CleanTech-StartUp der Woche 4-2013: NeptuTherm und der Dämmstoff aus dem Meer

Ein ökologischer, nachhaltiger Dämmstoff mit überraschenden Eigenschaften

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Die 100 Prozent naturreine Dämmung aus dem Meer

„Die Neptunbälle sind ein Geschenk der Natur“, versichert Meier. Der Dämmstoff ist im Vergleich zu herkömmliche Produkten frei von Zusätzen. Der Stoff ist baubiologisch völlig unbedenklich. Dies bestätigt unter anderem die bauaufsichtliche Zulassung.

„Wir beziehen unser Rohmaterial aus verschiedenen Mittelmeerländern. Die Bälle werden von der Sonne getrocknet und erst dann zu uns transportiert, damit keine Nachtrocknung erforderlich wird“, erklärt Meier,“Die Bälle werden von Hand aufgenommen. Dabei schaffen wir Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung.“ Große Teile des gesammelten Materials werden in den entsprechenden Mittelmeerländern gelagert. Am Produktionsstandort Karlsruhe werden etwa 200 Kubikmeter Rohmaterial und bis zu 400 Kubikmeter Fertigware gelagert.

Momentan wird in den Küstenregionen Tunesiens und Albaniens gesammelt. In Tunesien seien besonders die großen Flachwassergebiete und lange Küsten vorteilhaft. Zudem habe er in beiden Ländern Partner, die sich vor Ort um die Sammler kümmern. „Ich bin hin und wieder vor Ort, um mir selbst ein Bild zu machen. Um eine Art Fair Trade zu garantieren sind mir jedoch verlässliche Ansprechpartner vor Ort sehr wichtig.“

NeptuTherm kann zur Wärme- und Schalldämmung von Dächern, Fassaden, Wänden, Böden und Decken zum Einsatz kommen. Sowohl bei einem Neubau, als auch bei der Renovierung von Altbauten. Die Verarbeitung gleicht dabei der von klassischen Dämmstoffen. Je nach Anwendung empfiehlt der Experte Stopfen, Einblasen, offenes Schütten oder offenes Aufblasen.

Überzeugende Ökobilanz

Zum Vergrößern Bitte auf die Abbildung klicken!

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Das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie ICT hat eine Ökobilanz für NeptuTherm aufgestellt, die sich sehen lassen kann. Das Rohmaterial wird aus verschiedenen Mittelmeerländern bezogen, dort per Hand und ohne technische Geräte gesammelt und von der Sonne getrocknet. Der Transport der zwei bis zehn Zentimeter gr0ßen Bälle erfolgt auf möglichst ökologischen Weg – per Bahn, per Schiff und nur in Ausnahmefällen per LKW. Der gesamte Beschaffungs- und Herstellungsprozess von NeptuTherm benötigt bis zu 30 mal weniger Primärenergie als beispielsweise die Dämmstoffe aus Glas- oder Steinwolle, Glas-, Polystyrol- oder Polyurethanschäumen. Mit 50 Kilowattstunden pro Kubikmeter (bei der Verarbeitung durch Stopfen oder Schütten 35 Kilowattstunden pro Kubikmeter) Dämmstoff schneidet NeptuTherm trotz der weiten Beschaffungswege im Vergleich sehr gut ab (siehe Grafik).

Meier erklärt in diesem Zusammenhang: „Die so genannte graue Energie sollte bei der Auswahl des Dämmstoffes unbedingt berücksichtigt werden. Was bringt der Dämmwahn, wenn die Energie, die durch das Material eingespart werden kann, bereits bei der Herstellung des Stoffes verschwendet wurde?“

Andere Dämmstoffe wie Schäume, Holzfasern, Zellulose oder Hanf werden gegen die Brennbarkeit und zur Schimmelvermeidung aufwändig chemisch behandelt. Da die Fasern der Neptunbälle auch ohne zusätzliche Behandlung weder entflammbar sind noch schimmeln können, ist beispielsweise kein Ausdampfen chemischer Gase möglich.

