Coolar: Dieser Kühlschrank braucht keinen Strom

Die Erfindung des Startups Coolar nutzt Wärme und das Prinzip der Adsorption und braucht kein umweltschädliches Kühlmittel / Geeignet vor allem für Regionen mit schlechtem Stromnetz / Betriebskosten sinken radikal

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Damit ein Kühlschrank kühlt, braucht er Kühlmittel und Strom. Oder Wärme, die in Kälte umgewandelt wird. Letzteres ist nicht nur umweltschonender, sondern könnte auch viele, beispielsweise medizinische  Versorgungsprobleme in strukturschwachen Regionen mit dürftigem Stromnetz lösen. Das Berliner Cleantech-Startup Coolar hat in den vergangenen beiden Jahren an einem gleichnamigen Prototyp gearbeitet, der Solarthermie oder andere Wärmequellen zur Kühlung nutzt. Eine erste Kleinserie des zukunftsweisenden, nachhaltigen Kühlschranks aus dem Cleantech-Space, der nur dank des „Prinzips der Adsorption“ möglich wird, soll in Kürze auf den Markt kommen.

Julia Römer mit Coolar Prototyp-WEB6. November 2015, Weltweit müssen mehr als 1,4 Milliarden Menschen ohne Elektrizität auskommen – und besitzen demzufolge auch keinen strombetriebenen Kühlschrank. Dadurch entfällt nicht nur die Kühlung von Nahrungsmitteln, sondern auch die von lebensrettenden Medikamenten. Vor allem in Entwicklungsländern mit schlechter Infrastruktur stellt das ein großes Problem dar.

Abhilfe schaffen könnten hier künftig die Kühlschränke des jungen Berliner Startups Coolar. Das Unternehmen hat ein Kühlgerät entwickelt, das mit Wärme statt mit Strom kühlt. Zunutze gemacht wird sich dabei der Energieerhaltungssatz, der besagt: Energie kann nicht aus dem Nichts entstehen oder verloren gehen, sondern nur umgewandelt werden.

Coolar Refrigerator Design-WEBWenn Wasser im Innenraum eines Kühlschranks verdunstet, entzieht es seiner Umgebung Energie in Form von Wärme. Das wird als Verdunstungskälteeffekt bezeichnet. Das Kühlsystem von Coolar nutzt diesen Effekt, indem es destilliertes Wasser in einem Unterdrucksystem verdampfen lässt. Zugleich entziehen die verdampften Wasserteilchen ihrer Umgebung weiter Wärme.

Um diesen kühlenden Effekt zu vervielfachen und eine optimale Kühlung zu erreichen, nutzt das System von Coolar das Prinzip der Adsorption – die Fähigkeit eines festen Stoffes, ein Gas (in diesem Fall Wasserdampf) anzusaugen und auf seiner Oberfläche zu binden. Beim Coolar-Kühlschrank übernimmt diese Adsorptionsfunktion ein Silikagel. Ist das Gel vollgesogen, wird es getrocknet, indem warme Luft zugeführt wird. Hierfür eignen sich unterschiedliche Quellen, etwa Solarthermie, Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung oder Abwärme.

Reduktion der Betriebskosten um 75 Prozent

Das hat den positiven Nebeneffekt, dass dadurch mindestens 60 Prozent der üblicherweise anfallenden CO2-Emissionen sowie mehr als 75 Prozent der Betriebskosten eingespart werden können. „Unser System kühlt überdies ohne schädliche Kälte- und Schmiermittel sowie ohne Batterien oder bewegliche Verschleißteile. Dies resultiert in einem langlebigen Kühlschrank, der zum Ende seiner Lebenszeit nicht als Sondermüll entsorgt werden muss“, erklärt Christoph Göller, der für Coolar als Business Developer arbeitet.

Coolar wurde 2012 von Julia Römer ins Leben gerufen. Die studierte Wirtschaftsingenieurin beschäftigte sich bereits in ihrer Masterarbeit mit der Idee eines stromlosen Kühlschranks und setzte sie danach mit einem heute achtköpfigen Team in die Tat um. Ende dieses Jahres soll die erste Kleinserie von 50 Stück gebaut und ausgeliefert werden. „Wir sehen unseren Markt vor allem in entlegenen Regionen von Afrika und Asien – also dort, wo es keine stabile Stromversorgung gibt“, erklärt Julia Römer. Ihr Team kooperiert bereits mit „Ärzte ohne Grenzen.“

Aber auch für Industrieländer könnte Coolar ein interessantes Produkt werden. Schließlich nimmt die Nutzung erneuerbarer Energiequellen immer weiter zu – und ein stromloser Kühlschrank ohne Kältemittel wäre schon aus Gründen des Umweltschutzes eine Alternative mit Zukunftsperspektive.

Coolar hat sich aktuell für den StartGreen Award beworben, mit dem grüne Startups und Gründungsförderer ausgezeichnet werden. Hier geht es zum Voting.

(Bildmaterial: Coolar)

4 Kommentare

  • Dr. Heidrun Eckert

    Wo kann man diesen Kühlschrank bekommen?
    Und ab wann?
    Herzlichen Dank
    HE

  • Wann kann man solch ein Gerät für welches Geld erstehen, wo gibt es weitere Infos

  • „Wir sehen unseren Markt vor allem in entlegenen Regionen von Afrika und Asien – also dort, wo es keine stabile Stromversorgung gibt“

    Etwas realistischer betrachtet wird der Markt wohl eher nur dort entstehen, wo Geld für solche Geräte existiert. Und leider sind herkömmliche Kühlschränke so konkurrenzlos billig, dass es schwer werden dürfte, hier allein mit ökologischem Gewissen in Produktion gehen zu können. Aber hoffen darf man natürlich.

  • Jacqueline Salzmann

    Es wäre wundervoll, wenn es diesen Kühlschrank für jeden erschwinglich zu erwerben wäre, wie Wasserstoffautos und vieles mehr..!!
    Sollte es zum Start kommen, bitte ich um Information…. Gern auch, würde ich sofort in der Buchhaltung, Service, Bürokratie entgeldlich unterstützen.

    Mit besten Gruß
    Jacqueline Salzmann

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