Leipzig: Ostdeutsches Energieforum verlangt Antworten zur Energiewende

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Homepage Ostdeutsches EnergieforumCleantech & Energie News / Leipzig. In Leipzig hat um 9 Uhr das Ostdeutsche Energieforum begonnen. Hartmut Bunsen, Sprecher der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlins, sagte in seiner Begrüßungsrede als Organisator: „Wir müssen das Tempo anziehen und die Energiewende zur Chefsache von Bundeskanzlerin Angela Merkel machen. Wir begreifen das Energieforum als Denkfabrik, die jährlich stattfinden soll, und die Fragen stellen will.“ Darauf solle die Bundesregierung dann antworten und in den kommenden Jahren solle überprüft werden, ob die Energiewende wirklich vorankomme. „Wir haben nur noch maximal 10 Jahre Zeit, um aus der Atomenergie auzusteigen, aber im vergangen Jahr hat sich kaum etwas bewegt“, kritisierte Bunsen. Er erwarte, dass das Bundeswirtschaftsministerium ohne Kompetenzstreitigkeiten mit der Umsetzung der Energiewende beauftragt werde. Schirmherr des Ostdeutschen Energieforums ist Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler, der aber seine Teilnahme absagen musste.

„Man hat das Gefühl, dass heutzutage in Deutschland alle gegen alles sind“, so Bunsen weiter. Man könne nicht gleichzeitig gegen die Atomenergie sein, was nationaler Konsens sei, aber gleichzeitig auch den dringend notwendigen Netzausbau verteufeln. „Wir müssen die Energiewende gemeinsam anpacken und im Konsens umsetzen“, so Bunsen weiter. Pikant: Vor dem Congress Center Leipzig hatten heute morgen vor Beginn des Forums Umweltverbände, darunter Greenpeace, für eine andere Energiepolitik demonstriert. Kern der Demonstrationen, denen sich auch Bündnis 90/Die Grünen aus Ostdeutschland anschlossen: Bis 2030 solle es in Ostdeutschland auch gelingen, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Dabei verwiesen die Kritiker vor allem auf den schlechten Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken. Momentan ist die Kohlekraft in Ostdeutschland mit Vattenfall und MIBRAG noch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Im Ostdeutschen Energieforum wird über die Kohle, als „Eckpfeiler der ostdeutschen Energiepolitik“ diskutiert.

Dr. Bernhard Heitzer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, vertrat Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler beim Ostdeutschen Energieforum. „Ich bin sehr erfreut, dass hier eine wirklich wichtige energiepolitische Tagung ins Leben gerufen wird“, so Heitzer. Es gebe kein anderes Projekt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte, bei dem eine Bundesregierung so viele Maßnahmen auf den Weg gebracht habe, sagte Heitzer und reagierte damit auch auf die Kritik von Hartmut Bunsen, es habe sich im vergangenen Jahr kaum etwas bewegt. „Ich kann Ihnen versichern, die Bundesregierung bringt die Energiewende mit Vernunft und Augenmaß voran“, sagte Heitzer. Ende dieses Jahres wird ein Monitoringbericht vorgelegt. „In den fünf Kernbereichen Netzausbau, Kraftwerksneubau, Energieeffizienz, Erneuerbare Energie und Energieforschung hat die Bundesregierung umfangreiche Maßnahmenbündel beschlossen.“ Beispielhaft nannte er die KWK-Novelle oder das Energieforschungsprogramm. „Im Monatsrhythmus kommen neue Maßnahmen hinzu.“

Gleichzeitig warnte Heitzer vor übertriebenen Erwartungen. Die Energiewende sei kein Projekt für wenige Monate, sondern für 40 Jahre bis ins Jahr 2050. Ökonomische Vernunft müsse auch im Solarsektor die Richtschnur sein. Heitzer kritisierte, die F&E-Quote in der Solarbranche liege lediglich bei 2,5 Prozent.Dies  sei zu wenig und müsse gesteigert werden, so der Staatssekretär sinngemäß.

Nedim Cen: Photovoltaik spielt wichtige Rolle bei der Energiewende

Nedim Cen, Vorstandsvorsitzender des in Schieflage geratenen Photolltaik-Unternehmens Q-Cells, stellte anschließend Thesen vor und begründete diese höchst sachlich und teilweise aus Sicht der klassischen Energiewirtschaft. „Die zunehmende Dezentralisierung der Energieversorgung ist unaufhaltsam und notwendig“, so Cen in seinem Vortrag beim Ostdeutschen Energieforum. Doch der Strukturwandel könne nur im Miteinander erfolgreich gelingen. Cen ging auch auf den Merit-Order-Effekt ein, der zugleich mit Stolz und mit Sorge betrachtet werden könne. „Dank des Angebots von Solarstrom zu Spitzenlastzeiten in den Mittagsstunden, sinkt der Börsenstrompreis genau dann erheblich, wenn besonders viel Strom gebraucht wird“, so Cen.

