Solar-Startup EnSol will Fenster und Wände zu Stromquellen machen
Gebäudeintegrierte Photovoltaik ist zwar noch in wesentlichen Teilen Zukunftsmusik, aber doch eine faszinierende Vision: Das norwegische Cleantech-Unternehmen EnSol meldet jetzt, es habe eine Dünnschicht-Technologie für Solarzellen entwickelt, die per Sprühverfahren auf Fenster aufgebracht werden kann. Dazu tüftelt das US-Startup Solaroad Technologies Group ebenfalls an der Kommerzialisierung einer sprühbaren Dünnschicht-Technologie, die sogar asphaltierte Straßen zur Stromquelle der Zukunft machen soll – steht die sprühbare Dünnschicht-Revolution also kurz bevor?
Nein, die Nachrichtenagentur pressetext zitiert den Nanotechnologie-Spezialist Prof. Chris Binns von der University of Leicester mit den Worten: “Der Film unterliegt nicht fundamentalen thermodynamischen Einschränkungen, die für Halbleiter-Materialien gelten. Im Prinzip sollten sehr hohe Effizienzen nur eine Frage der Entwicklung sein.” Doch gerade in diesem “im Prinzip” steckt der Pferdefuß: In der Theorie und im Labor ja, aber bis die Entwicklung kommerzialisiert werden kann, werden noch Jahre vergehen. 2016 soll die Technologie von EnSol marktreif sein.
EnSol zielt darauf ab, dass die neue Solarzellen-Technologie als Spray und damit besonders leicht aufgetragen werden kann. Eine Beschichtung von Fensterscheiben würde jedenfalls nur zu einer leichten Tönung führen, da der Film sehr dünn ist. Zudem ist die Technologie auch für Dachziegel oder Gebäudefronten geeignet. Die von EnSol angestrebte Effizienz von 20 Prozent oder mehr wäre für eine Dünnschicht-Solarzelle durchaus beachtlich: Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg hat erst Ende Juli mit 20,3 Prozent Wirkungsgrad einen neuen Labor-Weltrekord für sogenannte CIGS-Dünnschichtzellen gemeldet. Die Ausbeute kommerzieller Dünnschicht-Module liegt deutlich niedriger. Global Solar beispielsweise hatte im Februar 2010 einen Wert von 13,2 Prozent für CIGS-Module gemeldet.
Neben EnSol sind auch mehrere amerikanische Start-Ups unterwegs auf dem langen Weg zur Kommerzialisierung einer solchen neuen Technologie, die bahnbrechende Auswirkungen haben könnte: Die Solaroad Technologies Group beispielsweise tüftelt ebenfalls an einer sprühbaren Dünnschicht-Technologie, die sogar den Asphalt der Straßen zur Stromquelle der Zukunft machen soll. Zur Unternehmensgruppe gehört auch Sunstar Automotive, ein Unternehmen, das das gesamte Auto zur Stromquelle, inklusive Radnabenmotor und elektrifizierter Straße, machen möchte (siehe Grafik).
Solarzellen in Gebäuden, Autodächern, Fensterscheiben, Straßen usw: Die Anwendungsfelder der Photovoltaik werden in der Zukunft enorm sein. Bis die Technologie sich aber überall in allen Anwendungsbereichen bewährt, wird noch mindestens ein Jahrzehnt vergehen. Aber: Diese Zukunftsvisionen werden zunehmen realistischer und zeigen, dass sich Investitionen in Forschung und Entwicklung bezahlt machen könnten.
