Neben den strahlen schönen Nachrichten aus der Solarbranche, die wir gestern verkündeten, gibt es auch betrübliche Neuigkeiten zu berichten: Nach der Sunfilm AG aus Großröhrsdorf bei Dresden hat nun auch die in Mochau ansässige Signet Solar GmbH, Tochter eines amerikanischen Konzerns, Insolvenz angemeldet. Dies berichten heute mehrere Medien übereinstimmend.
Signet Solar ist Spezialist für besonders große Solarmodule und hatte in den vergangenen Jahren immer große Pläne: IPO, der Aufbau einer weiteren Fabrik wurden diskutiert. Jetzt aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit die Antragstellung auf Insolvenz. Als Insolvenzverwalter wurde der Dresdner Rechtsanwalt Christoph Junker bestellt, der die Voraussetzungen zur Weiterführung des Unternehmens als “gut” beurteilt. Den ganzen Beitrag lesen »
Soeben erreichte uns folgende, unerwartete und traurige Meldung der Sunfilm AG:
“Der Vorstand der Sunfilm AG hat am 25. März 2010 beim Amtsgericht Dresden Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens für die Sunfilm AG gestellt. Dies betrifft beide Standorte in Großröhrsdorf und Thalheim mit ca. 300 Mitarbeitern, die bereits seit Ende 2009 in Kurzarbeit beschäftigt sind. Das Insolvenzgericht hat zum vorläufigen Insolvenzverwalter Herrn Rechtsanwalt Rainer M. Bähr bestellt.
Die aktuellen Marktveränderungen und EEG-Diskussionen treffen die Sunfilm AG in einer ohnehin schwierigen Markteinführungsphase. Die Gesellschafter haben ihre finanzielle Unterstützung eingestellt. Der Vorstand setzt seine Gespräche mit den Banken zur Zukunftssicherung des Unternehmens fort.
Wolfgang Heinze, Vorstandsvorsitzender der Sunfilm AG, bezog Stellung zur aktuellen Situation: “Wir verfolgen mit der beantragten Insolvenz eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens mit einem neuen Investor. Unsere leistungsstarken Produkte, die hochmodernen Fertigungslinien verbunden mit überproportionalen Markt- und Wachstumschancen unserer Technologie sowie das Können unserer Mitarbeiter sind eine sehr gute Grundlage. Wir bedauern die aktuelle Entwicklung und bedanken uns für die bisherige Zusammenarbeit. Wir werden alles in unseren Kräften stehende tun, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.”
Das Team von Cleanthinking.de drückt den sympathischen Mitarbeitern der Sunfilm AG alle Daumen, dass die Strategieänderung zu einer Besserung der Lage führen wird.
Auf dem Weg zur Sunfilm AG in Großröhrsdorf bei Dresden fällt dessen architektonisch herausragendes Gebäude schon von weitem ins Auge: Rot-Töne und ungewöhnliche Formen sind zum Markenzeichen eines sächsischen Produzenten von Dünnschicht-Solarmodulen geworden. Auch das Logo des jungen Unternehmens passt in dieses Bild.
Die Sunfilm AG ging im Mai 2009 aus dem Zusammenschluss mit der Sontor GmbH in Bitterfeld-Wolfen hervor. Beide Unternehmen wurden 2006 gegründet – Sunfilm damals unter anderem vom zentralen Investor Good Energies und die Sontor GmbH als Tochtergesellschaft der Q-Cells. Durch die Fusion der beiden Unternehmen entstand im Mai 2009 der Technologieführer bei Silizium-Tandem-Dünnschicht-Modulen.
Um den Lesern von Cleanthinking.de einen Einblick in das Unternehmen und dessen Technologie zu geben, haben wir mit Dr. Sicco Westra, dem Chief Business Development Officer von Sunfilm, ein Interview geführt.
Cleanthinking.de: Herr Westra, bitte stellen Sie uns die Technologie der Sunfilm AG vor – was genau verbirgt sich hinter der Tandem Junction Thin Film Technologie?
Sicco W. T. Westra: Unsere Technologie verzichtet auf den Einsatz von Wafern, um den photovoltaischen Effekt zu bewirken. Stattdessen erzeugen wir diesen Effekt mit zwei ultradünnen Siliziumschichten; basierend auf einer amorphen und einer mikrokristallinen Schicht. Diese Tandem-Struktur absorbiert das komplette Lichtspektrum: Ein Layer absorbiert vor allem die blauen und grünen Töne (kurze Wellenlängen), der zweite die roten und infraroten Lichtstrahlen. So können wir das Lichtspektrum sehr effektiv nutzen, um Elektrizität zu erzeugen …
Cleanthinking.de: … und welche Vorteile bringt diese Technologie?
Sicco W. T. Westra: Neben der effektiven Nutzung des Lichtspektrums stellt auch die Skalierbarkeit unserer Technologie einen zentralen Vorteil dar. Dieser zeigt sich unter anderem in der Größe der Module von bis zu 220 x 260 cm. Diese Größe ist für die Photovoltaik-Branche quasi einmalig – aus der Sicht der Baubranche sind sie jedoch verhältnismäßig klein. Die Module wirken schwarz und sind sehr ästhetisch. Letztlich ist auch die Materialersparnis absolut signifikant: Wir brauchen ein Hundertstel des Siliziums, das bei gleicher Leistung mit Wafern benötigt würde.
