?

Huber: Compliance bedeutet für Merck die Einhaltung von gesetzlichen und unternehmensinternen Regelungen und darüber hinaus – und für uns besonders wichtig – ein Handeln entsprechend den in unseren Unternehmenswerten festgelegten ethischen Prinzipien. Dieses wertebasierte Compliance-Management hat für uns einen hohen Stellenwert.

Unser Verhaltenskodex erläutert die Grundsätze für den Umgang mit Geschäftspartnern, Gesellschaftern, Kollegen, Mitarbeitern und dem gesellschaftlichen Umfeld und unterstützt alle Mitarbeiter, ethisch einwandfrei zu handeln – nicht nur im Umgang miteinander, sondern auch außerhalb des Unternehmens. Wir haben ein umfassendes Schulungsprogramm aufgebaut, so nehmen die Mitarbeiter beispielsweise regelmäßig an online-Trainings teil.
Unser Group Compliance Office und die lokalen Compliance-Beauftragten in den Landesgesellschaften steuern das weltweite Compliance-Programm und sorgen für die Umsetzung der Compliance-Maßnahmen.

CleanThinking: In welchen Bereichen sind Produkte und innovative Technologien von Merck besonders nachhaltig? Wie profitiert davon die Umwelt?

Huber: Unser Erfolg und unsere Zukunft gründen auf innovativen Produkten, die den Menschen nutzen und dazu beitragen, ein besseres Leben zu führen. Die Verantwortung für unsere Produkte wird stets der Kern unserer Unternehmensverantwortung sein. Bei der Entwicklung innovativer Produkte greifen wir die vielfältigen ökologischen und sozialen Herausforderungen einer globalisierten Welt auf. Spezialchemikalien von Merck leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass unsere Kunden Energie und Ressourcen einsparen und somit einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten können.

Zwei Beispiele:

  • Die Flüssigkristalle (Liquid Crystals, LC) in Computerbildschirmen und Fernsehgeräten sorgen nicht nur für eine hohe Bildqualität. Wir entwickeln innovative, umweltfreundliche Materialien für energieeffiziente Bildschirme. Wir helfen unseren Kunden, ihre Produktionsabläufe umweltfreundlich zu gestalten und wir unterstützen sie bei der Herstellung umweltfreundlicher LC-Displays. Unsere freiwillige Sicherheitspolitik verbietet die Verwendung akut toxischer, mutagener und anderweitig gefährlicher Stoffe, die im Endprodukt verbleiben.
  • Unter dem Schlagwort „Working with sunshine™“ gruppieren sich alle Aktivitäten von Merck zur Photovoltaik, einem wichtigem Feld der nachhaltigen Energiegewinnung. In der organischen Photovoltaik versuchen wir, das nur mit hohem Energieaufwand herzustellende und teure Solar-Silizium durch Kunststoffe zu ersetzen. Gelingt hier der Durchbruch, könnten die Produktionskosten für Solarzellen bedeutend sinken und diese zu einem Massengut werden. Unter der Marke Iisicon® entwickeln und vertreiben wir druckfähige, elektrisch aktive Polymere zur Herstellung leichter, flexibler und kostengünstiger Solarzellen.

„In der organischen Photovoltaik versuchen wir, das nur mit hohem Energieaufwand herzustellende und teure Solar-Silizium durch Kunststoffe zu ersetzen.“

CleanThinking: Auf welche Schwerpunkte ist das gesellschaftliche Engagement der Merck-Gruppe-Gruppe ausgerichtet?

Huber: Unser gesellschaftliches Engagement setzt hauptsächlich dort an, wo wir aufgrund unseres Kerngeschäfts über besondere Problemlösungskompetenz verfügen. Neben dem vielfältigen Engagement unserer Landesgesellschaften in ihrem Umfeld möchte ich zwei unserer Leuchtturmprojekten hervorheben:  Im „Merck-Praziquantel-Spendenprogramm“ bekämpfen wir gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO die Wurmerkrankung Bilharziose bei afrikanischen Schulkindern. Über 200 Millionen Menschen leiden in Afrika daran. Mehr als 200.000 Menschen sterben jedes Jahr an dieser tückischen Krankheit. Vor allem bei Kindern sind die Auswirkungen einer Infektion schwerwiegend, da Bilharziose das Wachstum vermindert, die Lernfähigkeit einschränkt und zu Blutarmut führt. Seit 2007 unterstützen wir die WHO dabei, Bilharziose in afrikanischen Ländern zu bekämpfen. Seit dem Start des Programms wurden insgesamt 80 Millionen Tabletten verteilt und 19 Millionen Kinder behandelt.

Ursprünglich bis zum Jahr 2017 begrenzt, will Merck sein Engagement im Kampf gegen Bilharziose nun unbefristet bis zur Ausrottung der Krankheit in Afrika fortsetzen. Dazu plant Merck, die Anzahl der jährlich gespendeten Tabletten mit dem Wirkstoff Praziquantel von 25 Millionen auf mittelfristig bis zu 250 Millionen zu erhöhen. Praziquantel ist dabei gut verträglich und die bisher wirksamste Therapie bei Bilharziose. Darum hat die WHO den Wirkstoff auch auf die Liste unentbehrlicher Arzneimittel gesetzt. Merck hat Praziquantel in den 1970er-Jahren gemeinsam mit Bayer entwickelt.

Der „Global Pharma Health Fund“ (GPHF), eine gemeinnützige Initiative von Merck, bekämpft Arzneimittelfälschungen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Gefälschte Arzneimittel sind eine ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheitsversorgung. Interpol schätzt, dass 10 bis 30 % aller Medikamente weltweit gefälscht oder von minderwertiger Qualität sind. Das GPHF-Minilab ist ein tragbares Analyseset für die Qualitätsprüfung, mit dem man vor Ort und ohne weitere Laborausstattung minderwertige und gefälschte Arzneimittel nachweisen kann. Es bietet eine schnelle, einfache und preiswerte Testmethode, um ein Arzneimittel auf äußerliche Auffälligkeiten, Identität, Gehalt und Freisetzung zu prüfen und erkennt 57 Arzneimittelwirkstoffe, vor allem von gängigen Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten. Bisher sind 500 Minilabs in über 80 Länder geliefert worden. Es gibt aktuell kein vergleichbares Produkt.

Cleanthinking: Herr Dr. Huber wir danken Ihnen für das Gespräch.

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