5 Fragen an… Rolf C. Zipf von CareerConcept

„Wie schon Benjamin Franklin wusste, bringt eine Investition in Bildung immer noch die besten Zinsen - in materieller wie vor allem auch in immaterieller Hinsicht.“

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Cleantech & CSR News / München. CareerConcept ist der Pionier der Studienfinanzierung in Deutschland. Seit 2002 unterstützen die Bildungsfonds des Münchner Unternehmens ausgewählte, besonders qualifizierte Studenten bei der Finanzierung ihres Studiums. Getragen werden die Bildungsfonds durch Investoren und Privatanleger. Wie bei allen Bildungsfonds gilt: Zurückgezahlt wird ein prozentualer Anteil vom späteren Gehalt. CleanThinking-Redakteur Dr. Reiner Frey sprach mit Rolf C. Zipf vom Vorstand von CareerConcept darüber, wie nachhaltig seine Bildungsfonds für Studierende und Geldgeber sind.

CleanThinking.de: Inwiefern sind Investitionen in Bildung nachhaltig?

CareerConcept AG Rolf ZipfRolf C. Zipf: Mit unseren Bildungsfonds realisieren wir sozial und ökonomisch nachhaltiges Investieren: die Anlegergelder finanzieren sorgfältig ausgewählten Studierenden deren studienbedingte Kosten, also Lebenshaltungskosten, Studiengebühren, ebenso unbezahlte Praktika oder Auslandsaufenthalte. Bis zu rund 40.000 Euro können wir auf diese Weise finanzieren. Im Gegenzug zahlen die Geförderten nach erfolgreichem Berufsstart (also erst dann, wenn sie tatsächlich ein Einkommen erzielen) einen im Voraus fixierten Prozentsatz ihres Einkommens über einen genau festgelegten Zeitraum. Das ist eine Art Venture Capital, nur eben nicht für Unternehmens-, sondern für Einkommensanteile.

„Bildung ermöglicht gesellschaftliche Partizipation und war schon immer das ‚Schmiermittel‘ für soziale Mobilität, also den gesellschaftlichen Aufstieg.“

Bildung ermöglicht gesellschaftliche Partizipation und war schon immer das “Schmiermittel” für soziale Mobilität, also den gesellschaftlichen Aufstieg. Wie schon Benjamin Franklin wusste, bringt eine Investition in Bildung immer noch die besten Zinsen – in materieller wie vor allem auch in immaterieller Hinsicht. Viele Studierende, die sich mit Bildungsfonds finanzieren, hätten ohne eine solche Finanzierung überhaupt nicht studiert, da sie Studienkrediten ablehnend gegenüber stehen. So ermöglichen Bildungsfonds jungen Leuten ein Erfolg versprechendes Studium und damit gesellschaftliche Teilhabe – insofern sind Bildungsfonds ein sozial nachhaltiges Investment.

Darüber hinaus sind Bildungsfonds aber auch ein “ökonomisch nachhaltiges” Investment: denn die Rückzahlungen der Absolventen können verwendet werden, um Auszahlungen an weitere Studierende zu finanzieren – damit lässt sich eine Art “Generationenvertrag für die Bildung” realisieren, in dem die “höheren Semester” dafür sorgen, dass für die “jüngeren Semester” die gleichen Finanzierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Viel wichtiger dabei aber: ein Bildungsfonds lässt sich gewissermaßen in einem “steady state” betreiben, also ohne Zufuhr finanzieller Mittel von außen. Und das ist ein ökonomisch selbsttragendes System, eben ein nachhaltiges System.

Übrigens können mit Bildungsfonds auch gezielt einzelne Studiengänge gefördert werden, die für eine nachhaltige ökologische Entwicklung von Bedeutung sind. Mit unserem Festo Bildungsfonds etwa werden nur Studierende aus Ingenieurwissenschaften und Technik finanziert, die dann zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien an einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung mitwirken können.

Cleanthinking: Wo setzt das Konzept von CareerConcept an?

Zipf: Im Kern der Bildungsfonds von CareerConcept steht das Konzept der Bildungsrendite: Ein Hochschulstudium kostet zunächst einmal Ressourcen, vor allem Zeit und Geld – zwischen 40.000 und über 70.000 Euro, je nach Studiengang. Auf der Habenseite steht ein höheres erwartetes Lebensarbeitseinkommen und ein drastisch reduziertes Risiko von Arbeitslosigkeit. Per Saldo errechnet etwa das DIW für Deutschland eine Rendite eines Hochschulstudiums von zwischen 9 und 13 Prozent – pro Jahr und lebenslang. Bildung lohnt sich also auch materiell.

Mit Bildungsfonds kann sich jeder, der motiviert und leistungsfähig ist, eine solche lebenslange Rendite sichern, auch wenn er oder seine Familie die Studienkosten nicht aufbringen können. Denn in diesem Fall finanziert der Kapitalmarkt, also Stiftungen, Unternehmen, Banken, Privatpersonen über Bildungsfonds die Studienkosten, und der Fördernehmer gibt einen Teil der dieser Bildungsrendite über einen begrenzten Zeitraum an den Kapitalgeber ab. Für die restlichen drei Jahrzehnte des Berufslebens gehört die Bildungsrendite dann dem Fördernehmer allein: eine typische Win-Win-Situation.

Cleanthinking: Wie wählt Ihr Bildungsfonds die Studenten aus, die er fördern möchte?