Dies mache die Solarbranche durchaus stolz. Problematisch sei es aber, wenn dadurch beispielsweise Gaskraftwerke nicht mehr rentabel betrieben werden und der Bau nicht finanzierbar werden würde. Dazu merkte der Manager an, gerade stromintensive Großunternehmen würden sich oft den Strom von der Börse holen und damit von den geringeren Kosten profitieren. Und das, obwohl dieser Teil der Industrie gleichzeitig von Netzentgelten befreit sei.

„Photovoltaik und Windenergie ergänzen sich überall auf der Welt nahezu perfekt“, sagte Cen. „Wir müssen aber den intelligenten Mix finden, damit wir die technische und finanzielle Herausforderung der Energiewende bewältigen können.“ Als eine der größten Aufgaben bezeichnete der Q-Cells-Manager es, ein Umdenken in den Köpfen herbeizuführen. Gräben zwischen fossilen und erneurbaren Energien dürften nicht so tief bleiben, wie sie jetzt schienen. Onshore gegen Offshore-Windenergie oder Photovoltaik gegen Biogas – das könne nicht funktionieren. „Der Strukturwandel kann nur im Miteinander aller Akteure gelingen“, lautete Cens zweite These folgerichtig.

Zuletzt betonte Cen in seiner dritten These, die erneuerbaren Energien böten den etablierten Energieversorgern große Chancen, verlangten aber deren Initiative. „Die Frage ist nun, werden neue Unternehmen sein, die etwa Themen wie Solar-Leasing zum Erfolg führen oder sind es die etablierten großen Player wie die Telekom?“ den Großkonzernen böten sich insgesamt viele Vorteile, etwa bei der Finanzierung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien.

„Meistens beginnt es mit Banalitäten“ – Prof. Klaus Töpfer beim Energieforum

Der Exekutivdirektor des IASS Institute for Advanced Sustainability Studies und frühere Umweltminister Klaus Töpfer sagte in seinem Redebeitrag, der zum Teil launischen Höhepunkt des ersten Tages avancierte, Energiewende bedeute für ihn immer dreierlei: Strom, Wärme und Mobilität so zu gestalten, dass es sauber, zukunftsfähig und nachhaltig sei. Dabei dürfe nicht immer nur vom Ende her gedacht werden: „Das Smart Grid in seiner Endausbaaustufe brauchen wir, keine Frage. Aber das hinzubekommen ist keine Aufgabe von Monaten, sondern von Jahrzehnten“, so Töpfer. Daher gehe es kaum noch um Stabilität, sondern vielmehr um Kreativität auch kleine Lösungen zu denken, die etwas das Energiespeicherproblem beheben könnten. Als Beispiel nannte Töpfer ein Gespräch mit einer großen Handelskette, die in der Lage wäre, alle Kühltruhen um zwei Grad nach oben oder nach unten zu fahren. Dadurch ließen sich immense Mengen Strom speichern.

„Ich bin sehr auch an den kleinen Lösungen interessiert“, so Töpfer. „Das mögen zwar teilweise banale Beispiele gewesen sein, die ich nannte und wofür ich mich im Grunde entschuldigen müsste, aber meistens beginnt ein neues Zeitalter mit Banalität.“ In diesem Sinne sei es wichtig, eben auch die kleinen Dinge wie lokale Smart Grids umzusetzen, die das große Ziel des übergreifenden Smart Grids nicht behinderten.

Wirtschaftsvertreter diskutieren über die Energiewende

Bis Freitag Nachmittag werden beim Ostdeutschen Energieforum u.a. der Vorstandsvorsitzende von Q-Cells, Dr. Nedim Cen, und das Vorstandsmitglied der Verbundnetz Gas AG, Dr. Claus-Dieter Barbknecht sowie Gabriele Riedmann de Trinidad, Vice President Strategic Market Energy der T-Systems International GmbH, als Referenten auftreten. Dabei sind auch Prof. Dr. Klaus Töpfer und Dr. Ingo Luge, Vorstandsvorsitzender der E.ON Energie AG. Dabei sind auch Vertreter von BMW, Schueco, Porsche, Viessmann oder VERBIO.

CleanThinking.de, Unterstützer des Ostdeutschen Energieforums, wird diesen Beitrag im Laufe des Tages mehrfach aktualisieren und gleichzeitig via Twitter unter dem Hashtag #OE12 live berichten. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag Ostdeutsche Energieexperten fordern Antworten zur Energiewende.

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