Elektroauto-Rekordfahrt: Antworten der Bundesregierung

Fragen und Antworten dokumentiert

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1. Kann die Bundesregierung Presseberichte bestätigen (ADAC 12/2010), dass bis heute keine nachprüfbaren Informationen zur Akkutechnik von der Firma DBM Energy GmbH vorliegen?

Die Bundesregierung kann dies nicht bestätigen. Datenblätter mit technischen Angaben zum Rekordfahrzeug und Akku wurden anlässlich des VDE-Kongresses am 8. bis 9. November 2010 öffentlich gemacht und den etwa 1 600 Fachbesuchern zur Verfügung gestellt. Während des Kongresses bestand die Möglichkeit, das Fahrzeugvor Ort anzuschauen und sich mit Fragen an die Firma DBM Energy und den Fahrzeug-Umrüster zu wenden. Darüber hinaus ist die Akku-Technik bei der Firma PAPSTAR seit September 2010 bei Gabelstaplern im Dauereinsatz und funktioniert nach Angabe des Unternehmens bislang reibungslos (wartungsfrei, 70 Prozent weniger Stromverbrauch, keinerlei Ausfälle und Störungen).

2. Kann die Bundesregierung Presseberichte bestätigen (ADAC 12/2010), dass eine neutrale technische Abnahme des Fahrzeugs bis heute nicht stattgefunden hat?Ohne TÜV-Zulassunghätte die Fahrt nicht stattfinden dürfen. Daher wurde das Fahrzeugvor der Rekordfahrt von der DEKRA abgenommen und für den Straßenverkehr zugelassen

3. Wie bewertet die Bundesregierung die Beweiskraft der Langstreckenfahrtangesichts der Tatsache, dass der bestellte Notar kurzfristig abgesagt hatte?

Die Rekordfahrt wurde von ca. 20-30 Personen als Augenzeugen begleitet. Beteiligt waren unter anderem der ADAC, Vertreter der Presse sowie Mitarbeiter der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Acht Personenschützer waren immer in Sichtweite des Fahrzeugs. Das Augenzeugen-Protokoll eines Notars ist rechtlich nicht anders zu beurteilen als das der übrigen Augenzeugen. Unabhängig davon existiert ein lückenloses GPS-Protokoll, das mit einer im Fahrzeugeingebauten GPS-Blackbox aufgezeichnet wurde und dem BMWi vorliegt. Anhand des Protokolls lässt sich exakt nachvollziehen, wo, zu welcher Zeit, wie schnell und in welcher Höhe das Fahrzeugunterwegs war. Danach können Manipulationen (z.B. unbeobachtetes Nachladen) ausgeschlossen werden.

4. Ist der Bundesregierung bekannt, dass der Audi A2 mehrfach während der Tour für 20 bis 30 Minuten aus dem Sichtfeld mitfahrender Journalisten verschwand, und wenn ja, wie bewertet sie dies?

Ein mehrfaches Verschwinden für 20 bis 30 Minuten kann von den Mitarbeitern des BMWi und DLR nicht bestätigt werden. Das erklärt sich auch daraus, dass es leicht möglich war, dem Fahrzeug mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von rund 90 km/h zu folgen. Zutreffend ist, dass der Audi A2 nach Erreichen der Stadtgrenze am vereinbarten Zielpunkt (Berlin-Dreilinden) ca. 20 Minuten später als einige der Begleitfahrzeuge eintraf. Grund hierfür war ein Umweg des Elektrofahrzeugs in Berlin, um die symbolisch wichtige Marke von 600 km zu überschreiten. Für das Erreichen des Langstreckenrekords war dieser Umweg jedoch irrelevant.

5. Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass das Unternehmen DBM Energy GmbH die Leistungsfähigkeit der Akkutechnik durch einen Reichweitencheck nachweist?

DBM Energy hat gegenüber dem BMWi bestätigt, dass mit der DEKRA ein unabhängiger Reichweiten-Check für Ende Februar 2011 vereinbart wurde. Der Termin war bereits für Dezember 2010 vorgesehen, musste aber wegen eines Brandes in einer Berliner Lagerhalle am 11. bis 12. Dezember 2010, bei dem das Rekord-Fahrzeugzerstört wurde, verschoben werden. Inzwischen wird ein Ersatzfahrzeug aufgebaut, mit dem die Tests nachgeholt werden sollen.

6. Ist der Bundesregierung bekannt, ob weitere Maßnahmen geplant sind, um Zweifel an der Technik auszuräumen?

Die Bundesanstalt für Materialsicherheit und -forschung (BAM) führt seit dem 17. Januar 2011 auf Wunsch des BMWi ein umfangreiches Test-Programm zur Überprüfung der Sicherheit der Lithium-Metall-Polymer-Technik der Firma DBM Energy durch. Grundlage für die Tests sind die im Jahr 2009 erschienenen aktuellen Empfehlungen des UN-Prüfhandbuchs zur Beförderung gefährlicher Güter. Auf der Grundlage dieser weltweit akzeptierten Standard-Prüfmethoden für Lithium-Ionen-Speicher sind 8 Einzeltests vorgesehen: Höhensimulation, thermische Prüfung, Schwingungstest, Schlagtest, äußerer Kurzschluss, Aufprall-Test, Überladung und erzwungene Entladung. Zusätzlich wird die BAM die Crash-Sicherheit und das Brandverhalten der Zellen bei Unterfeuerunguntersuchen. In den nächsten Monaten sind darüber hinaus weitere Tests mit einem kompletten Fahrzeug-Akku geplant.

7. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend, dass die Rekordfahrt durch das BMWi finanziell unterstützt wurde?

Ziel des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Leistungsfähigkeit der Elektroautos, insbesondere deren Reichweite, signifikant steigen. Ziel des Vorhabens war es daher, mit bereits heute verfügbarer Technik einen Pkw-Demonstrator zu entwickeln und zu erproben, der eine akzeptable Reichweite (mehr als 300 km) erreichen und zugleich ein Höchstmaß an Sicherheit und Umweltfreundlichkeit erfüllen kann. Dazu wurde in dem Forschungsprojekt mit DBM Energy ein intelligentes Gesamtsystem entwickelt und erprobt, das aus einem Elektroauto und einer Hochleistungsbatterie mit einer speziell angepassten IKT-basierten Systemsteuerung besteht.

(Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Valerie Wilms, Dr. Anton Hofreiter, Winfried Hermann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/4392 – Elektronische Vorab-Fassung)

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