Evolution statt Revolution: Warum die Energiewende in vollem Gange ist

Welche vier Megatrends die Entwicklung unumkehrbar machen / Energiewende folgt marktwirtschaftlichen Gesetzen

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cleanthinking_logo_300dpiEnergiewende ist ein Begriff aus den 70er Jahren, der oft sehr einseitig definiert wird: Raus aus Atomenergie, rein in Erneuerbare Energien. Doch dieses „Raus-Rein-Spielchen“ hat mit Energiewende genauso viel zu tun, wie ein einzelnes kleines Wasserkraftwerk Blue Freedom von Aquakin: Das „Raus-Rin-Spielchen“ ist lediglich ein Teil der Energiewende, des Energiewandels, das in der öffentlichen Debatte viel zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Denn während der großspurige Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland aus politischen Gründen ins Stocken geraten ist, ist das, was man übergreifend als Energiewende bezeichnen kann, in vollem Gange. „Eines Tages werden wir aufwachen, und das Stromnetz wird auf ein dezentrales System aus Millionen kleiner Verbraucher umgestellt sein“, könnte man sagen. In den kommenden 15 Jahren, wird es geschehen.

Energiewende ist im Kern das Zusammenwachsen der Branchen IT, Unterhaltungselektronik, Gebäudetechnik, Auto und Energie, das unaufhaltsamen globalen Trends auf Basis marktwirtschaftlicher Kriterien folgt.

Vier Megatrends machen diese Entwicklung unumkehrbar:

  • Kostendegression bei Photovoltaikmodulen[1] und Stromspeichern[2]
  • Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets
  • Etablierung der Elektromobilität im kommenden Jahrzehnt[3]
  • Nachfragesteuerung (Demand Response) wird durch Smart Homes, virtuelle Kraftwerke und das Internet der Dinge realisiert

[1] Die Preise für Solarstrom kennen seit zwei Jahrzehnten nur eine Richtung. Sie sinken. Über 90 Prozent sind die Kosten pro installierter Kilowattstunde Sonnenleistung in den letzten 25 Jahren gefallen. Und die Experten der Deutschen Bank erwarten, dass die Preise bis 2020 noch einmal um 40 Prozent nachgeben werden. Erst kürzlich hat die Agora Energiewende eine Studie veröffentlicht, nach der sich die Produktionskosten für Sonnenstrom in Mittel- und Südeuropa auf 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde verringern, bis 2050 sogar auf 2 bis 4 Cent. Bis 2025 wird Solarstrom in sonnigen Regionen der Welt billiger als Kohle- oder Gasstrom sein.

[2] Nach einer Analyse des Bundesverbandes Solarwirtschaft zahlten Verbraucher für Solarspeicher Ende 2014 über 25 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Preissturz bei Batterien könnte noch rasanter verlaufen als bei der Solarenergie.

[3] Hierzu hat Tony Seba in seinem Buch „Clean Disruption“ die Entwicklung perfekt aufgezeigt.

Die Entwicklung geht derzeit so schnell voran, dass auch weitere Aspekte eine entscheidende Rolle spielen könnten:

  • Zur ISH in Frankfurt kommende Woche stellen die ersten Hersteller wie etwa Honeywell Lösungen vor, mit denen das Smart Home via Smartwatch gesteuert werden kann. Das wird nicht nur den Sinn der Wearables erhöhen, sondern wiederum die Steuerfreudigkeit der Endverbraucher in ihrer Wohnung oder ihrem Haus mächtig ankurbeln.
  • Sensoren über alles: Sensoren werden in einem rasanten Tempo günstiger und intelligenter, was eine wichtige Entwicklung darstellt. Cleantech sind Sensoren dann, wenn sie mehrere Dinge auf einmal messen oder vor Gefahren warnen können. Je kleiner und selbstverständlicher die Sensoren sind – etwa integrierte Sensoren in Türen oder Fenster oder sogar in LEDs integriert – umso realistischer wird das Smart Home.
  • Energieversorger beginnen Kooperationen mit Unternehmen wie Caterva, die das Thema Speicherung Zuhause intelligent mit der Notwendigkeit zur Speicherung zu viel erneuerbarer Energien wird. Uns sind mehrere Stadtwerke namentlich bekannt, die über Lösungen nachdenken, bei denen Stromspeicher in die Keller ganzer Stadtviertel gestellt werden. Ziel: Überschüssige Energie aus Windkraftanlagen, die sonst verloren würde, zwischenspeichern und dezentral verbrauchen.
  • An der LED führt im Lichtsektor längst kein Weg mehr vorbei. Die Einsparpotenziale sind gigantisch.
  • Autonomes Fahren und viele andere Entwicklungen beschleunigen den Umbau der Gesellschaft hin zu Smart Cities, Smart Buildings etc.

Fazit: Die Liste der Entwicklungen, die in der Summe zu einem radikalen Umbruch im Hinblick auf Digitalisierung und Dezentralisierung führen, ist immens. All diese Entwicklungen gehen derzeit Hand in Hand, weil sie marktwirtschaftlich geprägt sind. Sie basieren nicht auf Entscheidungen der Politik, sondern auf der Erkenntnis von Google, Apple, Tesla, Honeywell, Bosch und Co., wie die Entwicklung sein wird, und das darin gigantische Zukunftsmärkte lauern.

In 15 Jahren wird der Umbruch in Deutschland und teilweise auch global bewältigt sein. In Deutschland wird man von einer Evolution sprechen, global von einer Revolution. Lassen Sie sich nicht von denen ins Boxhorn jagen, die behaupten, es würde diese Entwicklungen nicht geben. Entscheiden Sie heute, an welchen Stellen der aufgezeigten Entwicklungen Sie partizipieren und Ihr Know-How einbringen können.

Wir von CleanThinking.de bzw. Cleantech Media haben das getan und werden deshalb u.a. ein Projekt namens „Nebenkostenbremse“ ins Leben rufen. Seien Sie gespannt und bleiben Sie neugierig!

7 Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Jendrischik,

    auch hier möchte ich mich für Ihren tollen Beitrag bedanken.

    Natürlich geht kein Weg an der Energiewende vorbei, weil sie nicht mehr umkehrbar und im vollen Gange ist. Das Umkehren hätte nun desaströse wirtschaftliche aber auch umweltpolitische Konsequenzen.

    Jeder, der die Energiewende verleugnet oder aufhalten möchte, wird nicht lange Erfolg haben.

    Meiner Meinung nach könnte die Energiewende zusätzlich, durch das Informieren der breiten Masse, wie Sie es tun, beschleunigt werden.

    Lieben Gruß

    Ulf

  • Hen Schütz

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    vor langer Zeit bat ich um Hinzufügung des Veröffentlichungsdatums zu Ihren Informationen.
    Bei der Erstveröffentlichung finde ich kein Datum, ebenso bei den Links zu älteren Artikeln suche ich vergeblich. Es ist doch nicht schwierig, korrekt zu informieren — das Datum gehört dazu!
    Danke für die in Zukunft mit übermittelten Erstveröffentlichungsdaten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hen Schütz

  • Sehr geehrter Herr Jendrischik,

    wie es der Zufall will bin ich als einer der Initiatoren von Blue Freedom über diesen Beitrag gestoßen.

    Der Artikel ist doch hoffentlich nur ein schlechter, verfrühter Aprilscherz?

    Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass die Energiewende durch die Wirtschaft stark vorangetrieben wird.

    Aber ist es wirklich gut, deshalb vom Aktiven ins Passive zu wechseln und getreu dem Motto „Google wird es schon richten.“ zu verfahren?

    Ich persönlich schätze den Einsatz eines jeden einzelnen Menschen für mehr Umweltbewusstsein, umweltfreundlichere Wege der Energieerzeugung und globale Energieverfügbarkeit.

