5 Fragen an… Dr. Ulrich von Deessen, BASF

Interview über die Energiewende, die Nachhaltigkeits-Strategie der BASF sowie Ressourcen- und Energieeffizienz als wirtschaftliche Notwendigkeit

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Cleantech News / Ludwigshafen. Während Siemens, GE oder ABB ihr Produktporfolio medienwirksam auf grüne und saubere Technologien trimmen, ist der Chemiekonzern BASF noch einen Tick zurückhaltender. Doch die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Chemiegigant längst äußérst strenge Richtlinien an Umweltschutz im Unternehmen anlegt. Erst kürzlich gewann BASF den Deutschen CSR-Preis 2012. Und auch das Produktportfolio der BASF entwickelt sich rasant in Richtung „grüne Technologien“: So ist BASF mit der Übernahme von inge und dem Investment in NanoH2O weltweit zu einem der wichtigsten Player im Bereich der Wasseraufbereitung geworden. Gründe genug, um Ihnen einmal Dr. Ulrich von Deessen vorzustellen – er ist Klimaschutzbeauftragter der BASF und Leiter Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Im Interview aus unserer CleanThinking-Rubrik 5 Fragen an… berichtet Deessen über Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie, Wachstumsfelder für nachhaltige Lösungen und die Bedeutung der Energiewende in Deutschland für BASF. Das Interview führte unser Redakteur Dr. Reiner Frey.

CleanThinking.de: Seit wann ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie von BASF?

Dr. Ulrich von Deessen ist Klimaschutzbeauftragter der BASF und Leiter Umwelt, Gesundheit und Sicherheit

Dr. Ulrich von Deessen ist Klimaschutzbeauftragter der BASF und Leiter Umwelt, Gesundheit und Sicherheit

Deessen, BASF: Das gehört schon von Anfang an zum Geschäftsmodell der BASF. In den 1860er-Jahren besaß der Gründer der BASF Friedrich Engelhorn in Mannheim eine Leuchtgasfabrik, in der ein lästiges Abfallprodukt anfiel: Teer. Damit konnte niemand etwas anfangen. Bis Engelhorn auf die Idee kam, daraus Teerfarben herzustellen und sie gewinnbringend zu verkaufen. Kurzerhand gründete er gemeinsam mit anderen eine Chemiefirma – die BASF. Effizienter Umgang mit Ressourcen war also immer ein Thema für BASF.

Und 1866 – gerade einmal ein Jahr nach Unternehmensgründung – wurde der erste Werksarzt bei der BASF eingestellt und damit der erste Werksarzt in Deutschland überhaupt. Unsere Pensionskasse ist älter als das Bismarcksche Rentensystem. Wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung und dem Schutz der Umwelt zu verbinden, hat bei BASF also Tradition. 1988 erschien unser erster Umweltbericht, der erste Unternehmensbericht mit der gemeinsamen Darstellung von Ökonomie-, Ökologie- und Sozialthemen 2003. Seit 2007 veröffentlichen wir einen integrierten Geschäftsbericht. Vor zehn Jahren haben wir als eines der ersten Großunternehmen das Thema Nachhaltigkeit auf höchster Unternehmensebene verankert und einen Nachhaltigkeitsrat geschaffen.

CleanThinking.de: Welche neuen Wachstumsfelder sehen Sie, in denen BASF einen entscheidenden Beitrag zu innovativen und nachhaltigen Lösungen für globale Herausforderungen leisten kann? Welche Rolle spielt dabei China?

Deessen, BASF: Die Weltbevölkerung wächst: 2050 werden rund 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Und schon heute verbraucht die Menschheit mehr, als unser Planet regenerieren kann. Daraus ergeben sich drei große globale Herausforderungen, und zwar die Bereiche „Rohstoffe, Umwelt und Klima“, „Nahrungsmittel und Ernährung“ sowie „Lebensqualität“ der Menschen aller Einkommensschichten. Chemie kann wesentlich dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen – insofern sind es also zugleich Wachstumsfelder für uns.

Beispiel Trinkwasser: Die wachsende Weltbevölkerung und der verbesserte Lebensstandard sorgen außerdem dafür, dass der Bedarf an sauberem Wasser steigt. Er hat sich in den vergangenen 100 Jahren weltweit bereits verzehnfacht. Wir schätzen den Markt im Wachstumsfeld Wasser auf 20 Milliarden Euro, und das Umsatzpotenzial für BASF liegt bei mehr als 800 Millionen Euro. Ein anderes Beispiel: Mehr Menschen brauchen auch mehr Nahrungsmittel, Ackerflächen und Wasservorräte bleiben jedoch begrenzt. Einen wichtigen Beitrag wird die Pflanzenbiotechnologie leisten – eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts.

Oder Mobilität: Mit der Zahl der Menschen erhöht sich auch die Zahl der Autos – vor allem in den Städten. Elektroautos werden bei Mobilitätskonzepten der Zukunft eine wichtige Rolle spielen – und somit auch die Chemie, die unter anderem die entsprechenden innovativen Batteriekonzepte liefert.

Bevölkerung und Wirtschaft wächst besonders stark in den sogenannten Schwellenländern. Sie werden 2020 einen Anteil von mehr als einem Drittel am globalen Bruttoinlandsprodukt haben. In China zum Beispiel wollen breite Bevölkerungsschichten ihren Lebensstandard und ihre Lebensbedingungen verbessern. Ohne Innovationen ist nachhaltiges Wachstum nicht denkbar. Die Bedeutung energiesparender und emissionsmindernder Technologien, wie Elektromobilität, Dämmstoffen oder Katalysatoren ist immens.

CleanThinking: Was ist mit der „We create chemistry“-Strategie der BASF gemeint?

Deessen, BASF: Mit unserer Unternehmensstrategie „We create chemistry“ stellen wir Nachhaltigkeit und Innovationen in das Zentrum unseres Handelns. Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftlicher Imperativ dieses Jahrhunderts. Denn eine wachsende Weltbevölkerung braucht mehr Nahrungsmittel, mehr Energie und Zugang zu sauberem Wasser. Alle Menschen wollen ihre Lebensqualität verbessern. Gleichzeitig werden die Ressourcen knapper. Diese Herausforderungen können wir mit den heute bestehenden Technologien und Geschäftsmodellen noch nicht bewältigen.

Und die Zeit drängt: 2050 werden wie schon erwähnt rund 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Und wir haben nur diese eine Erde. Das bedeutet, dass wir bei unserer Innovationsgeschwindigkeit deutlich zulegen müssen. Unter dem Motto „We create chemistry for a sustainable future“ wollen wir unseren Beitrag dazu leisten.

CleanThinking: Was bedeutet die Energiewende für Deutschland und was tut BASF für die Energie und Mobilität der Zukunft?

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Deessen, BASF: Wir setzen uns für die Nutzung erneuerbarer Energien ein und erforschen und entwickeln Technologien, zum Beispiel in der Windenergie und Solarthermie. Aber noch sind wir weit davon entfernt, dass erneuerbare Energien Menschen und Industrie zuverlässig und bezahlbar mit Strom versorgen. Solange Energiespeicher und Stromnetze in ausreichendem Maßstab fehlen, können erneuerbare Energien die Grundlastkapazität konventioneller Kraftwerke nicht ersetzen. Die von Deutschland im Alleingang beschlossene Energiewende ist somit ein sehr anspruchsvolles Vorhaben. Es ist dringend erforderlich, dass bei dem Umbau der Energiewirtschaft die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Beschäftigungsstandortes Deutschland erhalten bleibt.

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