Cleanthinking.de – Cleantech und Energie News

Cleanthinking.de: Cleantech Wirtschaftsmagazin für die saubere Energie der Zukunft

Algen: Schnell wachsende Multitalente für Klimaschutz, Batterien oder Kraftstoffe

Die Zahl, wie viele Algen-Arten es auf der Welt gibt, schwankt erheblich. Zwischen 30.000 und 100.000. Ungefähr. So genau weiß das vermutlich kein Forscher weltweit. Eines ist aber klar: Nur wenige Algenarten sind bislang überhaupt erforscht und auf ihre Eigenschaften hin untersucht. Das Potanzial, das Algen für die Bereiche Klimaschutz, Nahrungsmittel, Kraftstoffe oder Batterie-Produktion haben, ist in jedem Fall enorm bis gigantisch. Obwohl der ganz große Durchbruch noch aussteht, haben wir uns von Cleanthinking.de einmal mit der Thematik beschäftigt. Lesen Sie selbst.

Am vergangenen Freitag trat ein Schweizer Start-Up namens AlgMax erstamlig in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Das junge Cleantech Unternehmen verkündete in einer Pressemitteilung, es habe Fortschritte bei der Sequestierung von Kohlendioxid durch einen speziellen Algenstamm (Chlorella) mit geringem Lichtbedarf gegeben. Gleichzeitig baut das Unternehmen auf die Nutzung von Algenbiomasse in Biogasanlagen zur Herstellung von Biokraftstoffen oder für Anwendungen im Nahrungs- und Futtermittelsektor.

AlgMax reduziert Flächenbedarf enorm

AlgMax hat es geschafft, die Algenart von ihrer Licht-Gläubigkeit abzubringen. Denn: Algen benötigen zum Wachsen vor allem zweierlei: Licht und CO2. Um den Algen ausreichend Licht zu geben, ist meist ein großer Flächenbedarf bei offenen Teichen nötig – in Gewächshäusern oder Photobioreaktoren müssen die Algen aufwändig beleuchtet werden.

Anders als ein amerikanisches Start-Up, dass die Algen gentechnisch so verändert hat, dass sie sich quasi von Zucker statt von Licht ernähren, hat es AlgMax nun durch natürliche Selektion geschafft, einen Algenstamm der Gattung Chlorella zu züchten, der nach einer kurzen Lichtzufuhr durch Zugabe geeigneter Nährmedien – vielleicht wieder der berühmte Zucker? – ohne Licht wächst. Damit kann der Flächenbedarf zur Erzeugung der Algenbiomasse bis zu 600mal geringer gestaltet werden als bei herkömmlichen Systemen. Ein echter Fortschritt. AlgMax will nach der Patentanmeldung rasch in eine Pilotanlage investieren.

Algen: Höchst spannender Forschungsgegenstand

Algen sind nicht nur wegen ihrer Artenvielfalt höchst spannender Forschungsgegenstand. Und immer mehr Unternehmen kommen mit ganz unterschiedlichen Verfahren an die Öffentlichkeit, und versuchen, den Durchbruch zu schaffen. Platzhalter in diesem Geflecht aus Forschung und Wirtschaft ist das amerikanische Unternehmen Solazyme, das ebenfalls versucht, aus Algen Kraftstoffe zu gewinnen. Dabei ist das Cleantech Start-Up nun soweit, den Herstellungsprozess optimiert zu haben, dass der Biosprit konkurrenzfähig zu herkömnmlich aus Öl gewonnenem Benzin wird.

Dabei setzt Solazyme – anders als AlgMax auf genetisch veränderte Algenstämme, die in dunklen, abgeschlossenen Zuchttanks gezüchtet werden. Dort sind die Algen nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt und können keine Photosynthese betreiben, um Energie zu gewinnen. Ganz im Gegenteil: Die Algen werden mit Biomasse gefüttert, aus der sie Zucker siehen, den sie dann in Öl “umbauen”. Das pflanzliche Rohöl schließlich lässt sich zu ganz unterschiedlichen Treibstoffen verarbeiten: sowohl Diesel als auch Flugbenzin beispielsweise.