Cleanthinking.de: Wie umweltfreundlich ist Silizium?
Sicco W. T. Westra: Silizium ist ein absolut umweltverträglicher Rohstoff. Silizium wird aus Sand gewonnen und ist überall auf der ganzen Welt verfügbar.
Cleanthinking.de: Wir haben gelernt, dass Ihre Module besonders groß sind und gut skalierbar – welche Kernmärkte haben Sie im Blick?
Sicco W. T. Westra: Ein schon sehr wichtiges Feld sind große Dächer, etwa von Firmen oder öffentlichen Gebäuden. Los geht es bei einer Leistung von einem halben Megawatt.
Ein weiterer wichtiger Markt sind Solarparks, insofern richten wir uns an Projektierer. Außerdem setzen wir aufgrund der Ästhetik unserer Module auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik, die jedoch noch am Anfang steht.
Cleanthinking.de: Wie steht es mit der Effizienz der Module?
Sicco W. T. Westra: Effizienz muss unbedingt differenziert betrachtet werden: Generell spielt dieses Maß als Teil der Performance eines Solarmoduls gerade in der Dünnschicht-Technologie eine geringere Rolle als bei herkömmlichen Modulen mit Wafern.
Denn: Effizienz misst man immer unter Laborsituationen, die es in der realen Welt praktisch nie gibt. So wird der Effizienzwert immer bei direkter Sonneneinstrahlung im rechten Winkel zum Modul ermittelt. Unsere Produkte haben etwa für den deutschen Markt den ganz wichtigen Vorteil, dass sie schon bei diffusem Licht eine hohe Leistung bringen – denn mal ehrlich: wie viele Sonnentage, die mit den Laborbedingungen auch nur ansatzweise vergleichbar sind, haben wir in Deutschland wirklich? Den ganzen Beitrag lesen »
Conergy (FAZ, Cleanthinking.de)
Dass es beim Cleantech-Unternehmen Conergy, eigentlich bis vor Jahren einem der Hoffnungsträger der Solarbranche in Deutschland, nicht rund läuft ist spätestens seit der Posse um die Verschiebung des Jahresabschlusses 2008 bekannt. Doch jetzt hat die FAZ aufgedeckt, was wirklich dahinter steckt: Onkel und Neffe verklagen sich gegenseitig, Missmanagement und falsche Zielsetzungen führten über Jahre zu einem Niedergang des hoffnungsvollen Unternehmens. Die FAZ vergleicht die Geschichte sogar mit dem damaligen Skandal rund um EM.TV, als die Haffa-Brüder Bilanzen aufbauschten und irgendwann aufflogen. Der Beitrag der FAZ ist in jedem Fall empfehlenswert.
Sunfilm AG (Presseinfo)
Die Sunfilm AG (Großröhrsdorf) und die Sontor GmbH (Bitterfeld-Wolfen) fusionieren und firmieren künftig unter dem gemeinsamen Dach der Sunfilm AG. Damit verninden die beiden Unternehmen die Expertise in der Produktion sowie in Forschung und Entwicklung von siliziumbasierten Dünnschichtsolarmodulen, um künftig eine führende Position im Dünnschicht-Sektor einnehmen zu können. Insbesondere versprechen sich die Vertreter des neuen Unternehmens höhere Produktivität sowie beschleunigtes Wachstum.Zu den Gesellschaftern gehören Q-Cells, Good Energies und NorSun.
“Die Dünnschicht-Technologie ist eines der wesentlichen Wachstumssegmente in der Photovoltaikindustrie. Nach der Fusion wird die neue Sunfilm AG an diesem Wachstum maßgeblich teilhaben. Wir werden unser Unternehmen als treibende Kraft im Markt und als Technologieführer positionieren”, sagt Wolfgang Heinze, Chief Operating Officer und Vorstandsvorsitzender der Sunfilm AG.
Grüner Leben (Focus)
Im Juni erscheint ein Focus-Special mit dem Oberthema “Grüner Leben” – um bei den Lesern möglichst viele Punkte vor Verkauf des Specials zu sammeln, gibt es ein Online-Voting welche Themen gewünscht sind. Als Oberthemen haben sich die Focus-Redakteure Ernährung, Einfach Leben, Wasser und Erneuerbare Energien ausgedacht. Im Voting führt gerade Einfach Leben knapp vor Wasser. Wir dürfen gespannt sein…
IRENA (Wir Klimaretter, Cleanthinking.de)
Im Mai wird sich entscheiden, wo die neue internationale Agentur für Erneuerbare Energien, Irena, ihren Hauptsitz bekommen wird. Im Rennen sind dem Vernehmen nach Bonn, Wien und – wenig überraschend nach den Plänen mit Masdar und dem Einstieg bei Daimler - auch Abu Dhabi. Am 30. April endet die Abgabefrist für die Bewerbung. Bis Mitte April hatte die Bundesregierung die Bewerbung für Bonn noch nicht eingereicht – was die Hoffnung der Scheichs nährt, die Regierung könne Abu Dhabi als Standort unterstützen. Schaun mer mal.