Was macht die Produktion des Dämmstoffes aus? In einem einfachen mechanischen Prozess werden die Bälle in Karlsruhe von anhaftendem Sand befreit. Anschließend werden sie so zerkleinert, dass die Fasern möglichst unbeschädigt bleiben. Je nach Einsatzgebiet die entstehende Wolle noch gesiebt, um weiteren enthaltenen Sand zu extrahieren. Auch für diesen Prozess wird wenig Energie benötigt.

Zudem wird die NeptuTherm-Dämmwolle in wiederverwendbaren Polyätylensäcken zu den Endkunden transportiert. Es wird ein Pfand pro Sack fällig, der bei Rückgabe der Säcke an NeptuTherm erstattet wird.

Bauphysikalische Eigenschaften

NeptuTherm fällt durch seine schlechte Entflammbarkeit in die Brandstoffklasse B2. In Bezug auf die Schimmelresistenz lässt sich der Stoff in die Klasse 1 einordnen. Zudem enthält die Wolle keine Eiweiße und ist verrottungssicher. Die Neptunn-Fasern können Wasserdampf aufnehmen, puffern und ihn wieder abgeben ohne die Wärmedämmfähigkeit zu beieinträchtigen.

NeptuTherm hat eine etwa 20 Prozent höhere spezifischen Wärmekapazität als andere Dämmstoffe. Durch diese relativ hohe Dichte ergibt sich ein guter Wärmeschutz. Auch der Schallschutz ist vom Fraunhofer IBP als sehr gut bewertet worden. Zudem seien keinerlei Lebewesen bzw. Schädlinge an der Faser interessiert.

Die Verarbeitung ist nach Angaben des StartUps sehr einfach und könne auch von Laien umgesetzt werden. Die Wolle müsse lediglich verteilt und leicht verdichtet werden. Sollte die Dämmwolle entsorgt werden müssen, kann sie zur natürlichen Auflockerung als Pflanzsubstat eingesetzt werden.

Wie die Zukunft des Naturdämmstoffes aussieht

„Pläne für die Zukunft sind bereits gemacht. „Im Moment bieten wir unser Produkt lediglich in Form von Dämmwolle an“, erklärt Meier, „Der Markt aber ruft nach NeptuTherm in Form von Matten.“ Die Produktentwicklung sei bereits vorangeschritten, erste Muster bereits gemeinsam mit der HS Reutlingen – gefördert vom Land Baden-Württemberg –  gefertigt worden. „Auch diese sind voll ökologisch. Darauf lege ich besonderen Wert“, so Meier. Auf Maulbeerbaum basierender Bast verbindet die lose Wolle zu einer Matte. In fernerer Zukunft sei auch der Vertrieb von harten Platte denkbar. Dazu wird NeptuTherm weiterhin von anerkannten Partnern wissenschaftlich untersucht und Anwendungsmöglichkeiten weiterentwickelt.

Zudem denkt Prof. Meier darüber nach, die Produktion in die entsprechenden Mittelmeerländer zu verlegen. Die Begründung: Der Sand, der aus der Dämmwolle gesiebt wird, muss in Deutschland kostenpflichtig entsorgt werden. Gespräche laufen laut Unternehmensangaben bereits.

Wie versprochen, findet sich hier am Ende des Beitrags ein Video bzw. der Preisträger-Film der IKEA Stiftung zu NeptuTherm. Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage von NeptuTherm.

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1 Kommentar

  • Hoffentlich findet Ihr noch freie nicht mit Kunststoffabfällen kontaminierte Oasen im Meer vor!?
    Aufklärungs- Kampagne für den Verbraucher ist notwendig um das Bewußtsein (Verhalten) zu schärfen und letztendlich zu ändern!
    Sonst bekommen wir noch mit Kunststoff gemischte Neptunbällchen!?

    Artaperma – Im jetzigen Tun gestalte ich den Morgen!

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