CleanThinking.de - Wirtschaftsmagazin mit News und Lexikon zu Cleantech, Energie, Effizienz, Mobilität und Technologie

Bioenergie – CleanTech Lexikon

Bioenergie: Vielseitige erneuerbare Energie

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (9 votes, average: 4.22 out of 5)
Loading ... Loading ...

Die Bioenergie ist eine höchst flexible und vielfältig einsetzbare Möglichkeit der erneuerbaren Energieerzeugung. Dabei ist die Bioenergie nicht in allen ihren Formen völlig unumstritten. Der Anteil an der erneuerbaren Energieerzeugung ist im Vergleich zu Windenergie, Wasserenergie, Solarenergie (Photovoltaik bzw. Solarthermie) und Geothermie enorm: 2009 trug die Bioenergie insgesamt 70 Prozent zur erneuerbaren Energieerzeugung bei, die bei insgesamt 237,9 TWh lag.

Was ist Bioenergie?

Die Frage,Was ist Bioenergie” ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn: Bioenergie ist vielfältig, das zeigt sich in der Aufteilung der 70 Prozent: Biomasse (Wärme) = 42,4 Prozent; Biomasse (Strom) = 12,8 Prozent und Biokraftstoffe = 14,2 Prozent (Quelle: Agentur für erneuerbare Energien, 2011). Auch in anderer Hinsicht ist Bioenergie vielfältig: Die Nutzung biogener Energieträger ist sowohl in kleinen Anlagen durch Privatpersonen wie auch in der gewerblichen Nutzung in mittleren Leistungsklassen (landwirtschaftliche Biogasanlagen oder Biomasseheizkraftwerke) und in der Energieerzeugung im industriellen Maßstab – etwa in Biomassekraftwerken oder Biokraftstoff-Raffinerien. unterteilen.

Vorteile und Nachteile der Bioenergie

Die Vorteile der Bioenergie sind vielfältig und vielschichtig, ähnlich wie die erneuerbare Energieform selbst. Doch es gibt auch einige Nachteile. Wir haben einmal versucht, die fünf wichtigsten Vor- und Nachteile der Bioenergie in einem Überblick zusammenzufassen:

  • Umweltfreundlichkeit: Insbesondere wenn organische Rest- und Abfallstoffe verwertet werden, hat Bioenergie eine sehr gute Klimabilanz. Generell können Bioenergien zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen beitragen (insbesondere bei der Verbrennung von Biomasse). Durch Erzeugung und Nutzung von Biomasse können aber Treibhausgase wie Lachgas und Methan freigesetzt werden, die die Umweltbilanz insgesamt schlechter aussehen lassen.
  • Anbau: Monokulturen von Energiepflanzen können etwa durch Mischfruchtanbau oder Zweikulturensysteme vermieden werden. Etwa durch den gleichzeitigen Anbau von Mais und Sonnenblumen oder Wintertriticale und Zuckerhirse. Doch genau dieser Punkt ist auch einer der größten Kritikpunkte der Bioenergie: Der Anbau von Energiepflanzen verdrängt in einigen Regionen der Welt den Anbau von Futterpflanzen und verschärft so womöglich Hungersnöte. Diese Flächenkonkurrenz ist in Deutschland kaum gegeben, umso stärker ist sie aber in Entwicklungsländern.
  • Biokraftstoffe können helfen, die Abhängigkeit vom Öl und von Energierohstoff-Importen zu verringern.
  • Bioenergie kann den ländlichen Raum stärken und hilft – gerade in Deutschland – vielen landwirtschaftlichen Betrieben, an anderer Stelle sinkende Preise oder steigende Kosten auszugleichen.
  • Biodiversität: Monokulturen verstärken die Gefahr, dass Biodiversität verloren geht. Gleichzeitig kann die Umwandlung ökologisch wertvoller Flächen wie Regenwald, Moore oder Grünland in Ackerland ebenfalls zur Verringerung der Biodiversität beitragen.

Bioenergie: Strom, Wärme, Kraftstoff

Somit handelt es sich bei Bioenergie im Prinzip im Gegensatz zu anderen Erneuerbaren Energien um eine Vielzahl unterschiedlicher Märkte mit verschiedenen Akteuren, Technologien und Anforderungen. Grob lässt sich Bioenergie in die drei Bereiche Strommarkt (Biomassekraftwerk und Biogasanlage), Wärmemarkt und Kraftstoffmarkt (Biodiesel und Bioethanol).

Der deutsche Bioenergie-Markt in Zahlen

Der Umsatz der Bioenergie-Branche lag 2009 bei 11,4 Milliarden Euro. Insgesamt sind mehr als 100.000 Menschen in diesem Sektor beschäftigt. 58,4 Mio. t Klimagas-Emissionen konnten im Jahr 2009 nach Berechnungen der Agentur für Erneuerbare Energien vermieden werden. Der Markt für Bioenergie zeigt, wenn man es konkret auf Anlagen herunterbricht, folgende Aufteilung (Agentur für Erneuerbare Energien, Jahr 2009):

  • Mehr als 1.200 Biomasseheizkraftwerke über 500 kWth
  • 125.000 Pelletheizungen, 40 Pelletproduktionsanlagen (2,3 Mio. Tonnen Kapazität)
  • Mehr als 200 Biomassekraftwerke (mehr als 11,7 TWh Stromproduktion in 2008)
  • 4.000 Biogasanlagen (10,0 TWh Stromproduktion in 2008)
  • 45 Biodieselanlagen (4,9 Mio. t Produktionskapazität), ca. 150 Ölmühlen
  • 9 Bioethanolanlagen (0,88 Mio. t Produktionskapazität)
Biomasse, Biogas, Biokraftstoff – weitere Informationen

Neben der Frage, was Bioenergie eigentlich ist, welche grundlegenden Vor- und Nachteile es gibt und wie der Markt strukturiert ist, haben wir uns im folgenden einzelne Technologien näher angesehen. Erfahren Sie mehr Hintergründiges über: