5 Fragen an… Prof. Faust, Frankfurt School of Finance and Management

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (5 votes, average: 4,60 out of 5)
Loading...

Cleanthinking News / Frankfurt am Main. Der Markt für Nachhaltige Geldanlagen wächst stetig. Und dies trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten. Was aber sind nachhaltige Investitionen und was ist der Unterschied zu klassischen Assetklassen? Fachmann auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Sein Forschungs- und Lehrschwerpunkt liegt im Private Banking und Wealth Management, den Nachhaltigen Geldanlagen sowie der Finanzdienstleistungsaufsicht. CleanThinking sprach mit Prof. Dr. Martin Faust während der Konferenz „Nachhaltige Geldanlagen 2011“ der Frankfurt School of Finance and Management, die kürzlich in der Mainmetropole stattfand, über Nachhaltigkeit im Finanzsektor.

CleanThinking.de: Herr Prof. Dr. Martin Faust, was sind eigentlich Nachhaltige Geldanlagen?

Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Management and Finance

Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management

Faust: Der Begriff Nachhaltige Geldanlagen ist nicht eindeutig definiert, da sehr individuelle Vorstellungen über Nachhaltigkeit bestehen. Eine häufig verwendete Definition ist die von führenden Vertretern aus der Wissenschaft und Praxis im Jahr 2004 entwickelte Formulierung, die als „Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen“ bekannt wurde: „Nachhaltige Geldanlagen tragen zu einer zukunftsfähigen Entwicklung bei. Sie ermöglichen dies durch eine umfassende Analyse der Anlageobjekte. Diese Analyse berücksichtigt wirtschaftliche und soziale Leistungen, Naturverträglichkeit und gesellschaftliche Entwicklungen“.

Zur Begriffsverwirrung trägt bei, dass vielfach aus Marketinggründen weitere, häufig englische Begriffe verwendet die ähnliche oder gleiche Sachverhalte umfassen, so Green Money und Social Responsible Investments. Schaut man sich einzelne Anlagen genauer an, so gibt es im Markt Angebote die die Anforderungen vieler Investoren an die Nachhaltigkeit nicht erfüllen.

Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Regulierung haben sich bisher keine einheitlichen Standards entwickelt. Dies erscheint mir auch schwierig, da jeder Mensch eine andere Vorstellung davon hat, was aus seiner Sicht Nachhaltigkeit bedeutet. Waren es vor einigen Jahren insbesondere ökologische Aspekte die im Vordergrund standen, so haben in den letzten Jahren soziale und seit der Finanzkrise auch ökonomische Motive an Bedeutung gewonnen.

Ein staatliches Gütesiegel erscheint mir daher weniger sinnvoll. Was wir stattdessen benötigen, ist eine höhere Transparenz. So sollten die Anbieter der Produkte zu einer umfassenden Berichterstattung verpflichtet werden und über die Zusammensetzung des Portfolios und die Auswahlkriterien Auskunft geben. Letztlich muss dann jeder Anleger selber entscheiden, ob die Kriterien seiner Vorstellung von Nachhaltigkeit entsprechen. Dies setzt jedoch eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema bei den Investoren voraus. Die Einführung des Transparenzlogos des EUROSIF sowie die Selbstverpflichtung von Fondsgesellschaften die Vorschriften der United Nations – Principles for Responsible Investements einzuhalten sind hier sicherlich hilfreich.

CleanThinking.de: Welchen Beitrag leisten Investitionen in dieser Produktklasse, um knappe Ressourcen sparsamer und wirksamer einzusetzen?

Faust: Hier muss man nach Anlageform unterscheiden. Bei liquiden Anlagen in Aktien oder Anleihen von Unternehmen erfolgt die Auswahl häufig nach dem Best-in Class–Ansatz. Das bedeutet, man wählt die Unternehmen aus, die in Ihrer Brache Vorreiter z.B. beim Umweltschutz, im Umgang mit Ressourcen, aber auch im Bereich Compliance oder bei den Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer sind. Man möchte diese Unternehmen „belohnen“, um Druck auf die Wettbewerber auszuüben, dem positiven Beispiel zu folgen. So können Fonds und Indizes, die nach diesem Ansatz gebildet werden, durchaus Unternehmen und Branchen enthalten, die strengen Abgrenzungen von Nachhaltigkeit nicht genügen. Die Wirkungen auf die Ziele, die der Anleger mit einem Nachhaltigen Investment bezweckt, ist nur sehr gering, langwierig und indirekt.

Pages: 1 2 3
Schreiben Sie uns Ihre Meinung


Trackbacks
error: Content is protected !!