EEG-Reform: Bagatellgrenze für Eigenverbrauch kommt

Große Koalition beschließt Erneuerbare-Energien-Gesetz 2014 unter fragwürdigen Bedingungen / Rückschlag für Energiewende

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Am Freitag wird die EEG-Reform bzw. das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2014 im deutschen Bundestag verabschiedet. In hektischen Sitzungen und mit spitzer Feder wurde bis heute an den Entwürfen herumgeschraubt. Dabei wurde erstaunlicherweise mehr mit der EU-Kommission verhandelt als in den Ausschüssen des Deutschen Bundestages. Diese mussten ihre heutigen Sitzungen kurioserweise ohne Regierungsvorlagen ergebnislos auf heute, 18 Uhr verschieben. Mittlerweile haben sich CDU/CSU und SPD aber auf Regelungen zum Eigenverbrauch, für Privathaushalte besonders wichtig, verständigt.

EEG 2014Berlin / 24. Juni 2014. Das wichtigste für Besitzer von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen sowie Mieter vorneweg: Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch muss erst ab einer Bagatellgrenze von 10 Kilowatt und einem jährlichen Verbrauch von 10 Megawattstunden bezahlt werden. Normale Einfamilienhaushalte sind von der neuen Abgabe auf selbst erzeugten und verbrauchten Strom etwa aus PV-Anlagen oder Mikro-BHKWs nicht betroffen. Das ist gut so und ein kleiner Schritt für die Cleantech-Branche, um ein wenig durchatmen zu können.

Info: Wie andere Länder das Thema Eigenverbrauch regeln, haben wir uns hier angeschaut.

Wildwuchs mit PV-Anlagen und Speichern?

Das EEG ist in Bezug auf die Regelungen zum Eigenverbrauch – typisch für politische Entscheidungen – zwei, drei Jahre hinter der Realität zurück. Denn: Für viele neue PV-Anlagenbesitzer rechnet es sich bereits heute, nicht mehr nur eine Anlage zu haben, die Einspeisevergütung „verdient“. Sondern vielmehr ist es attraktiv geworden, Stromkosten zu sparen, in dem man den Eigenverbrauch durch Einbeziehung eines Stromspeichers erhöht. Die Logik der EEG-Umlage hätte aber eher den alten Zustand betroffen: Privatleute bauen PV-Anlagen überdimensioniert, um möglichst viel Einspeisevergütung zu kassieren. Diese Betreiber würden dann durch Verrechnung mit der EEG-Umlage nur ein bißchen weniger Rendite erwirtschaften.

Info: Reaktionen der Medien auf die EEG Reform 2014 finden Sie hier.

Aber: Durch die Reduzierung der Einspeisevergütung ist das für Neuanlagen-Betreiber schon länger kein Thema mehr. Also gibt es immer mehr Kunden, die PV-Anlagen oder Mikro-BHKWs mit Speichersystemen kombinieren und auf die Maximierung des Eigenverbrauchs abzielen. Die PV-Anlagen sind dann anders dimensioniert, so dass im Jahresmittel 73 Prozent und mehr Eigenverbrauch möglich wird. Einspeisung und Einspeisevergütung laufen hier eher „nebenher“ und spielen für die Wirtschaftlichkeit eine untergeordnete Rolle.

Info: Den 1. Teil unserer neuen Serie „Energiewende Best Practice“ finden Sie hier.

Dementsprechend kann es zu einer Situation kommen, dass es dem Betreiber einer KWK-Anlage mitsamt eines Speichersystem lukrativ wird, die PV-Anlage künftig gar nicht mehr über das EEG anzumelden – so verzichtet er auf ein paar Euro Einspeisevergütung im Jahr, muss aber umgekehrt auch keine EEG-Umlage auf Eigenverbrauch bezahlen. Setzen sich Elektroautos zunehmend durch, könnten in Zukunft auch immer mehr Einfamilienhaushalte „zu viel“ produzieren und würden nicht mehr unter die Bagatellgrenze fallen. Verzichten diese Kunden auf Einspeisung, wird auch das Lastmanagement, das mit den Speichern betrieben werden kann, erschwert.




Genau an dieser Stelle ist das Gesetz schon heute hinter der Realität zurück: Ein Wildwuchs mit PV-Anlagen und Speichern könnte die Folge sein. Neben Guerilla-PV gibt es womöglich dann auch Guerilla-Speicher. Damit wird die Energiewende wohl kaum planbarer und die Kosten werden nicht sinken.

Supermärkte und Unternehmen betroffen

Supermärkte und Unternehmen, die sich über eine PV-Anlage oder anders mit Eigenverbrauchs-Strom versorgen, sind ab 2015 von der EEG-Umlage betroffen und müssen einen anteilig EEG-Umlage bezahlen. Auch Industrieunternehmen werden entsprechend belastet. Die Regierung einigte sich grundsätzlich auf einen Anteil von 40 Prozent der EEG-Umlage – der schrittweise ab 2015 eingeführt werden soll.

Für Supermärkte und vor allem kleine Unternehmen ist diese EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch ein herber Rückschlag. Die, die die Energiewende unbedingt wollen, werden belastet und bestraft. Eine Konsequenz könnte auch hier sein, dass sich immer mehr Unternehmen abnabeln und sich komplett autark versorgen – beispielsweise auf Diesel-Generatoren setzen, um die Stromlücke im Winter ausgleichen zu können. Auch das kann nicht im Sinne der Energiewende sein, sondern ist zu kurz gesprungen.

2 Kommentare

  • Tatsächlich sind Anlagen ohne steuerliche Aktivierung heute schon häufiger als man es vielleicht denkt. Erst neulich wieder mitbekommen, dass Vermieter Wohnungen inklusive Strom vermieten.

  • Soll das heißen, dass die Eigenstrombelastung nur dann erfolgt, wenn man Überschüsse nach EEG vermarktet? Das wäre ja die Rettung für blaue schimmernde Industriedächer.

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