Firmenporträt crystalsol: Solar-Unternehmen aus Österreich setzt auf CZTS Halbleiter
Die Photovoltaik-Branche in Österreich ist nicht sehr ausgeprägt. Umso erstaunlicher ist es, wie viel Aufsehen ein junges Start-Up-Unternehmen derzeit in der Branche genießt, das in einigen Jahren mit einer völlig neuen Art der Solarzellen auf den Markt kommen will. “Wir verbinden die Vorteile der kristallinen Technologie und der Dünnschichtsysteme miteinander”, verspricht Wolfgang Ressler von crystalsol GmbH im Exklusiv-Interview mit Cleanthinking.de. Was er und seine Mitstreiter genau vorhaben, erfahren Sie im ausführlichen Firmenporträt der crystalsol mit Sitz in Wien und Tallinn.
Die Technologie, die crystalsol nach und nach zur Serienreife und zur Produktion im kosteneffizienten Rolle-zu-Rolle-Verfahren bringen will, wird seit Jahren von einem Forscherteam an der Universität von Tallinn in Estland vorangetrieben. Ziel ist die Entwicklung von Photovoltaikmodulen auf Basis einer revolutionären, patentierten Technologie, die eine drastische Kostenreduktion ermöglichen soll.
“Sowohl die Zusammensetzung und die Struktur des Halbleitermaterials als auch der Fertigungsprozess sind in dieser Kombination neu und einzigartig”, sagt Wolfgang Ressler: “Und natürlich patentiert!”
crystalsol setzt auf CZTS Halbleiter
crystalsol setzt auf ein einkristallines Halbleiterpulver, das sich aus Kupfer, Zink, Zinn und Sulfoselenid zusammensetzt (CZTS). Dabei stellt jeder Einkristall, der sich in der licht-absorbierenden Schicht befindet, für sich selbst eine winzige Solarzelle dar.
“Dieses so genannte Monokorn wird dann in der Folge in eine Polymermembran eingebracht, daher sprechen wir von einer Monokornmembran”, so Ressler erklärend.
Alle übrigen Bestandteile des Moduls wie Kontakte oder Verkapselung werden von herkömmlichen Photovoltaikmodulen übernommen und weisen keine großen Besonderheiten auf.
Damit liegen die Vorteile der crystalsol-Technologie auf der Hand:
- Geringe Produktionskosten durch günstige Rohstoffe und niedrigen Kapitalbedarf
- Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten durch flexible und leichte Module
- Keine Verfügbarkeitsrisiken durch Vermeidung von Rohstoffen wie Indium, Gallium oder Tellur
- Lange Haltbarkeit durch stabile, einkristalline Halbleiter
Kommt die Entwicklung des Unternehmens so gut voran wie in den letzten Monaten, könnte die Technologie – gerade für gebäudeintegrierte Photovoltaik – bald zum Durchbruch gelangen. Bislang existiert der Prototyp eines Solarmoduls, das im Rolle-zu-Rolle-Verfahren und ohne komplizierte Vakuumtechnologie produktionsfähig gemacht werden soll. “Bis Mitte 2010 wollen wir jeden Produktionsschritt von Handarbeit auf maschinelle Fertigung umstellen, so dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2011 mit der Rolle-zu-Rolle-Anlage erste Module für den Verkauf produzieren können”, hofft Ressler.
Kostenersparnis der Solarmodule: 70 bis 80 Prozent
Ist die Serienfertigung geschafft, könnten die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Modulen um sagenhafte 70 bis 80 Prozent gegenüber heute üblichen Herstellkosten reduziert werden. Bis die Serienfertigung allerdings im Jahr 2011 erreicht ist, setzt das österreichisch-estnische Unternehmen auf Venture Capital: Ende August verkündete das Cleantech Start-Up, dass man eine Seed Finanzierungsrunde mit 2,5 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des Halbleiterpulvers in Estland abgeschlossen habe. Ein Konsortium nordischer Venture Capitalists, Conor Venture Partners und Energy Future Invest, investiert.
“Die Tatsache, dass wir in der jetzigen Lage und noch dazu für eine völlig neue Photovoltaik-Technologie eine derartige Finanzierung erhalten konnten, zeigt die Stärke unseres Teams und das Vertrauen in unser KnowHow “, freute sich Dr. Thomas Badegruber, Managementkollege von Ressler in einer Pressemitteilung.
Badegruber und Ressler arbeiteten zuvor gemeinsam für die Unternehmensberatung McKinsey & Company, ehe sie Prof. Dieter Meissner, heute Managing Director, von seinem wissenschaftlichen Ansatz für Photovoltaikmodule begeisterte. Meissner, der an der TU Tallinn und an der FH Wels lehrt, gilt als Pionier der Monokornmembrane mit mehr als dreißigjähriger Erfahrung im Bereich Photovoltaik. crystalsol gründeten die drei Manager schließlich im Juni 2008 in Estland und im Januar 2009 in Österreich und streben den sukzessiven Aufbau ihres Unternehmens an.
Goldene Zukunft für gebäudeintegrierte Photovoltaik
Sollte crystalsol nur ansatzweise das halten, was derzeit versprochen wird – und ganz ehrlich, es deutet nichts darauf hin, dass es das Team um Wolfgang Ressler nicht schaffen wird – könnte dies ein ganz entscheidender Schritt für die enorm wichtig werdende gebäudeintegrierte Photovoltaik werden.
Die Redaktion von cleanthinking.de wird die spannende Entwicklung von crystalsol mit Argusaugen verfolgen und Sie als Leser auf dem Laufenden halten.

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