ChargePoints: Chance für Elektromobilität?
Es ist ein Wettlauf der Systeme: Während Ex-SAP-Mann Shai Agassi mit seinem Projekt Better Place auf das Auswechseln der Batterien in Minutenschnelle setzt und damit um die Welt zieht, haben sich die europäischen Strom- und Autokonzerne auf einheitliche Stecker für Elektroautos geeinigt – offensichtlich ohne sich darüber mit Shai Agassi abzustimmen. Andere Visionäre wie der Erfinder German Gresser träum(t)en von elektromagnetischen Feldern zur Aufladung der Elektroautos während der Fahrt. Diese Variante scheint aber derzeit nicht sonderlich realistisch zu sein, würde der Aufbau einer flächendeckenden Versorgung doch enorm teuer und langwierig werden.
Jetzt sorgt ein anderes Unternehmen für Furore, das den Ansatz von Shai Agassi mindestens ergänzen, wenn nicht sogar ersetzen könnte: Coulomb Technologies kommt jetzt nach und nach in Europa in die ersten Städte und baut sukzessive eine Infrastruktur ihrer ChargePoints auf. Sind diese ChargePoints eine Chance für ein rasches Umswitchen auf Elektromobilität? Fakt ist, das es Coulomb Technologies über den deutsch-niederländischen Partner 365 Energy Group binnen weniger Tage gelungen ist, zwei europäische Pilotprojekte in Gang zu bringen.
Pilotprojekte für Elektromobilität
In der niederländischen Stadt Amsterdam sollen im kommenden halben Jahr 45 Stationen Ladestationen (ChargePoints) für Elektrofahrzeuge installiert werden. Bis 2012 soll die Zahl bis auf 200 wachsen. Damit könnten dann bereits 10.000 Elektroautos, die bis 2015 auf Amsterdams Straßen unterwegs sein sollen, versorgt werden. Bis 2040 soll Amsterdam dann frei von Verbrennungsmotoren werden.
Seit heute springt auch der niederländische Nachbar Belgien auf den Zug mit den ChargePoints auf. Auf dem Campus einer Universität in Limburg werden die vernetzten ChargePoints aufgebaut und sollen wesentlicher Bestandteil des ersten Europäischen Zentrums für Clean Mobility werden. Die 365 Energy Group wird auch hierbei für die Lieferung der Ladestationen sorgen und das dahinter steckende ChargePoint-Netzwerk betreiben.
Hintergrund: So funktionieren die ChargePoints
Die Ladestationen von 365 Energy bzw. Coulomb Technologies sind weitaus mehr als simple Stromtankstellen. Die „Zapfsäulen” verbindet nämlich ein Network, das eine Fernüberwachung ermöglicht. Die hinter den Stationen stehende Netzwerktechnik wickelt außerdem die Anmeldung der Fahrer an den Stationen sowie die Abrechnung sicher ab.
Fahrer von Elektroautos können sich der Website mychargepoint.net für den Service registrieren. Anschließend erhalten Sie eine ChargePoint „Smart Card”, mit der sie die öffentliche Infrastruktur nutzen können. Zugang zu einer Ladestation erhält der Fahrer, indem er seine Karte – eine Art elektronischen Schlüssel – über die Stirnseite der Ladestation führt. Nachdem er sein Auto angeschlossen hat, schließt sich die Ladeklappe, bis der Fahrer wieder wegfahren möchte.
Über eine Map kann ein Fahrer in der Nähe verfügbare Ladestationen aufstöbern und gleich sehen, ob sie derzeit frei sind. Die Ladestationen können unabhängig vom Fahrzeugtyp und vom jeweiligen Stromanbieter genutzt werden. Ähnlich den Roaming-Angeboten der Mobilfunkbetreiber ermöglicht das ChargePoint-Netzwerk Fahrern von Elektroautos grenzüberschreitend problemloses Aufladen der Fahrzeugakkus.
Ein ChargePoint kostet lediglich 3.000 bis 6.000 Dollar, was auch hochgerechnet auf ganze Städte durchaus erschwinglich sein könnte. Interessant an dem Konzept ist auch die Vernetzung der Stationen untereinander und der schnelle Zugriff auf die Informationen für den Elektroauto-Fahrer. Noch ein Stück relevanter würde es aber sicherlich, wenn die ChargePoints ihren Strom jeweils aus Solarenergie beziehen würden – dies ist aber nach allen Recherchen von Cleanthinking.de derzeit nicht vorgesehen. Stammt der Strom aus dem “normalen Stromnetz”, besteht wieder das alte Problem, dass Elektromobilität nur dann sinnvoll ist, wenn der Strom, der verwendet wird, aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Ist dies nicht der Fall, ist das gesamte System aus ökologischer Sicht mehr als fragwürdig.
Update 20:05 Uhr:
Wie mir Sprecher Hong Thieu von 365 Energy Group soeben mitteilte, arbeitet 365 Energy in Frankreich, Großbritannien und Spanien mit Solarfirmen zusammen, um so genannte Solar Charging Stationen anbieten zu können. Gleichzeitig verwies Thieu darauf, dass sie derzeit in Deutschland ebenfalls auf der Suche nach einem Partner aus der Solarbranche sind – wer Interesse hat, kann sich gerne an presse@cleanthinking.de wenden und wir leiten die Anfragen dann weiter.

11:13
> besteht wieder das alte Problem,
> dass Elektromobilität nur dann
> sinnvoll ist, wenn der Strom [...]
> aus erneuerbaren Energiequellen
> stammt.
Wie lange wird dieser Schwachsinn denn noch weiter von jedem Reporter gebetsmühlenartig zitiert?
Der Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz nimmt doch schon seit Jahren zu – und zwar offensichtlich deutlich schneller als die Elektroautos auf unseren Strassen! Außerdem gibt es 2 schwerwiegende Gründe, die für ein E-Auto sprechen: 1) Abgase aus EINEM Kraftwerz zu filtern ist leichter als aus 10.000 Fahrzeugen -> unsere Städte würden endlich weniger stinken! 2) weniger Lärm!
mfg,
Martin Leitner