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Bloom Energy: Zu viel Hype oder berechtigter Boom?

Bloom Energy - Be The SolutionBloom Energy, das von namhaften Investoren und Partnern unterstütze Cleantech Startup aus dem Silicon Valley, hat in der vergangenen Woche seinen jahrelangen Stealth Mode verlassen und der Welt gezeigt, was es zu bieten hat. Dabei sparte Bloom Energy nicht mit großen Namen: Einer der wichtigsten Investoren und Fürsprecher ist John Doerr von Kleiner Perkins, der bei Startups wie Amazon, Google oder Netscape bereits ein gutes Näschen für spätere Global Player hatte.

Im Aufsichtsrat sitzt kein geringerer als Ex-Außenminister Colin Powell. Und: Die ersten Kunden von Bloom Energy sind Giganten wie Google, eBay, FedEx oder Wal-Mart.

Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dem Unternehmen, das von einem Ex-NASA-Mann gegründet wurde, 400 Millionen Dollar Venture Capital einsammelte und schließlich nach fast einem Jahrzehnt Stealth Mode eine PR-Kampagne startet, die seinesgleichen sucht? Ist die Technologie wirklich so weit entwickelt, dass Bloom Energy den Markt für Brennstoffzellen revolutionieren und damit den Weg in eine dezentrale Energieversorgung der Zukunft ebnen kann? Cleanthinking.de hat die wichtigsten Infos zu Bloom Energy zusammengetragen und gleichzeitig deutsche Unternehmer und Experten befragt.

Bloom Energy: Gigantische Brennstoffzelle für autarke Energieversorgung

Der so genannte Energy Server ES-5000 ist ein Minikraftwerk, das aus vielen kleinen Brennstoffzellen der SOFC-Generation besteht. Vision von Bloom Energy: In fünf bis zehn Jahren soll eine handvoll dieser kleinen Brennstoffzellen für unter 3.000 Dollar zu haben sein – und damit soll ein ganzes Einfamilienhaus mit Energie versorgt werden können.

Dabei handelt es sich um eine Brennstoffzelle der SOFC-Generation, der so genannten Hochtemperatur-Brennstoffzellen. Für weitere, teils kritische, teils euphorische Einblicke sei die CBS-Sendung 60 minutes empohlen: Watch CBS News Videos Online

Der Bloom Energy Server wurde gemeinsam mit Underwriters Laboratories entwickelt. Zum Betrieb benötigt die 10-Tonnen-Brennstoffzelle Erdgas oder Biogas oder ähnliche Brennstoffe. Der Wirkungsgrad liegt nach Angaben des Unternehmens bei 50 bis 70 Prozent und kann noch gesteigert werden, falls die Abwärme, die durch den Verbrennungsvorgang entsteht, ebenfalls zur Energieerzeugung genutzt wird (KWK). Zum Vergleich: Ein deutsches Kohlekraftwerk der modernsten Generation weist einen Wirkungsgrad von 38 Prozent aus, ein Kernkraftwerk 30 bis 40 Prozent.

Bloom Energy verkündet außerdem stolz, der Schadstoffausstoß sei im Vergleich zu Kohlekraftwerken um 67 Prozent niedriger.

Zwei Theorien: Namedropping oder Technologie-Revolution?

Wirft das Unternehmen jetzt die Namedropping-Maschine an, um einerseits in der Öffentlichkeit Buzz zu erzeugen und damit irgendwann mit einem IPO weiteres Geld einzusammeln oder eine neuerliche VC-Finanzierungsrunde einzutüten? Cleanthinking.de-Autor Markus Czerner ist skeptisch: “Zu viel Geheimniskrämerei, wie sie Bloom Energy lange betrieben hat, macht mich nachdenklich. Wichtig ist einzig und allein die Wirtschaftlichkeit des Bloom Energy Servers – und darüber liest man bislang nichts!”

Damals, als Segway öffentlich vorgestellt wurde, habe es ebenfalls erst Geheimniskrämerei und dann einen großen Boom gegeben, so Czerner weiter. “Was daraus geworden ist, wissen wir alle – Segway geht es schlecht, das Geld ist verbrannt!” Einer der Lead-Investoren bei Segway: Kleiner-Perkins-Mann John Doerr…

Andererseits sagt eBay, das fünf der Bloom Energy Server für den Betrieb eines PayPal-Gebäudes einsetzt, man habe in den 9 Monaten seit der Installation 100.000 Dollar Energiekosten eingespart. Nur: Diese Kostenersparnis hat vor allem damit zu tun, dass die Energie aus der Brennstoffzelle als “grüne Technologie” gilt und vom Staat Kalifornien massiv gefördert wird. Immerhin setzt eBay beim Betrieb der Bloom Energy Server auf die Befeuerung mit Biogas – und spricht davon, die Stromerzeugung damit CO2-neutral halten zu können.

