Eigenverbrauch: Wie andere Länder den Eigenverbrauch behandeln

Deutschland erkennt den volkswirtschaftlichen Nutzen des selbst verbrauchten Stroms nicht. Andere Länder sind weiter.

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Es ist schon grotesk: Am heutigen Freitag wird Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel das EEG 2014 durch den Bundestag peitschen, um damit eine Regelung zu schaffen, die eine Belastung des selbst erzeugten und verbrauchten Stroms etwa von Mietern in Mehrparteienhäusern oder von kleinen und mittelständischen Unternehmen vorsieht. Diejenigen, die bewusst weniger Einspeisevergütung einplanen und damit die EEG-Umlage schonen, sollen nun draufzahlen. Für elektrische Energie, die nicht transportiert und mehrfach gewandelt werden muss. Wie behandeln andere Länder dieses Thema Eigenverbrauch?

Klenke 1

Unternehmer wie Herr Klenke verbrauchen ihren selbst erzeugten Strom selbst. Doch die Regierung will Eigenverbraucher zur Kasse bitten. Grotesk.

Leipzig, Berlin / 27. Juni 2014. Gegen die eigenen Gutachter beschließt Bundesenergieminister nun die Belastung des Eigenverbrauchs. Die Bagatellgrenze von 10 kW schon zwar private Haushalte – diejenigen, die sich mit Elektroautos komplett autark machen könnten dank Mikro-BHKW und anderer Technologien, müssen in Zukunft aber zahlen. Diese Kosten an die EEG-Umlage zu koppeln ist der völlig falsche Weg. Ein Weg, den andere Länder nicht beschreiten.

Unsere Nachbarn aus Österreich erheben ein Stromnetzentgelt auf selbst erzeugen und verbrauchten Strom. Aber: Nach einem Beschluss der Regierungsparteien vom 21. Mai werden die ersten selbst erzeugten und selbst verbrauchten 25.000 Kilowattstunden von der Eigenverbrauchsabgabe ausgenommen. Damit sind über 90 Prozent der in Betrieb befindlichen Anlagen von der Eigenverbrauchsabgabe befreit. Im Juli will das Parlament das Gesetz beschließen. Zuvor hatte es u.a. eine Petition gegeben, die die Parteien zum Einlenken brachte.

Auch Portugal denkt nach einem Bericht der Photon, die sich auf die Zeitung ‚Publico‘ beruft, über eine Regelung zum Eigenverbrauch nach. Betreiber kleiner Anlagen sollen künftig ihren Strom selbst verbrauchen und Überschüsse ins Netz einspeisen dürfen. Und zwar zu Marktpreisen, abzüglich zehn Prozent Netzkosten. Damit könnte der abgewürgte Markt für kleine PV-Anlagen in Portugal wieder kräftig in Gang kommen. Die Portugiesen begünstigen den Eigenverbrauch also sogar.

In der Schweiz trat zum 1. April eine geänderte Energieverordnung in Kraft. Sie sieht unter anderem einmalige Investitionsbeiträge für kleine Photovoltaik-Anlagen und eine Regelung für den Eigenverbrauch von Solarstrom vor. Die Schweizer Energieverornung stärkt seitdem den PV-Eigenverbrauch.

Eigenverbrauch ist keine Todsünde, das muss immer wieder betont werden. Wir alle sollten uns von den politischen Debatten nicht von unserem Weg abbringen lassen. Der Strom, der dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird, ist volkswirtschaftlich sinnvoll – so die Effizienz stimmt. Er trägt zur Entlastung der Netze bei und schon gleichzeitig das EEG-Konto, weil keine Einspeisevergütung gezahlt wird. Das sollte die Regierung unterstützen. Und nicht belasten… In einer Stunde beginnt die Debatte im Deutschen Bundestag…

2 Kommentare

  • Hallo Gudrun, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Wir von CleanThinking geben Dir vollkommen Recht – es ist abstrus und absurd.

    Hast Du einen Balkon? Inzwischen können auch Mieter PV-Anlagen am Balkon nutzen, die direkt ins Hausnetz einspeisen, aber nicht ins öffentliche Netz. Gibt sogar Lösungen mit kleinem Speicher, der ebenfalls direkt an eine Steckdose angeschlossen werden kann. Vielleicht wäre das was für Dich…

    Ein schönes Wochenende wünscht die CleanThinking-Redaktion

  • Gerlich Gudrun

    Ich kann leider keinen selbsterzeugten Strom nutzen.
    Aber dass Leute, die das können und auch tun, nun dafür auch noch bestraft werden sollen…. ich finde dafür einfach keine Worte mehr.
    Wann kommt man in unsere Gärten und lässt uns für unsere selbsterzeugten Kartoffeln und Gemüse zahlen???
    So abwegig ist dieser Gedanke jetzt auch nicht mehr…..
    Wehrt Euch!!

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