Cleantech Firmenporträt: Intelligente Funksensoren von EnOcean verbessern Gebäudeenergieeffizienz
Cleantech Inside – dieses Label ist für kaum eine andere Technologie aus Deutschland so treffend wie für die der EnOcean GmbH. Das Unternehmen aus Oberhaching bei München – einst als Spin-Off aus der Forschungsabteilung der Siemens AG hervorgegangen – hat eine unspektakulär klingende aber höchst effiziente “batterielose Funktechnologie” entwickelt, die beispielsweise im Gebäudesektor etwa bei Lichtschaltern Anwendung findet.
EnOcean vertreibt und produziert wartungsfreie Funksensorlösungen für den Einsatz in Gebäuden und Industrieanlagen. Das Geniale: Die Funksensoren liefern nicht nur Informationen an eine zentrale Stelle im Gebäude, sondern holen sich den Strom dafür quasi aus der Luft. So können etwa Lichtschalter ohne Verkabelung in den Wänden ihre Aufgabe erfüllen – bei der Betätigung des Schalters entsteht Energie, die dank EnOcean-Technologie dazu genutzt wird, das Funksignal zu übertrage. Die Folge: In modernen Gebäuden können kilometerlange Kabelbahnen eingespart werden.
Viele weitere Anwendungsgebiete für Funksensoren
Doch natürlich machen die Funksensoren von EnOcean noch an vielen anderen Stellen im Gebäude Sinn und greifen etwa in die Hausautomation ein – Ein Funksensor, der am Fenster befestigt ist, kann beispielsweise melden, wenn dieses gekippt oder geöffnet wird. Gleichzeitig erhält die Heizung im Raum ein Signal und wird für die Lüftungszeit ausschaltet.
Unbemerkt vom Menschen können auch Büroräume etwa “merken”, wenn keine Person im Raum ist und in der Zwischenzeit das Licht dimmen beziehungsweise ganz ausschalten. Die Anwendungsszenarien sind unvorstellbar groß.
Grundlegend ist der Gedanke, dass dort, wo Sensoren Messwerte erfassen, sich der Energiezustand verändert. Und genau diese Veränderung des Energiezustandes – sei es durch Temperaturänderungen, oder etwa die Veränderung der Beleuchtungsstärke – setzt Energie frei, die dafür genutzt wird, Funksignale über eine Entfernung von bis zu 30 Meter im Gebäude und bis zu 300 Metern im Freien übertragen.
Basierend auf diesem Grundwissen, hat EnOcean drei Schlüsseltechnologien intelligent miteinander verzahnt:
- Energiewandler (Energy Harvesting): Das Gewinnen von Energie aus der Umgebung
- Energiemanagement & Funktechnologie: Der Einsatz optimaler Techniken für das Energiemanagement, die gewährleisten, dass die Geräte mit winzigsten Energiemengen funktionieren, um Sensorinformationen per Funk zu übertragen
- intelligente Software-Stacks: Der Einsatz in intelligenten Software-Stacks, die eine modulare, vielseitige und benutzerfreundliche Integration in den Kundenapplikationen erlauben
Das Cleantech-Unternehmen, das bereits sehr viele Auszeichnungen seit seiner Gründung 2001 einsammeln konnte, hält eine große Anzahl an Patenten und hat momentan im Bereich “Batterieloser Funksensorik” so gut wie konkurrenzlos. Kein Wunder, dass es dem Unternehmen Ende 2009 gelang, weitere 8 Millionen Venture Capital einzusammeln. An der Finanzierungsrunde hat unter anderem Wellington Partners. Und auch Siemens Venture ist an dem Unternehmen beteiligt, das seine Eigenentwicklung in die Welt hinaus tragen wird.
“Wir konzentrieren uns derzeit sehr stark auf den Gebäudesektor, weil wir hier zunächst das größte Potenzial für unsere batterielose Funktechnologie sehen”, erzählt Geschäftsführer Markus Brehler im Cleanthinking.de-Interview. “Über unsere OEM-Partner ist unsere Technologie bereits in 100.000 Gebäuden im Einsatz – dazu gehört etwa die Semper Oper in Dresden oder die Firmenzentrale der juwi Holding AG in der Pfalz.”
Angefangen hat 2001 alles, als Siemens sich entschied, die so genannte Knacksensortechnik nicht im eigenen Konzern voranzutreiben – zu viel OEM-Geschäft passte damals nicht ins Portfolio des Konzerns. Also gründeten fünf damalige Siemens-Manager, die nur teilweise mit der Technologie vertraut und mit deren Entwicklung betraut waren, ihr eigenes Unternehmen. Die EnOcean GmbH entstand mit Unterstützung des Inkubators Siemens Technology Accelerator und sollte einen Beitrag dazu leisten, dass der “Ozean ungenutzer Energie” endlich Verwendung finden würde.
Inzwischen macht Enocean kräftige Umsätze: Die Zuwächse liegen jährlich zwischen 60 und 70 Prozent, allerdings noch nicht profitabel. 2008 gab es einen Verlust von 2 Millionen Euro – doch was ist dieser Betrag schon im Vergleich zu anderen Cleantech Startups, die mit mehreren Hundert Millionen Venture Capital vollgepumpt werden und erst dann beginnen, ihre Technologieentwicklung voranzutreiben?
Cleantech Inside für Energieeffizienz von Gebäuden
Cleantech Inside um die Energieeffizienz von Gebäuden auf vielfältige Weise zu verbessern. Die EnOcean GmbH ist auf dem besten Wege, eines der deutschen Cleantech Unternehmen schlechthin zu werden – und sich weltweite Anerkennung zu erarbeiten. Denn bei 100.000 Gebäuden ist nicht nur aus Sicht der Gründer noch lange nicht Schluss…
Weitere Informationen: EnOcean Homepage
Autor: Martin Jendrischik am 28. Jan 2010 13:18, Rubrik: Cleantech Deutschland, Energieeffizienz, Saubere Produkte,
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“Wir konzentrieren uns derzeit sehr stark auf den Gebäudesektor, weil wir hier zunächst das größte Potenzial für unsere batterielose Funktechnologie sehen”, erzählt Geschäftsführer Markus Brehler im Cleanthinking.de-Interview. “Über unsere OEM-Partner ist unsere Technologie bereits in 100.000 Gebäuden im Einsatz – dazu gehört etwa die Semper Oper in Dresden oder die Firmenzentrale der juwi Holding AG in der Pfalz.”



