CleanTech-StartUp der Woche 4-2013: NeptuTherm und der Dämmstoff aus dem Meer

Ein ökologischer, nachhaltiger Dämmstoff mit überraschenden Eigenschaften

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Was haben die Sendung mit der Maus und IKEA gemeinsam? Beide finden unser CleanTech-StartUp der Woche bzw. dessen Produkt derart interessant, dass Sie entweder darüber berichten, oder es mit einem Preis auszeichneten. Und hierbei geht es nicht um Einrichtungsgegenstände, sondern um einen (schnöden) Baustoff.

„Bauen“ ist die Branche, in der sich das CleanTech-StartUp der Woche bewegt  – und das nachhaltig! Das leistungsfähige Dämmstoffe mit niedriger Wärmeleitfähigkeit eine zentrale Rolle für die Gebäude der Zukunft spielen, hat nicht zuletzt die Weltleitmesse BAU 2013 bewiesen. Was weniger im Bewusstsein von Bauherren verankert ist: Dämmmaterialien werden häufig unter hohem Verbrauch von Primärenergie hergestellt, müssen chemisch behandelt werden, um beispielsweise schimmelresistent zu werden und können im Laufe der Zeit chemische Gase an die Umwelt abgeben.

Das CleanTech-StartUp der Woche verspricht einen 100 Prozent natürlichen, ökologischen, nachwachsenden und somit nachhaltigen Dämmstoff anzubieten, der keinerlei chemische Behandlung benötigt, um schimmelresistent sowie nicht entflammbar zu sein und zudem keine Probleme bei der Entsorgung bereitet.

Überraschende Eigenschaften? Der Meinung ist nicht nur die CleanThinking.de-Redaktion. Die IKEA-Stiftung Deutschland erkannte das Potenzial der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Idee bereits 2007 und zeichnete den Dämmstoff mit dem Innovationspreis „Wohnen in der Zukunft“ aus. Seither hat sich die Idee des ökologischen Dämmstoffes weiterentwickelt und ist nun seit einem Jahr am Markt.

Wie ein Professor zum Unternehmer wird und ein Urlaub die Welt des Dämmstoffs zu revolutionieren begann, darüber berichtet der folgende Beitrag…und das Video am Ende des Artikels.

NeptuTherm: Fakten zum StartUp der Woche

Durch einen Zufall entdeckt – voller Enthusiasmus weiterentwickelt: So lässt sich die Geschichte des Unternehmens NeptuTherm und des gleichnamigen Dämmstoffes knapp beschreiben. Der Baustoff NeptuTherm ist 100 Prozent natürlichen Ursprungs. Er wird aus der Seegraspflanze Posidonia oceanica gewonnen. Diese bringt so genannte Neptunbälle hervor, die besonders am Mittelmeer in großen Mengen vorkommen und an den Strand gespült werden. Die sehr gleichmäßig und rund bis kiwi-ähnlich geformten Bälle sind gewissermaßen ein Abfallprodukt des Meeres. In der Regel werden diese mit Traktoren von den Stränden entfernt, um diese für Touristen attraktiv zu halten, und auf Deponien entsorgt. Ein deutscher Architekt sah Potenzial in den Fasern des ungeliebten Strandgutes und entwickelte gemeinsam mit Partnern NeptuTherm.

Der Karlsruher Professor Richard Meier ist mit seinem vollökologischen Dämmstoff NeptuTherm seit einem Jahr am Markt. Seitdem wird das bereits 2008 patentierte Produkt im Direktvertrieb vorwiegend unmittelbar an den Bauherren, aber auch an Planer und Verarbeiter abgegeben. Zunächst konzentrierte sich das StartUp auf den Raum Karlsruhe. „Nun streben wir eine spiralförmige Ausbreitung an“, erklärt Meier.

Im ersten Geschäftsjahr wurden etwa 800 Kubikmeter des Dämmstoffes abgesetzt. Das Unternehmensziel: Den Absatz und damit den Umsatz jeweils jährlich zu verdoppeln. Um dieses Ziel erreichen zu können, treibt das Unternehmen auch auch die Forschung voran. Doch dazu später mehr.

