Cleantech Interview mit Dr. Helmut Vorndran von Ventizz Capital Partners
Die Financial Times Deutschland charakterisiert Dr. Helmut Vorndran von Ventizz Capital Partners nicht nur als “Green Mind“, sondern auch als eher bedächtig und nüchtern. Vorndran, so das Wirtschaftsblatt, sei einer, der an die Rendite von grünen Technologien glaube. Ein “Realo” mit gutem Riecher für Trends und Zukunftsperspektive also. Bewiesen hat es Vorndran oft genug – nicht nur beim rendite- und prestigeträchtigen Verkauf des Ventizz-Portfolio-Unternehmens ersol an die Bosch Gruppe.
Wie schätzt ein Private Equity-Experte wie Vorndran die aktuelle Marktsituation ein – und welche Entwicklungen stehen seinem Unternehmen und dem Markt kurzfristig bevor? Diese und andere Fragen haben wir Dr. Helmut Vorndran im Interview gestellt.
Cleanthinking.de: Herr Dr. Vorndran, welchen Investment-Ansatz verfolgt Ventizz Capital Partners?
Dr. Helmut Vorndran: Ventizz investiert in Technologieunternehmen, die Geld für Wachstumsfinanzierung benötigen. Dabei liegt der Fokus auf Unternehmen aus dem Hightech-Bereich – insbesondere sind die Cleantech-Bereiche Solar, Wind, mit Abstrichen Geothermie, aber auch angrenzende Bereiche wie industrielle Automation oder Werkstofftechnik interessant. Wir verfolgen damit immer einen Wertsteigerungsansatz, wie er bei ersol oder PV Crystalox bereits bestens funktioniert hat.
Cleanthinking.de: Sie waren bei Gründung von Ventizz sehr früh am Markt, um gezielt in Erneuerbare Energien zu investieren – wie entstand die Idee und vor welchen Herausforderungen standen Sie zu Beginn des Unternehmens?
Dr. Helmut Vorndran: Die Idee entstand vor rund zehn Jahren, weil mein Partner und ich bereits gute Kontakte in die Solar- und Windbranche und diesen Markt über mehrere Jahre verfolgt hatten. Wir wollten – das war die oberste Maxime – einen Investor aufbauen, der nicht nach Modetrends investiert, sondern auf Hightech setzt; also auf einen Bereich, in dem es um patentierte und/oder geschützte Technologien geht, nicht so sehr um leicht imitierbare Dinge.
Die zentrale Herausforderung war, dass die Solarkonzerne zum damaligen Zeitpunkt noch überhaupt nicht international ausgerichtet waren. Eines der ersten Investments war dann der in Erfurt ansässige Wafer-Spezialist PV Crystalox – bis heute einer der Vorreiter in diesem Segment.
Cleanthinking.de: Wenn wir schon beim Thema Solar sind – wie schätzen Sie die von Bundesumweltminister Norbert Röttgen geplante Veränderung des EEG und die damit verbundene Kürzung der Solarsubventionen ein?
Dr. Helmut Vorndran: Ich halte die Kürzungen von ca. 15 Prozent für überraschend moderat. Damit kann die Branche aus meiner Sicht ganz gut leben, auch wenn der Aufschrei der Branche nun gewaltig ist. Perspektivisch werden sich aber eher die voll integrierten Solarkonzerne in Deutschland durchsetzen. Eine Konsolidierung wird es auf jeden Fall geben.
Aus unserer Sicht sind daher aktuell weniger Solarmodule, sondern vor allem Themen wie Concentrated Solar Power (CSP) oder Solar-Equipment, also Produktionsanlagenhersteller, besonders interessant.
Cleanthinking.de: Wie ist die Entwicklung von Ventizz Capital Partners und wie ist der Stand der Dinge beim aktuellen Fonds?
Dr. Helmut Vorndran: Der aktuelle Fonds IV ist mit 450 Millionen Euro im Jahr 2007 abgeschlossen worden, und Ventizz ist aktuell auf der Suche nach weiteren Investment-Optionen. Damit summiert sich das von Ventizz verwaltete Kapital auf 675 Millionen Euro. Seit dem Jahr 2000 wurden 31 Investments durchgeführt, von denen beispielsweise ersol Solar Energy AG, SAF und PV Crystalox Solar besonders erfolgreich waren.
Cleanthinking.de: Welche Kriterien müssen Ihre künftigen Investments erfüllen?
Dr. Helmut Vorndran: Bei allen unseren Investments geht es darum, die Weiterentwicklung dieser Unternehmen durch den gezielten Einsatz von Kapital und Management-Unterstützung voranzubringen. Dabei achten wir beim Einstieg darauf, dass es sich um bereits etablierte Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen handelt – der Mindestumsatz liegt bei 10 bis 20 Millionen Euro. Daneben sind ein positiver Cash-Flow, die Internationalität des Unternehmens sowie ein erfahrenes Management-Team von Bedeutung, wobei natürlich jedem Einstieg eine umfassende Due Dilligence-Prüfung vorangeht.
Herr Dr. Vorndran, ich danke Ihnen sehr für das aufschlussreiche Gespräch.

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