Elektroauto: Wie weit sind wir wirklich?
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Google investiert in die Herstellung des Elektroautos Aptera, Shai Agassi strebt den Aufbau einer Infrastruktur zum Auswechseln von Elektro-Akkus an, Tesla baut mit dem Tesla S eine erste Familienkutsche, Opel stellt den Opel Ampera als Elektroauto für 2011 vor, deutsche Stromkonzerne und Autohersteller schließen sich zur Forschung zusammen…
Die Liste der Meldungen, die Hoffnung auf eine baldige, flächendeckende und sinnvolle Nutzung von Elektroautos machen, ist lang. Doch jetzt lassen Aussagen von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn aufhorchen. Auf lange Sicht gehöre die Zukunft der Elektromobilität, so Winterkorn in der WELT. Konkret und kurzfristig hingegen überhaupt nicht. Der Weg zum alltagstauglichen, bezahlbaren und sicheren Elektroauto für alle sei noch sehr weit. Dass die Menschen in zwei oder drei Jahren in großer Zahl auf stromgetriebene Fahrzeuge umsteigen könnten, sei ein weitverbreiteter Trugschluss. “Wir werden auch in 30 Jahren noch mit Verbrennungsmotoren fahren”, so Winterkorn.
Gut, die Aussagen von Winterkorn sind nicht sehr konkret – was stellt sich der VW-Chef unter “in großer Zahl” vor? Und wann beginnt “auf lange Sicht”? Letztlich verwundern die Aussagen des VW-Chefs, weil ja kürzlich sogar Daimer-Boss Dieter Zetsche auf den Zug grüner Mobilität aufgesprungen war. Was ist also dran an den Unkenrufen des Herrn Winterkorn? Sind die Shai Agassis, Googles und Teslas der Welt alle verrückt, dass sie jetzt schon auf die Elektromobilität setzen?
Es ist völlig klar, dass es nicht von heute auf morgen möglich ist, eine flächendeckende Versorgung mit Elektroautos einzuführen. Aber, wenn jetzt von Experten der Branche die fehlende Infrastruktur als Hauptgrund für eine Verzögerung von zumindest Hybridfahrzeugen angeführt wird, muss sich die Industrie durchaus fragen lassen, wieso sie nur sehr langsam Schritte in Richtung Infrastruktur unternimmt? Ich denke, dass in den kommenden 30 Jahren vorwiegend Hybridfahrzeuge gebaut werden, wie der Ampera, der zwar eine Elektroreichweite von mehreren Hundert Kilometern hat, gleichzeitig aber über einen Verbrennungsmotor verfügt, der zur Not quasi an Bord ist.
Daher sollte die Industrie an beiden Stellen weiterarbeiten: einerseits Benziner und Dieselmotoren verbessern, andererseits schneller auf Elektromobilität setzen. Und: sich endlich auf gemeinsame Standards einigen in Sachen Batterien usw.
Passend zur Skepsis von Winterkorn kommt die Meldung, dass der Energieversorger EWE zusammen mit dem insolventen Zulieferer Karmann eine Elektrolimousine namens “E3″ entwickelt hat. Zeigen die Stromkonzerne mehr Engagement beim Aufbau von Infrastruktur und bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen, weil sie sich mehr künftigen Umsatz davon versprechen als ein Autokonzern wie Volkswagen? Könnte sein. Wer 6 bis 8 Millionen Fahrzeuge verkaufen will, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht voll auf eine neue Technologie in Kinderschuhen setzen. Aber: Er könnte mehr dafür tun, dass die neue Technologie den Kinderschuhen entwächst… Bisher bauen die Autokonzerne weitgehend Benziner um, ohne grundlegend neu nachzudenken: Bezeichnend, dass der E3 den Akku im Unterboden hat und nicht wie üblich bei BMW Mini und Co weiterhin unter der Motorhaube. Frisches Denken ist gefragt, liebe Autokonzerne!
Klar ist, die Stromkonzerne drücken stärker aufs Strompedal als VW und Daimler. Beispiel ist die Initiative “Elektromobilität” von RWE. Derzeit verhandelt der Stromkonzern mit Städten aus dem Ruhrgebiet über einen Aufbau von öffentlichen Stromtankstellen im Ruhrgebiet sowie in Frankfurt. Spätestens 2010 sollen die ersten Strom-Zapfsäulen tatsächlich stehen. Begründung für das Engagement der Stromkonzerne kann auch sein, dass so überschüssiger Strom aus Windenergie, der beispielsweise nachts erzeugt wird, in den aufzuladenden Elektroautos als “Quasi-Speicher” verwendet werden kann. Eine Vision, die der des Aufbaus eines Smart Grids nahe kommt. Doch auch beim Thema Smart Grid sind eher die USA ein Vorreiter als die Europäer.