Jeder Server kostet (ohne eingerechnete Subventionen) momentan zwischen 700.000 und 800.000 Dollar, dafür wird 100 Kilowatt Strom erzeugt. Hinzu kommen weitere Kosten für den Brennstoff – egal ob Erdgas oder Biogas beispielsweise.

Experteneinschätzungen: Großes Fragezeichen bei der Wirtschaftlichkeit

Ein Experte aus dem Beratungsumfeld vermutet, dass das von Bloom Energy verwendete Elektrolytmaterial, das Zirkonoxid ersetzt, der Schlüssel zum Erfolg des Bloom Energy Servers sein könnte. Allerdings  “scheint auch das keinen richtigen Durchbruch bei den Kosten zu bringen.” Der Experte hält vom jetzigen Preis von 7.000 bis 8.000 Euro je Kilowatt installierter Leistung für die Energy Server nicht sehr viel. “Dies entspricht dem Wert, den auch Siemens und Westinghouse mit SOFCs schaffen. Allerdings liegen die Zielkosten bei 1.500 Euro je Kilowatt – und das ist noch ein weiter weg.”

Staxera LogoEbenfalls skeptisch zum Kostenmodell äußerte sich Jeremy Lawrence vom Dresdner SOFC-Hersteller Staxera: “Wir selbst entwickeln nur Brennstoffzellen-Stacks, also nicht die kompletten System drum herum. Dennoch sehen wir Bloom Energy einerseits als Konkurrent, aber andererseits auch als ein Unternehmen, das womöglich weltweit das Interesse an der durchaus zukunftsträchtigen Brennstoffzellen-Technologie wecken kann.”

Die Staxera-Stacks werden u.a. von Vaillant, einem der wichtigsten Player auf dem Markt der SOFC-Brennstoffzellen in Deutschland verwendet und in eigene Micro KWK Systeme der 1kW-Klasse integriert.

Michael Stelter, einerseits Vorstand der Brennstoffzellen-Initiative Sachsen und andererseits Leiter der Abteilung Mikro- und Energiesysteme des Fraunhofer IKTS in Dresden, schätzt die grundlegende Staxera-Technologie als “absolut konkurrenzfähig zu Bloom” ein, insbesondere in den Bereichen Fertigungspräzision, Langlebigkeit uind Qualitätsprozesse. “Leider fehlt in Deutschland eine Firma, die die Verantwortung für das Gesamtsystem übernimmt”, so Stelter weiter. Insofern bewertet Stelter den – auch öffentlichen – Durchmarsch von Bloom Energy durchaus positiv:

Dr. Michael Stelter Fraunhofer IKTS“Stand heute haben die einzelnen Komponenten der SOFC – also Stack, Brenner, Reformer usw., jeweils Leistungsdaten, die eine erste Systementwicklung auf Feldtestniveau erreichen. Das heißt, dass die Leistungsdaten so gut sind, dass man Systeme mit 30 – 50% elektrischem Wirkungsgrad und über 80% Gesamtnutzungsgrad (bei KWK) bauen kann. Die Langlebigkeit wurde über tausende Stunden Dauerbetrieb nachgewiesen.

Ein Staxera-Stack z.B. wurde schon über 20.000 Stunden betrieben. Die aktuellen Anstrengungen richten gegenwärtig sich weltweit darauf, schnellstmöglich funktionierende SOFC-Systeme darzustellen und unter realistischen Bedingungen zu testen.

Wir stehen hier in Deutschland nach über 20 Jahren Forschung an der SOFC vor einer Situation, wo wir sämtliche werkstoffwissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet haben, wo wir über Industrieunternehmen verfügen, die alle diese Bauteile der SOFC in geschlossenen Wertschöpfungsketten herstellen könnten, wo wir funktionierende Prototypen bauen können und wir mit Dresden über eines der weltweit führenden Gravitationszentren der SOFC-Forschung verfügen. Gleichzeitig ist es offenbar bisher nicht möglich, in Deutschland – einem Land das sich gern als führend in der ressourcenschonenden Energietechnik sieht – ein Industrieunternehmen zu finden, welches – wie Bloom – bereit und in der Lage ist, das Risiko auf sich zu nehmen, alle diese vorhandenen Technologien zu einer fokussierten Systementwicklung zu bündeln.

Wir laufen gerade ganz konkret Gefahr, dass wir den technologischen Vorsprung aus 20 Jahren Grundlagenarbeit innerhalb weniger Jahre an Firmen wie Bloom und insbesondere ostasiatische Wettbewerber verlieren. Insofern ist die technische Präsentation von Bloom von enormer Bedeutung für uns und die ganze Branche. Wir hoffen, dass es auch in Deutschland den einen oder anderen wachrüttelt, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Deshalb wünschen wir unseren Kollegen von Bloom auch viel Erfolg – das wäre das beste, was uns hier passieren kann.”

Ähnliche Gedanken verfolgt auch Staxera-Experte Lawrence: “Wir denken nicht, dass Bloom Energy ein großer Fake oder ähnliches ist: Mit dem VC von 400 Millionen Dollar kann man eine Menge Verbesserung anstellen – und wir gehen davon aus, dass das Unternehmen u.a. sehr viel Geld in die Zell- und Systementwicklung investiert hat.

