Brennstoffzellen-Heizung: Fit für die Masse?

Praxistests führen zu Fortschritten auf verschiedenen Gebieten/ Callux-Projekt testet über 360 Brennstoffzellen-Heizgeräte

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Brennstoffzellen sind große Hoffnungsträger für eine saubere, dezentrale Energieversorgung. Doch während die Nutzung der Brennstoffzelle im Auto trotz wiederkehrender Ankündigungen der Automobilhersteller bis heute nur in Ansätzen realisiert ist, bewegt sich im Bereich der Brennstoffzellen-Heizgeräte für Eigenheime und Gewerbeeinheiten einiges. Hersteller erzielen mit Praxistests erstaunliche Fortschritte bei Größe, Gewicht oder Nutzungsgrad. Eine breite Markteinführung in den kommenden Jahren wird zum realistischen Szenario.

Die Callux-Box bietet alles, um die Kommunikation mit Brennstoffzellen-Heizgeräten  dezentral möglich zu machen. Bild: Callux

Die Callux-Box bietet alles, um die Kommunikation mit Brennstoffzellen-Heizgeräten
dezentral möglich zu machen. Bild: Callux

CleanTech & Brennstoffzellen News / Schwelm. Fünf Jahre nach dem Start von Callux, dem großen Praxistest „Brennstoffzelle fürs Eigenheim“ sind die Fortschritte in der Effizienz-Technologie, die sowohl Strom wie auch Wärme erzeugt, unverkennbar. „Callux ist ein äußerst wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Serie“, berichtet Jens Wichtermann, Unternehmenssprecher von Vaillant. Der Remscheider Heizungsbauer gehört zu den Herstellern, die mit der Brennstoffzelle den Heizungsmarkt umkrempeln wollen – in den kommenden Jahrzehnten.

Deutliche Verbesserung der Nutzungsgrade

Im Rahmen vom Callux-Projekt testen fünf Energieversorger, darunter die VNG, bis heute mehr als 360 Brennstoffzellen-Heizgeräte von Vaillant, Baxi Innotech und Hexis im Feld. Bis 2016 sollen ca. 200 weitere Anlagen hinzukommen. Ergebnis? „Bis heute wurden Erfahrungen aus mehr als 2,9 Mio. Betriebsstunden gesammelt“, weiß Ute Scholz, Hauptreferentin Technische Dienstleistungen bei der Verbundnetz Gas AG. Sinkende Investitionskosten, höhere Anlagenverfügbarkeit, niedrigeren Wartungsaufwand, weniger Platzbedarf und eine deutliche Verbesserung der Nutzungsgrade wurden beispielsweise realisiert.

„Wir erleben derzeit, dass auch die Handwerker sich für die neue Technologie öffnen“, berichtet Scholz eine weitere Veränderung im Markt. Doch trotz der positiven Entwicklung, kostet der Übergang vom Feldtest zur breiten Marktreife weiterhin noch Zeit. Mitte 2016 läuft das vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderte Projekt aus. Damit die erheblichen Preisunterschiede zur heute alltäglichen Brennwerttechnik vermindert werden, sind sowohl höhere Stückzahlen und Förderprogramme notwendig. Hier haben Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen inzwischen die ersten Schritte gemacht. Läuft die weitere Markteinführung optimal, könnte der Absatz laut Marktstudien auf ca. 70.000 Geräte pro Jahr in 2020 steigen.

Zu virtuellen Kraftwerken zusammenschalten?

Für die Energiewende ist die Brennstoffzelle im Keller von besonderer Bedeutung: „Im Callux-Projekt testen wir mit der Callux-Box eine standardisierte Kommunikationsschnittstelle“, erklärt Dr. Marc-Simon Löffler vom Stuttgarter Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW), das Callux wissenschaftlich begleitet. Neben der Erfassung relevanter Gerätedaten sowie der Fernwartung wird hiermit auch erprobt, wie mehrere Geräte zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet und je nach Bedarf gesteuert werden können.

Ziel von Callux ist es, Heizungen auf Basis von Brennstoffzellen bis 2016 markfähig zu machen. Der nächste Schritt ist der Aufbau von Lieferketten sowie die Schulung der Marktpartner. Damit aus dem erfolgreichen Feldversuch bald die Effizienz-Revolution im Heizungskeller wird.

(Dieser Beitrag erschien zuerst in mediumgas – Das Magazin der VNG-Gruppe. Ausgabe 3 | 2013)

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