Wenn man schließlich davon ausgeht, dass ab 2011 oder 2012 Fahrzeuge wie der Tesla S, der Opel Ampera oder der E3 in ansehnlichen Stückzahlen auf den Markt kommen werden, ist aus meiner Sicht das von Winterkorn in Frage gestellte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 1 Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen haben zu wollen, keine Illusion. Die Menschen in diesem Land, und da schließe ich mich mit ein, wollen die Elektromobilität, davon bin ich überzeugt.

03:55
electric range is much better than gas range because it does not produce smoke ”
12:08
Ich denke, dass auch die verbraucher ein Signal setzen müssen. Denn der Markt wird ja nicht allein von der Automobilindustrie oder den Ölgesellschaften allein bestimmt. Das ist wie mit dem schlechten Privatfernsehen, den “Unterschichtensendungen”, wenn es genug Willige gibt, entstehen auch Produzenten. Wenn der ökologisch denkende Bürger ein wenig von seinem Denken abrückt, nicht mehr nur Leistung, Schnelligkeit, schnittiges Aussehen bei einem Neuwagen beachtet, entzieht er den Benzinerfans ihre Grundlage.
22:39
Sehe das genauso wie Dachs. Schraube sehr viel an einem Traktor und merke jedes mal, dass da noch mehr geht.
17:12
Ich seh die deutsche Auto-Zukunft absolut rosig. Wir reden immerhin “nur” über den Antrieb. Drumherum bleibt vieles identisch. Wenn bei BMW, Mercedes & Co. die Ressourcen umgelenkt werden, sollten die Ingenieure das aber mal mindestens so gut hinbekommen, wie ein Tesla (ich sag nur 6.000 Laptop-Akkus in nem Lotus..)
09:59
Es ist einfach so, dass die Verflechtungen der Ölindustrie mit der Autoindustrie noch sehr bremsend wirken. (Von den Politikern mal ganz zu schweigen)
Darum ist ein Unternehmen wie Google, deren Manager nicht von der Ölindustrie geschmiert sind, im Vorteil beim Entwickeln von Elektroautos.
13:08
Hallo Martin, ein sehr interessanter Artikel bzw. eine interessante Fragestellung, die wohl kaum jemand wirklich beantworten kann. Ich – als Laie – denke aber, dass sich die großen Automobilkonzerne nicht gerade um einen wirklichen Umbruch bemühen. Leider sehen viele Menschen (und auch Vorstände sowie Manager) in den Zeiten des Wandels eher Risiken als Chancen. Für Herr Winterkorn von VW könnten das z.B. eine Vielzahl neuer und schwer einzuschätzender Konkurenten wie Tesla, Fisker, Pininfarina, etc. sein. Vielleicht ist der Grund für die Skepsis eher der Wunsch danach, dass es noch eine Zeit lang so weitergeht. Aber vorsicht. Dass hatten sich die MAnager von GM mit ihren Pick-Ups auch gewünscht…
14:01
Hallo Chris – ich gebe Dir, bin ja auch nur ein Laie, Recht. Das Bemühen der Autokonzerne generell um etwas ökologischere Fahrzeuge ist an einigen Punkten kaum erkennbar – es gab ja gerade wieder einen Beitrag vom TV-Magazin Kontraste zum unverständlichen Thema Herkömmliche Klimaanlage vs. CO2-Klimaanlage.
Aber ich glaube schon, dass sich der Elektroantrieb langsam als die entscheidende Alternative durchsetzt — und man wegkommt von Wasserstoff und anderen Antriebsoptionen.
Und, ich hoffe sehr, dass der Druck, den die Teslas und Apteras dieser Welt aufbauen, auch bald in den Konzernzentralen von VW und Co ankommt. Manchmal kommt die Revolution eben nicht von den alteingesessenen Unternehmen, sondern kann nur durch junge, frische Unternehmen vorangetrieben werden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht
09:32
Hallo Erhard, Du hast nicht unrecht, was Frankfurt betrifft – allerdings ergreift RWE, denen ich prinzipiell auch sehr kritisch gegenüberstehe, auch im Ruhrgebiet u.a. die Initiative, und die finde ich ganz positiv.
09:22
Vorsicht mit der Argumentation RWE wäre aktiver wie VW und Daimler. In Frankfurt will RWE unter zehn Stromtankstellen für die IAA bauen. Was soll das?
Die wollen nur dem regionalen Energieversorger, der Mainova, Kunden wegnehmen. Während RWE redet haben wir schon lange gehandelt…
http://ralos.de/blog/2009/03/solartankstelle-frankfurt-eroffnet.html