Der Name unseres CleanTech-StartUps der Woche leitet sich von den Neptunbällen – dem Rohstoff für das ökologische Dämmmaterial – ab. Der Professor beschreibt das Unternehmen momentan noch als eine „One-Man-Show“. Ganz stimmt das nicht: Der Mitt-Sechsziger beschäftigt in der Produktionsstätte in Karlsruhe einige Teilzeitkräfte. Aber er trägt die gesamte Verantwortung, erklärt die Präsentation auf Messen und die Kundenberatung zur Chefsache. Wie er das neben seiner Arbeit im eigenen Architekturbüro schafft? „Nun, ich bin selbst und ständig„, lautet die mit einem Lächeln versehene Antwort.

Im Gespräch merkt man, dass Meier für sein Produkt brennt. Daher war der Karlsruher auch zu privaten Investitionen bereit: „Insgesamt hat es etwa eine halbe Million Euro gekostet, um das Produkt zu entwickeln. Etwa die Hälfte der Kosten konnte durch öffentliche Fördergelder gedeckt werden.“ Die Hilfe verschiedener Einrichtungen sei sehr vorteilhaft gewesen. Doch nicht nur die Begeisterung und der Enthusiasmus Meiers macht NeptuTherm für uns zum CleanTech-StartUp der Woche…

Wer sich hinter NeptuTherm verbirgt

Hinter dem CleanTech-StartUp der Woche verbirgt sich der bereits erwähnte Prof. Richard Meier. Der Karlsruher Architekt ist seit jeher begeisterter Wassersportler. Dieses Hobby spielt eine entscheidende Rolle in der Gründungsgeschichte von NeptuTherm: Im Interview erzählt Prof. Meier von einem Urlaub. Auf den zum Kitesurfen notwendigen Wind wartend, saß er mit einem Freund am Strand. Als dieser bemerkte, dass die am Strand herumliegenden fasrigen, gleichmässig geformten Bälle nicht entzündbar sind, kam Meier als Experte für Baustoffkunde die zündende Idee. Er packte einige der so genannten Neptunbälle ins Reisegepäck und brachte sie nach Deutschland.

Von einem Fraunhofer Institut lies er die Faser untersuchen. Dieses hatte zuvor Seegrasblätter für ihre Eignung als Dämmmaterial untersucht und festgestellt, dass diese aufgrund ihres hohen Salzgehaltes eine sehr korrosiv und damit nicht patentfähig sind. Das Ergebnis im Rahmen der Untersuchung der Neptunbälle  war bedeutend positiver. „Die Faser ist unglaublich robust, nicht korrosiv,da nicht mit Salzen belastet und das 1000 mal bessere natürlich nachwachsende Material im Vergleich zu Seegras“, versichert Prof. Meier.

Der Diplom-Ingenieur betreibt – neben seinem StartUp NeptuTherm – ein Architekturbüro in Karlsruhe, war lehrender Professor für Architektur und Denkmalpflege an der SRH Hochschule Heidelberg unter anderem für Baustoffkunde, Sanierung und Baustoffanwendung. Ein Experte also, der sich mit dem StartUp NeptuTherm in der CleanTech-Branche etablieren möchte.

Liebe Leserinnen und Leser – immer Montag (mittags) wird ein spannendes CleanTech-StartUp der Woche vorgestellt. StartUps können sich mit einer Mail an startups@cleanthinking.de bei der CleanThinking-Redaktion bewerben. Wir freuen uns über Hinweise und Empfehlungen und sind gespannt, was die CleanTech-Welt bewegt!

Lesen Sie hier den zweiten Teil des NeptuTherm-Porträts:

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1 Kommentar

  • Hoffentlich findet Ihr noch freie nicht mit Kunststoffabfällen kontaminierte Oasen im Meer vor!?
    Aufklärungs- Kampagne für den Verbraucher ist notwendig um das Bewußtsein (Verhalten) zu schärfen und letztendlich zu ändern!
    Sonst bekommen wir noch mit Kunststoff gemischte Neptunbällchen!?

    Artaperma – Im jetzigen Tun gestalte ich den Morgen!

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