Zipf: Wir finanzieren Studierende, die ihr Studium wahrscheinlich erfolgreich abschließen und die diesen Studienabschluss voraussichtlich auch in Beschäftigung umsetzen. Zwei Dinge müssen also zusammenpassen: eine überzeugende Persönlichkeit und ein in sich stimmiges Studienvorhaben.

Im Rahmen des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens schauen wir uns daher sogenannte “harte Kriterien” an wie etwa die Entwicklung der Schulnoten in der Oberstufenzeit, die Abiturnote, das Bundesland oder auch gewisse Zusatzqualifikationen wie etwa Sprachzertifikate. Diese Daten werden mit einem quantitativen System bewertet und gemessen.

„Zwei Dinge müssen also zusammenpassen: eine überzeugende Persönlichkeit und ein in sich stimmiges Studienvorhaben.“

Genau so wichtig sind jedoch persönlichkeitsbezogene Faktoren. Hierzu führen wir mit den Bewerberinnen und Bewerbern strukturierte Interviews, um ihre Motivation für Studienfach und -ort zu überprüfen und mehr über ihre persönlichen und beruflichen Pläne zu erfahren. Teil des Bewerbungsverfahrens ist auch ein psychologischer Test im Sinne eines Profilings mit persönlichkeitsorientierten Merkmalen wie z.B. Kommunikationsstärke, Frustrationstoleranz oder Zielstrebigkeit.

Am Ende erhalten wir einen Punktwert. Liegt dieser über einem bestimmten Limit, fließt er in die individuelle Kalkulation ein. Diese berücksichtigt also personen- und studienfachbezogene Aspekte. Übrigens ist die absolute Höhe des späteren Einkommens nahezu irrelevant. Wir finanzieren also mitnichten nur Studiengänge mit hohen Einstiegsgehältern. Wichtig für uns ist die Beschäftigungswahrscheinlichkeit, die sich aus dem Studienvorhaben und der Persönlichkeit ableitet.

Cleanthinking: Wieviel bezahlt ein Geförderter nach erfolgreichem Berufsstart tatsächlich zurück?

Zipf: Bevor die erste Auszahlung erfolgt, kennt der oder die Geförderte zwei Zahlen: den Prozentsatz, der später vom Bruttoeinkommen abzugeben ist: zwischen drei und neun Prozent und die Zeitdauer, über die dieser zu zahlen ist, nämlich zwischen 48 und 84 sogenannter Verdienstmonate, in denen aus Arbeit Einkommen erzielt wird. Beide Faktoren sind absolut unveränderbar, egal wie viel oder wie wenig jemand später verdient.

Die Geförderten haben demnach Gewissheit, dass sie sich auf diese beiden Zahlen verlassen kann. Übrigens wird das Arbeitseinkommen nur bis zu einer bestimmten Höhe berücksichtigt, einer Art “Beitragsbemessungsgrenze”, wie man sie aus dem Sozialversicherungsbereich kennt. Verdient jemand noch mehr, so bleibt dieser Teil des Einkommens unberücksichtigt. Das gibt eine gewisse Sicherheit, später nicht unverhältnismäßig viel zurückzahlen zu müssen. Grundlage für die Zahlungen an den Bildungsfonds sind nur die Arbeitseinkommen.

Cleanthinking: Warum sollten an Nachhaltigkeit und Rendite orientierte Anleger in die Anlageklasse Bildung investieren? Mit welchen Kosten (Ausgabeaufschlag, Verwaltungskosten) muss der Anleger rechnen und wie erfolgreich sind Ihre Fonds im Vergleich zu anderen Asset-Klassen?

Zipf: Bildungsfonds bieten für Anleger die Möglichkeit in “Sachwerte”, nämlich das Einkommenspotenzial zukünftiger Akademiker, zu investieren. Da die späteren Einkommen mit zunehmender Inflation steigen, ist die Investition inflationsgeschützt. Übrigens korreliert das Investment auch nicht mit der Wertentwicklung in anderen Anlageklassen wie etwa Aktien oder Renten, das heißt die Investition in Bildung wirkt tendenziell portfoliostabilisierend.

Da mit den Bildungsfonds von CareerConcept derzeit Studierende an 450 Hochschulen in unterschiedlichsten Studiengängen, Studienjahrgängen und Abschlussklassen in über 20 Ländern finanziert werden, ist eine breite Diversifikation mit stabilen Cashflows gegeben. Die Rückzahlungsansprüche sind immer ein Prozentsatz des späteren Einkommens und nicht etwa ein Geldbetrag; damit sind selbst Veränderungen im Währungsgefüge (etwa eine Abschaffung des Euros) nur von geringer Bedeutung für die Anleger, da die Investition eben “geldfern” ist.

„Natürlich ist auch die Finanzrendite nicht unwichtig: Bestehende Portfolios erwirtschaften zwischen fünf und sieben Prozent p.a. Rendite nach Kosten.“

Natürlich ist auch die Finanzrendite nicht unwichtig: bestehende Portfolios erwirtschaften zwischen fünf und sieben Prozent p.a. Rendite nach Kosten.

Und schließlich bringt die Investition in Bildungsfonds dem Anleger das “gute Gefühl”, jungen, motivierten Talenten den Weg in eine beruflich Erfolg versprechende Zukunft eröffnet zu haben. Insofern ist die Investition in Bildung immer auch eine Investition in die Zukunft: die Zukunft junger Leute, die Zukunft einer Region oder eines Fachbereichs, die Zukunft einer ganzen Volkswirtschaft.

CleanThinking.de: Herr Zipf wir danken Ihnen für das Gespräch.

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