Einen Aspekt finde ich aber neben der unklaren Kostenstruktur bemerkenswert: Wenn wirklich in den USA ein Server jeweils 100 bis 200 Haushalte versorgen soll, dann muss dort natürlich dementsprechend auch eine dezentrale Gasversorgungsstruktur mitwachsen, damit genügend Erdgas oder Biogas verfügbar ist. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Versorgungsunternehmen auf beiden Seiten des Atlantik auf die neue Technologie reagieren.”

Dr. Peter Podesser Smart Fuel Cell AGDr. Peter Podesser, Vorstandsvorsitzender dder SFC Smart Fuel Cell AG aus München, sieht im Angebot der Bloom Energy bisher eher reine Testinstallationen und noch lange kein kommerzielles, direkt kaufbares Angebot. SFC selbst hat dagegen die so genannte Direct Methanol Fuel Cell (DMFC) bereits mehr als 17.000 mal verkauft und sieht sich daher in diesem Segment als Innovationsführer.

“Momentan planen wir keine vergleichbaren Systeme für Bürogebäude oder Haushalte. Unsere Strategie konzentriert sich auf netzferne Märkte – Fahrzeugstromversorgung, netzwerne Industrieanwendungen, tragbare Energieversorgung”, so Dr. Podesser.

Fazit: Insgesamt ist die Technologie von Bloom Energy wohl eher die erste nahezu kommerzielle SOFC-Brennstoffzelle in einem 100 KW-System. Einige kleinere Innovationen führen in der Summe zu einem interessanten Gesamtsystem, das in den kommenden Jahren den Beweis antreten muss, mit vergleichbaren Gasturbinen o.ä. vor allem preislich mithalten zu können. Momentan lebt Bloom vor allem von den immensen Subventionen durch den Staat Kalifornien.

Dennoch ist es – so sagen die Experten fast unisono – für den Markt der Brennstoffzellen insgesamt ein guter Schritt, um insgesamt mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Technologien aus Deutschland wie die von Staxera und SFC müssen sich vor dem, was Bloom entwickelt hat, allerdings kaum verstecken.

Zuletzt ist die Frage offen, mit welchem Ziel Bloom Energy jetzt diesen Hype losgetreten hat – wird bereits die nächste Finanzierungsrunde angestrebt oder innerhalb der kommenden 1-2 Jahre ein IPO vorbereitet? Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, wie revolutionär die Technologie von Bloom Energy tatsächlich ist.

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5 Reaktionen zu “Bloom Energy: Zu viel Hype oder berechtigter Boom?”

  1. Jörg Loch schreibt

    Bitte keine physikalischen Größen vergewaltigen: “7.000 bis 8.000 Euro je Kilowattstunde”

    Verglichen mit ca. 20 Eurocent für eine kWh aus dem deutschen Netz wirklich kein Schnäppchen.

    Gemeint ist hier nicht der Energiepreis, sondern der Preis der installierten Leistung, 7.000 bis 8.000 Euro je Kilowatt.

  2. MartinJ schreibt

    Hallo Jörg, vielen Dank für den Hinweis – ist korrigiert :-)

    VG, Martin Jendrischik

  3. Robert G schreibt

    Ich möchte darauf hinweisen, dass im momentan Preis des Bloom-Energy Servers auch die Investitionskosten des letzten Jahrzehnts untergebracht sein dürften!
    Also ist es meiner Meinung nach im Moment überhaupt nicht möglich ein Aussage über die wirtschaftlichkeit bzw. die Herstellungskosten des Systems zu machen!
    Bloom gibt an, gerade bei den eingesetzten Materialien und Herstellungsverfahren enorme Kostenersparnisse erreicht zu haben. Dass diese Reduktion nicht sofort beim Kunden ankommt scheint logisch.

    Es sei also zumindest die Hoffnung erlaubt, dass das 3000 Dollar Heimsystem für Jederman realisierbar wird.

  4. f-cell: Bloom Energy Server im Mittelpunkt des Brennstoffzellen-Fachforums | Cleanthinking.de - Cleantech und Energie News schreibt

    [...] Der österreichische Zulieferer Plansee SE stellt im September auf dem Brennstoffzellen-Fachforum f-cell erstmalig eine kleine Neuentwicklung vor: Diese Open-Source-Stackplattform basiert auf dem Bloom Energy Server des amerkanischen Cleantech-Startups Bloom Energy (vgl. Cleanthinking-Beitrag zu Bloom Energy). [...]

  5. Cleantech News: Tony Blair wird Senior Berater bei Khosla Ventures | Cleanthinking.de - Cleantech und Energie News schreibt

    [...] Ventures ist an einer ganzen Reihe hoch interessanter Cleantech Start-Ups beteiligt – so etwa Bloom Energy. Khosla Ventures hatte im September 2009 zuletzt einen Fonds über 1,1 Milliarden Dollar [...]

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