Byton: Kirchert und Breitfeld machen aus Elektroauto ein Smart Device

Chinesisches Elektroauto-Startup Byton setzt auf Vernetzung und Autonomes Fahren - frühere BMW-Manager wollen Byton-Elektroautos als Smart Inuitive Vehicle weltweit etablieren

Byton ist eine junge Elektroauto-Marke eines Elektroauto-Startups mit Hauptsitz in China. Mit dieser Marke Byton wollen die ehemaligen Automanager Dr. Daniel Kirchert und Dr. Carsten Breitfeld eine neue Auto-Kategorie etablieren. Aus dem Sports Utility Vehicle wird sozusagen das Smart Intuitive Vehicle. Das gaben die beiden Mitgründer erstmals im Rahmen der CES 2018, der Technologiemesse in Las Vegas, bekannt. Dort präsentierten sie bei einer Pressekonferenz, die wie eine Keynote von Elon Musk oder früher Steve Jobs, aufgebaut war und vor weit mehr Publikum als einigen Journalisten stattfand, ein Elektro-SUV als ersten Beleg für ihren Anspruch, eine globale Elektroauto-Marke werden zu wollen.

Byton Foto Elektroauto Display fuer alleDas Elektroauto-Startup Byton vergleicht sich als Innovator eher mit Apple als mit Tesla. Als Hauptkonkurrent sieht Byton eher Mercedes, Audi und BMW an. Die Elektroautos der neuen Marke sollen Premium-Fahrzeuge werden. Auf das Fahrgefühl konzentriert sich Byton bei der Entwicklung allerdings weniger – große Teile des Antriebsstrangs liefert beispielsweise Bosch. Viel wichtiger ist den Machern ein modernes, elegantes Design und vor allem ein Innenraum, der das Auto zu einem mobilen Gadget macht.

Antennen für 5G-Mobilfunk sind beispielsweise elegant verstaut worden. Türgriffe braucht das Fahrzeug ohnehin nicht, weil es sich nur per Gesichtserkennung öffnen lässt. Schon 2021 wird das Elektroauto autonom auf Level 4 oder 5 unterwegs sein – zumindest wie vom Management angekündigt in zwei chinesischen Städten, mit denen derzeit Verhandlungen laufen. Vor allem, wenn das Auto autonom unterwegs sein wird, wird das erzeugte Lounge-Gefühl besonders ausgeprägt sein. Denn die Vordersitze lassen sich leicht drehen, so dass sich die Insassen anschauen können.

Amazon und Google sind im Elektroauto der Elektroauto-Bauer bereits vertreten. Während die Sprachassistentin Alexa gemeinsam mit Amazon zu Höchstleistungen angespornt wird, ist das Tablet, das der Fahrer ins Lenkrad integriert hat, auf einem Android-Betriebssystem basierend. Sowohl für Amazon als auch für Google bietet sich hier die Gelegenheit, ggf. Werbebotschaften zu platzieren oder eigens gewünschte Inhalte zu integrieren.

Elektroauto der Generation Byton

Einer der Byton Manager stellt das Byton Concept vorDas Elektroauto der Generation Byton ist fast mehr eine Lounge für Business und Familie und weniger ein klassisches Automobil. Es vermittelt durch Gestensteuerung, Sprachsteuerung mit Amazon’s Alexa und einen integrierten, breiten Monitor ein neues Erlebnis. Im Grunde möchte das Unternehmen seinen Kunden die einst verlorene Zeit des Fahrens wieder zurückgeben. Zum Kommunizieren, zum Berieseln lassen mit Musik und Entertainment, zum Shoppen oder einfach nur für Video-Telefonate und den schnellen E-Mail-Check.

Bytons internationale Zentrale, Produktions-, Entwicklungs- und Forschungszentren liegen in Nanjing, China. Das Designentwicklungszentrum für Prototypen und Konzeptfahrzeuge ist in München. Ein US-amerikanisches Entwicklungszentrum wird im Silicon Valley betrieben. Zusätzliche Büros für Vertrieb, Marketing, Design und Investor Relations betreibt Byton in Peking, Schanghai und Hongkong.

Verkaufsstart Ende 2019 geplant

Neben Kirchert und Breitfeld sind weitere hochkarätige Automanager beim Unternehmen eingestiegen. Schon Ende 2019 möchte das Unternehmen mit dem ersten Elektroauto in China auf die Straßen rollen. Das Byton Concept soll für ca. 37.500 Euro zu haben sein und 2020 auch in Europa auf den Markt kommen. Der Bau der Fabrik in Nanjing hat begonnen. Das Unternehmen braucht aber noch frisches Geld vom Kapitalmarkt, um eine Serienfertigung realisieren zu können.

Die Zukunft des vernetzten, autonomen Fahrens mit Spaß hat mit der Präsentation des Byton Concept womöglich im Januar 2018 begonnen. An vielen Stellen kombiniert das Startup geschickt hochmoderne Technologie aus den Bereichen KI Künstliche Intelligenz, Sensorik, Internet der Dinge und einigen weiteren mit einem soliden Fahr- und Designerlebnis. Dabei greift Byton hoch-professionell auf die erfahrensten Köpfe der Autobranche zurück, die noch einmal den Mut zeigen wollen, ein vollkommen neues Unternehmen aufzubauen.

Anders als Tesla möchte das Cleantech-Startup nicht schneller, höher, weiter hinaus, sondern intelligenter und smart er sein als andere Automobile. Damit erhoffen sich die Manager die Chance, eine neue Fahrzeugkategorie mit dem Smart Intuitive Vehicle an den Start bringen zu können. Sicherlich gibt es warnende Beispiele von sehr gut finanzierten Elektroauto-Startups, gerade aus China, die es in den vergangenen Jahren nicht geschafft haben, erfolgreich zu werden. Bei Byton hingegen scheint die Mischung aus extrem hohen Zielen und Bodenständigkeit vorhanden zu sein.

Vom Prototypn Byton Concept zur Serienfertigung

Anders als Elon Musk mit Tesla zieht Byton eine andere Klientel mit seinen Autos an. Sie zielen auf die chinesische Mittelschicht, die sich ein mittelpreisiges Auto wie dieses heutzutage leisten kann. Smartphones und die neuesten Digital-Technologien sind in China ohnehin weit verbreitet, so dass es dieser Kundengruppe auch möglich sein dürfte, die intuitive Steuerung des neuen Elektroautos zu nutzen. Das kann sehr gut zusammenpassen, wenngleich nicht klar ist, wie gut die jetzigen Manager den chinesischen Markt und damit auch den chinesischen Konsumenten verstehen.

In Europa und den USA wo die Nähe zu etablierten Marken stärker ausgeprägt ist, wird das Vorhaben weitaus schwerer werden. Denn Byton wird zeitgleich mit den angekündigten Elektroautos von BMW, Mercedes oder Audi auf den Markt kommen. Die Produktionshölle sollte Byton also möglich rasch wieder verlassen. Seit 2016 arbeiten Kirchert und Breitfeld an der neuen Elektroauto-Marke. Noch haben sie knapp zwei Jahre Zeit, um aus dem 80-Prozent-Prototyp, dem Byton Concept, ein Serienfahrzeug zu machen.

Zwar können die Lithium-Ionen-Batterien im Unterboden in 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufgeladen werden – über ein eigenständiges Ladesäulen-Netz oder ein Andocken an Tesla’s Infrastruktur ist bislang nichts bekannt geworden.

Nächster Schritt aus Sicht des ambitionierten Startups sind dann ein Kompaktwagen und eine Limousine, die auf der gleichen Plattform entwickelt werden sollen. Bis heute hat Future Mobility Corporation rund 320 Mitarbeiter – bis zur serienreifen Produktion der drei angekündigten Fahrzeuge dürfte sich die Zahl verzehnfachen. Standorte hat das Unternehmen dafür jedenfalls genügend. Wie die Manager das Problem der Ladeinfrastruktur lösen wollen, ist bislang einer der kritischen Punkte, die unklar sind.

(Stand: 8.1.2018)