    Meinen Sie beispielsweise alles Ernstes, dass die aktuell etwa 1,2 Milliarden ohne elektrischen Strom lebenden Menschen dieser Welt ebenfalls von Großkonzernen versorgt werden? Wollen Sie wirklich alle Verantwortung an andere abgeben und selbst nur „partizipieren“?

    Unser Projekt Blue Freedom will langfristig genau dieses Problem gemeinsam mit internationalen Hilfsorganisationen angehen.

    Finden Sie es tatsächlich fair, sich über zu viel mediale Aufmerksamkeit für unser Projekt zu beklagen?

    Über Ihre Antwort und gegebenenfalls Ihre Ausbesserung im Artikel würde ich mich sehr freuen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Benedict Padberg

    • Sehr geehrter Herr Padberg,

      ich weiß nicht, wie Sie auf die Idee kommen, ich würde mich über irgendetwas im Zusammenhang mit Blue Freedom beschweren. Was verleitet Sie denn zu dieser Aussage? Ich sage lediglich, dass die Entwicklungen, die auch durch Großkonzerne ausgelöst werden, für die Veränderungen sorgen, die wir so lange erwartet haben. Die Cleantech-Revolution. Von „Google wird es schon richten“, habe ich ebenfalls nicht gesprochen. Blue Freedom ist darin ein kleines Rädchen – was ist daran verwerflich, dies zu sagen?

      Ich kritisiere die veröffentliche Meinung sowie die oft politische Meinung, in der es heißt, Energiewende würde nur „Rein in Erneuerbare und raus aus Atom“ bedeuten – das ist viel zu kurz gedacht und löst nur marginale Probleme.

      Herzliche Grüße, Martin Jendrischik

      • Wolfgang Meyer

        Lieber Herr Jendrischek,
        sicher-preiswerte Redox-flow Speicher sind ein wichtiges Modul einer Energiewende. Doch bedenken Sie, dass die PV und Windenergietechniken
        vergangene Technologien sind! Die Zukunft ist die Raumenergie, die Tesla schon vor mehr als 100 Jahren entwickelt hat, zZt. baut man den QEG nach, der schon ca. 120 Jahre alt ist. Weltweit gibt es doch Hunderte von Entwicklungen der freien Energie-von Turtur bis Tesla, Bedini, der Keppe-Motor, neueste Magnetmotor-Entwicklungen, Anti-Gravity und…und..!
        Weshalb ignorieren Sie all diese leicht verifizierbaren Techniken?
        Schauen Sie sich die neuesten Filme des Ehepaars Foster Gamble an, die freie Energie ist längst Realität! Wer verbietet Ihnen eine aktuelle fachliche Recherche? Bitte um Antwort an Wolfgang Meyer
        Dipl.-Ing. Anlagen-und Betr.-technik, Dipl,-Ing.(TU)
        Hamburg 22113 Tel: 040-27805353
        Ps: Fragen Sie doch auch Dr. H.Eck in München von den Energonauten!

        • Lieber Herr Meier,

          mir verbietet keiner irgendeine Recherche. Verschwörungstheorien sind hier Fehl am Platze. Liefern Sie doch verifizierbare Fakten und Stories, dann berichten wir ggf. darüber. Bis dahin sind PV und Windenergie die Gegenwart und die Zukunft.

          Herzliche Grüße, Martin Jendrischik

    • Lieber Herr Jendrischik,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Ihre Klarstellung, dass Sie Blue Freedom als einen Teil der Energiewende sehen.

      Durch Ihre Aussage, dass Blue Freedom aktuell eine zu große mediale Aufmerksamkeit erziele, bin ich von einer Beschwerde hierüber durch Sie ausgegangen.

      Ich danke Ihnen ebenfalls für Ihre kleinen Ausbesserungen zur Klarstellung Ihrer Aussagen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Benedict Padberg

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