Cleantech Interview mit Jürgen Habichler
Wie sind die Aussichten der Cleantech-Branche im laufenden Jahr und wie kam er schon 2006/07 auf die Idee, eine Gesellschaft zu gründen, die einen Cleantech-Fonds an der Frankfurter Börse managt?
Diese und andere Fragen habe ich Jürgen Habichler von der Mountain Cleantech AG gestellt. Die Schweizer Gesellschaft gründete Habichler 2007 mit dem Ziel, Unternehmen aus dem Cleantech Sektor mithilfe eines Fonds finanziell zu unterstützen. 2006 war Habichler damit ein absoluter Vorreiter und bis heute ist die Cleantech Branche für viele Investoren eher Neben- denn Hauptgeschöft.
Cleanthinking.de: Herr Habichler, Sie sind gerade von CNBC European Business zum „Green Hero 2009“ gekürt worden – was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Jürgen Habichler: Die Auszeichnung hat mich überrascht, aber sehr gefreut. Dass Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz jetzt verstärkt in den öffentlichen Fokus geraten, freut mich sehr. Die Auszeichnung „Green Hero 2009“ sehe ich aber weniger als Auszeichnung für mich allein, sondern als Auszeichnung für mein sehr, sehr engagiertes Team, das ich in den vergangenen 2 Jahren aufgebaut habe. Wir sehen darin Ansporn und Motivation, trotz der Krisenstimmung unsere Aktivitäten in allen Bereichen der Cleantech Branche kraftvoll fortzusetzen.
Cleanthinking.de: Im Jahr 2007 bereits gründeten Sie die Mountain Cleantech AG mit dem Fokus auf Investments aus dem Cleantech-Bereich. Wie hat sich die Branche in der Region D/A/CH seitdem aus Ihrer Sicht entwickelt?
Jürgen Habichler: Ich hatte schon vorher den Aufbau der Cleantech Mannschaft bei Atlas Venture vorangetrieben. Aber: Es war auffällig, dass es zwar viele Investoren und VC-Geber gab oder gibt, aber kaum einen, der Investments in Cleantech als Hauptaufgabe sieht. Als dann 2006 der Aufschwung für die Cleantech Branche stärker wurde, fand ich mit der Mountain Partners Group einen passenden Partner für die Gründung der Mountain Cleantech AG sowie der Cleantech Invest AG als Fonds, der an der Frankfurter Börse gehandelt wird.
Nach wie vor sehe ich im Bereich Cleantech große Chancen, erhebliches Wachstumspotenzial und viele junge Unternehmen, die Unterstützung benötigen. Da die Investition in wachstumsstarke Unternehmen dieser Branche erhebliches Know-How erfordert, war es nur logisch, die Aktivitäten in einer eigenständigen Gesellschaft zu bündeln.
Die aktuelle wirtschaftliche Situation ist schwierig und wir müssen uns vom Gedanken, dass 2009 Verkäufe und Börsen-Exits möglich sein werden, verabschieden. Andererseits ist jetzt gerade der richtige Zeitpunkt, um neue Investments zu tätigen und gute Einstiegspreise zu erzielen. Wir sind mit 10,6 Millionen Schweizer Franken im Fonds gestartet und haben noch einiges an Reserven für dieses Jahr.
Cleanthinking.de: Derzeit befinden sich im Portfolio der Cleantech Invest AG, dem an der Börse unter „4CT“ notierten Fonds der Mountain Cleantech AG, fünf Unternehmen. Welche dieser Unternehmen haben aus Ihrer Sicht 2009 die größten Chancen, den Durchbruch zu schaffen?
Jürgen Habichler: Wir erhoffen uns viel von der Pure Klimaschutz AG, die im November 2008 mit dem deutschen Unternehmerpreis in der Sonderkategorie Klimaschutz ausgezeichnet wurde. Die Pure Klimaschutz AG ist ein weltweit tätiger Spezialist für das Generieren und Handeln von Klimaschutzzertifikaten, ein Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.
Ein weiteres, sehr spannendes Unternehmen ist die SiC Processing AG, der führende Dienstleister im Bereich der nassmechanischen Trenntechnik für die Waferindustrie und der Aufbereitung von Sägesuspensionen für die Photovoltaik- und Halbleiterindustrie. Auch das Thema Recycling wird 2009 interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten.
Cleanthinking.de: 2008 war ein Rekordjahr für private Investitionen in Saubere Technologien – jetzt kommen beispielsweise in Österreich oder in den USA staatliche Investitionen hinzu: Wird der Cleantech Aufschwung 2009 anhalten?
Jürgen Habichler: Die staatlichen Investitionen, insbesondere in den USA verfolge ich mit zwei Gedanken: Einerseits werden die führenden, europäischen Cleantech Unternehmen von den Investitionen im Export erheblich profitieren. Andererseits dürfen wir Europäer aber auch nicht den Anschluss verlieren und uns abhängen lassen. Ich schätze aber, dass weitere Konjunkturimpulse für die Bereiche Gebäudesanierung und Energieeffizienz auch in Europa kommen werden und damit die Cleantech Branche zu einem der Gewinner der Wirtschaftskrise werden wird.
Aber natürlich gibt es auch Bereiche, in denen es zu einer Konsolidierung kommen wird: In China stecken 150 bis 200 PV-Modulhersteller in der Klemme, weil sie mit sehr riskanten Finanzierungsstrukturen angetreten sind. Aber insgesamt sehe ich die Solarbranche nach wie vor als Boomsektor mit hohen Wachstumschancen und -raten.
Herr Habichler, ich danke Ihnen sehr für das aufschlußreiche Gespräch.

16:30
Danke für den Hinweis mit Low Carbon Accelerator – ich werde mal sehen, was ich machen kann, dass es bald wieder ein spanendes Cleantech Interview gibt — ich arbeite dran
20:58
Mit Abid und Cowatec sind sogar zwei firmen im Portfolio, die man in den Nawaro-Bereich einsortiern könnte. Freue mich auf das nächste Interview. Wie wäre es mit Low Carbon Accelerators?
13:26
Sehr spannede Branche dieses Cleantech – gut, dass ich schon aus einem Unternehmen dieser Branche arbeite – auch wenn wir uns eher noch als Solarzellenhersteller definieren. Vielleicht kommt ja demnächst ein Umdenken?