Welche Algentechnologie sich letztlich durchsetzen wird, ist momentan nicht klar. Klar ist aber, dass Algen ein gigantisches Potenzial aufweisen: Sie “atmen” CO2 und können dadurch im Umfeld von Gas- und Kohlekraftwerken quasi als pflanzliche CCS-Technologie eingesetzt werden. Gleichzeitig wachsen sie sehr schnell und sind dadurch effizienter einsetzbar als Raps und andere Alternativen.

Und: Algen werden nicht als Nahrungsmittel benötigt, weshalb es keine Konkurrenz zwischen Hungersnot auf der einen Seite und Klimawandel auf der anderen Seite gibt.

Batterien aus Algen: Die Zukunft?

Neben den genannten Start-Ups gibt es noch viele weitere, die das Potenzial der Algen ausschöpfen möchten: Auffällig ist aber, dass diese Start-Ups durchaus “kommen und gehen”, d.h. dass es schon in den Jahren 2001-2003 Versuche gab, diese Technologie lukrativ zu machen, diese Unternehmen aber inzwischen verschwunden sind.

Andererseits beschäftigen sich Ausgründungen aus dem renommierten Massachusetts Institute of Technology wie das mit VC-Gebern hoch dekorierte Unternehmen Greenfuel Technologies Cooperation mit Ansätzen rund um Algen. Das zeigt, dass es im Hinblick auf die schrumpfenden Öl-Vorräte ein spannendes Thema bleiben wird. Vielleicht werden wir sogar bald Batterien aus Algen an Kleidungsstücken tragen – dies jedenfalls sehen Forscher aus Schweden als erstrebenswert an…

Tags: , , ,


4 Reaktionen zu “Algen: Schnell wachsende Multitalente für Klimaschutz, Batterien oder Kraftstoffe”

  1. Tweets die X erwähnen Start-Ups wie AlgMax und Greenfuel Technologies nutzen Algen für Technologie zur Erzeugung von Flugbenzin, Biodiesel oder gar Akkus, Kohlendioxid-fressende Pflanzen als Chance zur Minderung von CO2? | Cleanthinking.de -- Topsy.com schreibt

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Martin Seufert und Martin Seufert. Martin Seufert sagte: Algae start-ups become more and more important: http://bit.ly/7vgaM [...]

  2. Lohas News - Rundschau 21.09.2009 | A-LOHA LOHAS! Blog schreibt

    [...] Algen: Schnell wachsende Multitalente für Klimaschutz, Batterien oder Kraftstoffe Die Zahl, wie viele Algen-Arten es auf der Welt gibt, schwankt erheblich. Zwischen 30.000 und 100.000. Ungefähr. So genau weiß das vermutlich kein Forscher weltweit. Eines ist aber klar: Nur wenige Algenarten sind bislang überhaupt erforscht und auf ihre Eigenschaften hin untersucht. Das Potanzial, das Algen für die Bereiche Klimaschutz, Nahrungsmittel, Kraftstoffe oder Batterie-Produktion haben weiterlesen [...]

  3. Ahmet schreibt

    I speak very little German but I had my german friend to translate this. As an algae expert from Bay Area, I must say you made a really strong analysis of the market. Its not surprising that German folks work on algae fuel too. I definetelyl see smart partnerships between leading algae fuel firms from Bay Area and german companies.

    Considering that especially Solazyme does not use sunlight but organic waste and tanks to make fuel from algae, it fits german climate too.

  4. Biomasse-Nutzung » Auflistung von Unternehmen und Instituten im Bereich der Algennutzung schreibt

    [...] Abschluss noch eine Verlinkung zum Partnerblog cleanthinking, der sich mit in einem Artikel mit zwei weiteren Unternehmen innerhalb der Algennutzung [...]

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2009, Cleanthinking.de – Cleantech und Energie News, Cleanthinking.de: Cleantech Wirtschaftsmagazin für die saubere Energie der Zukunft | business pro theme by ep -- Cleantech PR-Agentur -- Bildrechte im Header erworben bei fotolia.de -- CleanTech, Saubere Technologie, Energieeffizienz, Photovoltaik, Erneuerbare Energien, grüne Wirtschaft, Elektroauto, Elektromobilität
43 queries, 1.508s | Beiträge (RSS) & Kommentare (RSS) | powered by wp & insurance1