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Green New Deal Option – DESERTEC

24/01/2009 20:01 1 Kommentar

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Kern eines Green New Deal wie ihn viele Organisationen vorschlagen, sollte und müsste die internationale Abstimmung der Energiepolitik sein. Ein revolutionärer Vorschlag liegt seit einiger Zeit mit dem “DESERTEC Konzept” auf dem Tisch. Kann DESERTEC Teil eines Green New Deal sein?

Was beinhaltet DESERTEC?

Die weitaus größte technisch zugängige Quelle für Energie auf der Erde sind die Wüsten im Sonnengürtel. Das DESERTEC Konzept will Wüsten und Technologie in den Dienst von Energie-, Wasserund Klimasicherheit stellen. In diesem Sinne schlagen wir eine Kooperation zwischen Europa, dem Nahen Osten (the Middle-East) und Nord-Afrika (EU-MENA) vor, beim Bau von solarthermischen Kraftwerken und Windparks in den Wüsten der MENA Region. Diese Anlagen önnen den wachsenden Bedarf an Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung in MENA selbst decken und darüber hinaus sauberen Strom erzeugen, der mittels HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) mit geringen Übertragungsverlusten (10-15%) bis nach Europa geleitet werden kann. In Ländern wie Australien, China, Indien und den USA wäre das DESERTEC Konzept aus politischer Sicht noch deutlich einfacher zu realisieren.

Welche Organisationen unterstützen DESERTEC?

Aktuell hat sich der Ausschuss für Wirtschaft und Technologie mit dem Konzept beschäftigt und den Bau von solarthermischen Kraftwerken in der Wüste für möglich erklärt (Quelle). Ab 2009 soll außerrdem die derzeit in Gründung befindliche DESERTEC Foundation weitere Studien organisieren und das Thema in Politik und Öffentlichkeit tragen. Weitere deutsche Unterstützer sind derzeit der “Club of Rome” mit Vordenker Max Schön an der Spitze und seiner Initiaitve  TREC (Trans-Meditteranean Renewable Energy Cooperation).

Wie könnte DESERTEC konkret umgesetzt werden?

Innerhalb von rund 30 Jahren könnten über 80 Prozent der Stromversorgung Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens aus regenerativen Energien erfolgen, so die Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die dem DESERTEC Konzept zu Grunde liegen. Die internationale Vernetzung und Nutzung Erneuerbarer Energien, insbesondere von Wasserkraft, Windkraft und von Strom aus Solarthermischen Kraftwerken in Südeuropa, dem Nahen Osten und Nordafrika könne dies leisten. Alle dafür notwendigen Technologien seien vorhanden und teilweise seit Jahrzehnten im Einsatz.

Wie kämpft Visionär Max Schön für die Idee?

“Nun müssen wir die nächsten Schritte in Angriff nehmen! In 6 Stunden fällt soviel Sonnenenergie auf die Wüsten dieser Welt wie die Menschheit in einem Jahr an Energie verbraucht. Solarthermische Kraftwerke, wie sie derzeit in Spanien gebaut werden, können hieraus dank Wärmespeichern Tag und Nacht Strom gewinnen, und das deutlich günstiger als Photovoltaik. Und mit Hochspannungs-Gleichstromleitungen könnte der Strom verlustarm über tausende Kilometer transportiert werden. Nur: wir müssen dieses riesige Potential auch nutzen!”
Welche Kritik gibt es am DESERTEC-Konzept?
Die FDP bezeichnet das Konzept indirekt als “Wahnsinn”. Und Wolfgang Neldner von Vattenfall kritisiert:

“Auch er vermisst ein Finanzierungskonzept und erwartet, dass die Kosten nicht von der Wirtschaft getragen, sondern bei den Steuerzahlern hängen bleiben. Zudem hält er durchs Mittelmeer verlegte Stromkabel für störanfällig und somit für einen Risikofaktor für eine sichere Stromversorgung.”

Entsprechend unterschiedlich die Berechnungen, welche Kosten dieses Projekt verschlingen könnte: DESERTEC geht von einem “einstelligen Milliardenbetrag” aus, um das Projekt anzuschieben. Anderen Berechnungen zufolge ist mit 500 Milliarden Euro bis 2050 zu kalkulieren. Das Thema “politische Unsicherheit und damit auch Störanfälligkeit” entgegnet DESERTEC überzeugt mit dem Argument, dass überall genügend Sonnenenergie gewonnen werden könnte. Insbesondere die nordafrikanischen Staaten müssten einen Anreiz darin sehen, die dort günstiger produzierbare Sonnenenergie exportierenzu können und eine entsprechende Leitungssicherheit zu gewährleisten.

Das meinen wir von CleanThinking.de:

Die harsche Kritik der FDP und von anderen Institutionen ist nicht verständlich. Natürlich steht in den Sternen, ob ein solches Projekt jemals realisiert wird. Darüber nachzudenken und die Vision zu haben, macht allemal Sinn. Dass die Technologie existiert kann von DESERTEC glaubhaft belegt werden. Verluste beim Transport von 10 bis 15 Prozent wären absolut akzeptabel. Kernproblem ist aus meiner Sicht: Wie sicher wären die Hochspannungsleitungen durchs Meer? Es muss immer Alternativenergie in Europa geben, die nicht von einer einzelnen Leitung durchs Meer abhängig ist.

Darüber hinaus könnte das Projekt tatsächlich zu einer wirtschaftlichen Verbesserung auf dem afrikanischen Kontinent sorgen, Arbeitsplätze schaffen, Ingenieure und Wohlstand bringen. Allein schon aufgrund des in den nächsten Jahrzehnten stark steigenden Energiebedarf Afrikas ist ein umfassendes Setzen auf Erneuerbare Energien notwendig. Die entscheidende Frage lautet also: Könnte Afrika alleine die Investitionen in Erneuerbare Energien stemmen? Ich denke: Eher nein. Insofern könnte in Afrika gerade für deutsche Unternehmen ein extrem spannender Markt entstehen.

Die Finanzierung ist eine weitere, eher ungeklärte Frage. Aber: Was sind schon 500 Milliarden, verteilt auf 42 Jahre? Beteiligt wären viele Staaten, die die Kosten locker stemmen könnten.

Letztlich mangelt es also an politischem Willen und politischer Einigkeit: Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob solch ein Projekt Chance auf Realisierung hat.

1 Kommentar

  • Schöner Artikel, den ich gerne um folgende Punkte ergänzen wurde:
    - Michael Kauch von der FDP ist begeistert von DESERTEC (einfach mal googlen)
    - Wie man auf der Karte von DESERTEC sieht geht es nicht um EINE Leitung und EIN Karftwerk sondern um ein Netzwerk…
    - …in dem Europa einen Großteil seiner Energie selber mit Erneuerbaren erzeugt und etwa 17% importiert
    - Der einstellige Miliardenbetrag wäre für die Finanzierung von Einspeisegesetzen bis die Technologie günstiger ist; der Rest der 500 Milliarden sind gewinnbringende Investitionen (die aufgrund des wachsenden Bedarfs an eh in Kraftwerke investiert werden müssten)

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