Solar News: Conergy und MEMC haben Einigung erzielt
Positive Nachrichten für die Solarbranche und insbesondere alle Aktionäre der Conergy AG: Gestern Abend teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, es habe sich mit dem US-amerikanischen Waferhersteller MEMC Inc. im Rechtsstreit um Lieferverträge geeinigt. Der Rechtsstreit währte bereits seit April 2009 und ist nun beigelegt.
Diese Nachricht – vor zwei Wochen hatte das Handelsblatt bereits darüber spekuliert und ein kurzzeitiges Kursfeuerwerk ausgelöst – dürfte der Conergy Aktie einen rasanten Schub geben. Diese schloß am Freitag bei 73 Cent.
Conergy-Chef Dieter Ammer: Befreiiungsschlag
In einem ersten Statement sprach Conergy-Chef Dieter Ammer von einem Befreiungsschlag für Conergy:
“Mit der jetzt ausgehandelten Einigung haben wir es geschafft, unser Unternehmen von einer wesentlichen Bürde zu befreien.”
Die Wettbewerbsposition werde maßgeblich gestärkt, das operatives Geschäft flexibler:
“MEMC hat sich als kundenorientiertes Unternehmen gezeigt und wir freuen uns, die strategische Partnerschaft mit ihnen fortzuführen.”
Folge der Einigung ist eine Änderung des Vertrages: So werden alle strittigen Wettbewerbsverbote aufgehoben. Gleichzeitig wurde das Vertragswerk im Hinblick auf Liefermenge sowie Preis angepasst. Der Preis der Wafer orientiert sich künftig am Marktniveau und die Liefermengen bestimmen sich am Bedarf des Conergy Werks in Frankfurt (Oder). Allerdings muss Conergy eine bestimmte Mindestmenge ihrer Fertigungskapazitäten abnehmen.
Conergy: Bilanzverbesserung um 34 Millionen Euro
Die Einigung zwischen Conergy und MEMC wirkt sich auch rückwirkend äußerst positiv auf die Bilanz der Conergy AG aus. Vorsorglich hatte das Hamburger Solarunternehmen im Zusammenhang mit der Klageerhebung die an MEMC geleistete Anzahlung vollständig wertberichtigt. Durch die Einigung kann Conergy diese Forderungen gegen MEMC teilwesie wieder aufwerten. Allein dies schlägt sich mit 34 Millionen Euro positiv im Jahresabschluss 2009 nieder.Gleichzeitig führt die Einigung mit MEMC operativ zu einer wesentlich flexibleren und marktgerechteren Form der Belieferung mit Siliziumwafern. Conergy werde den Bedarf an Siliziumwafern in Zukunft nur noch zur Hälfte über MEMC decken. Dabei wurde über die restliche Laufzeit von rund neun Jahren ein Mindestbetrag von weniger als ein Viertel des aktuellen Vertragswertes vereinbart. Nimmt Conergy nicht die vereinbarten jährlichen Mengen ab, verlängert sich die Laufzeit entsprechend. Die übrige Versorgung wird mit Lieferungen Dritter gesichert.
Alternative: Sowohl Wafer als auch Siliziumblöcke nun möglich
Das Unternehmen ist hierbei nicht mehr ausschließlich auf die Abnahme von Wafern festgelegt, sondern kann auch direkt Siliziumblöcke einsetzen, was unter dem ursprünglichen Wafer Supply Agreement im Rahmen eines Wettbewerbsverbotes ausgeschlossen war. Dadurch kann die Wafersägerei in Frankfurt (Oder) weiter ausgelastet und die Wertschöpfung vertieft werden. Gleichzeitig haben beide Unternehmen eine umfangreiche Zusammenarbeit bei der Umsetzung von Photovoltaik-Großprojekten ab 2010 vereinbart.
Den Ende 2007 geschlossenen, ursprünglich über 8 Milliarden Dollar laufenden Liefervertrag hatte die Conergy AG bereits Mitte 2008 in Gesprächen mit MEMC halbiert. Ende 2008 traf man sich erneut, um insbesondere nach Ansicht von Conergy wettbewerbswidrige Klauseln aus dem Vertrag entfernen zu lassen. Nachdem diese Verhandlungen gescheitert waren, erhob Conergy im April 2009 Klage auf Feststellung der Unwirksamkeit des Liefervertrags vor einem New Yorker Gericht, die nun außergerichtlich erledigt ist.

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