Wird neben der Kohle auch Fracking in Deutschland salonfähig?

IPCC-Bericht und Analyse der Agora Energiewende zeigen: Zunehmende Kohleverstromung schadet dem Klima und verdrängt Gas

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Fukushima ist drei Jahre her – und nicht nur in den Köpfen vieler Politiker längst in Vergessenheit geraten. Kein Wunder: Die CDU hat die nachfolgende Bundestagswahl gewonnen und ist weiterhin mit der Kanzlerin Merkel dabei, die „Geschicke“ dieses Landes zu steuern. Mittlerweile wird die Langfrist-Strategie von CDU – und nicht minder von der SPD – ersichtlich: Steinkohle und Braunkohle soll noch Jahrzehnte die Basis der hiesigen Stromerzeugung darstellen. Vom klimaschädlichen Verbrennen dieses Kohlenstoffträgers wird keinen Millimeter abgerückt. Berichte von IPCC und Agora Energiewende warnen.

Berlin / Energiewende News. Zur Erreichung der Klimaschutzziele ist eineEnergiewende bei Wärme und Verkehr sowie ein nationaler „Kohle-Konsens“ nötig. Zu dieser Erkenntnis gelangt eine neue Analyse des Think Tanks Agora Energiewende. Deutschland erlebe derzeit das „Energiewende-Paradox“: Steigende Treibhausgas-Emissionen trotz steigender Anteile Erneuerbarer Energien. Eine im Vorfeld der Veröffentlichung des IPCC-Berichts zu Klimaschutzmaßnahmen veröffentlichte Analyse von Agora Energiewende zeigt nun: Die steigenden Emissionen in Deutschland sind nicht auf den Atomausstieg zurückzuführen. Verantwortlich ist vielmehr die Verdrängung der Erdgas-Stromerzeugung durch Stein- und Braunkohle sowie fehlende CO2-Reduktionen in den Bereichen Wärme, Verkehr und Industrie.

Agora Stromerzeugungsmix Energiewende

Während die Treibhausgasemissionen in Deutschland zwischen 1990 und 2010 stetig gefallen sind, steigen sie seit 2011 wieder. Dies gilt sowohl für die Gesamt-Treibhausgasemissionen als auch für den Bereich der Energiewirtschaft. Hintergrund sind zwei Trends: Innerhalb des Stromsektors wird zwar die wegfallende Stromerzeugung der Kernkraft nach Fukushima durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien überkompensiert, zudem sank der Stromverbrauch. Gleichzeitig aber verdrängen Braun- und Steinkohle-Kraftwerke am Strommarkt die CO2-ärmeren Gaskraftwerke, und die Stromexporte steigen. Der Trend zur Kohle wurde bestimmt durch den Preisverfall im europäischen CO2-Emissionshandel bei gleichzeitig hohen Gas- und fallenden Steinkohlepreisen.

Und was macht die Politik im Zuge der Debatte um ein neues EEG? Die ostdeutschen Bundesländer fordern für die klimaschädliche Braunkohle aus dem heimischen Revier EEG-Ausnahmen, wie sie auch der Steinkohle zugedacht werden. Darüber berichtete kürzlich die Berliner Zeitung ausführlich.

Die Analyse der Agora Energiewende kann hier nachgelesen werden.

Franz Alt warnt vor Fracking in Deutschland

Unterdessen warnt Franz Alt, journalistisches Urgestein der Erneuerbare Energien-Debatte in Deutschland, davor, dass Fracking von Schiefergas in Deutschland hoffähig werden könnte. In einem Kommentar für PV MAGAZINE schreibt Alt, in Berlin werde zunehmend über die Gasgewinnung durch Fracking diskutiert. Putins Gas sei viel zu teuer und unsicher, einen Gaskrieg mit Russland könne man nicht wollen – letzter Ausweg also das Einpressen von Chemie-Wasser-Cocktails in die Erde, um selber die letzten Kubikmeter Gas auszupressen, die die Erde über Millionen von Jahren „produziert“ hat?

Es ist ernüchternd, mit welchem Tempo der Irrsinn von Kohle und Atom un Deutschland weitergeführt wird. Das Umkehr-Tempo ist peinlich für Deutschland in der ganzen Welt – andere Länder haben dem einstigen Marktführer für Umwelttechnologien längst den Rang abgelaufen. Energiewende in Deutschland? Die war einmal.

Dabei liegen die Gründe für einen Mix aus Solarenergie, Windenergie, Bioenergie sowie Wasserenergie und Geothermie auf der Hand –  zutreffender als es der Wissenschaftler Harald Lesch beschreibt, kann man den Zwang zur Energiewende, zum Umsteuern gar nicht ausdrücken:

IPCC: Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten

IPCC-Bericht 2014Am vergangenen Wochenende wurde auch der neueste Bericht des IPCC veröffentlicht. Mit dabei ist auch Ottmar Edenhofer, der sich seit Jahrzehnten mit Fragen der Klimaerwärmung beschäftigt. Die Aussage des IPCC ist eindeutig: Zehn bis zwanzig Jahre habe die Welt noch Zeit, um den Klimawandel zu moderaten Kosten aufzuhalten. Hauptziel solle eine Veränderung des Energiemixes sein. Dabei könnten nach Ansicht des IPCC neben Solarenergie und Windenergie auch andere Technologien wie Atomkraft zum Einsatz kommen.

Insbesondere der wachsende Anteil an Kohlekraftwerken macht aber einen Strich durch die Rechnung: CO2-Zertifikatehandel ist faktisch ausgesetzt, immer mehr Kohlekraftwerke gehen auch in Deutschland ans Netz. Die Bundesregierung zementiert den Anteil der Kohle am Strommix gerade bis 2040 – auch dann sollen noch 40 Prozent der Energieerzeugung aus Kohle stammen. Dieser Weg von Sigmar Gabriel und Angela Merkel ist unfassbar ambitionslos.

Der fünfte Sachstandsbericht des IPCC wird heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt – und kann hier heruntergeladen werden.

(Dieser Beitrag erschien am 14.4.2014 auf CleanThinking.de)

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