Achtung: Göttinger EEV AG mit Kapitalanlageprojekten in Schwierigkeiten?

NDR info und HAZ berichten von Zweifeln an Umsetzbarkeit des Offshore-Windparks skua in der Nordsee / Millionenzahlungen wiederholt verschoben

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Die Göttinger Erneuerbare Energie Versorgung AG (EEV) steckt mit zwei Kapitalanlageprojekten in Schwierigkeiten. Nach Recherchen des Radioprogramms NDR Info und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) hat die Firma intern starke Zweifel an der Umsetzbarkeit eines in der Nordsee geplanten Windparks (Skua) formuliert. Zudem mussten wiederholt Millionenzahlungen an einen Gläubiger verschoben werden. Für den geplanten Offshore-Windpark in der Nordsee und ein bestehendes Biomassekraftwerk in Papenburg hat die EEV bislang nach eigenen Angaben mehr als 21 Millionen Euro Anlegergelder eingesammelt.

Hamburg / 30. Juni 2014 (Pressemitteilung des NDR). Im Oktober 2013 bezeichnete die Firma selbst die Realisierung des Windparks Skua als „ausgeschlossen“ und das Projekt als „im Grunde genommen wertlos“, so ein Schreiben der EEV-Anwälte, das der HAZ und NDR Info vorliegt. Adressat war die Etanax Holding, die das Kraftwerk und die Planungen für das Windparkprojekt 2012 an die EEV verkauft hatte. Die Bundeswehr weigert sich seit 2008, das Gebiet im laufenden Genehmigungsverfahren des zuständigen BSH für den Bau von Windkraftanlagen freizugeben, weil Marine und Luftwaffe dort üben. Weder lasse sich das Übungsgebiet verkleinern, noch könne man es gemeinsam nutzen.

Auch eine Verlagerung in andere Gebiete sei nicht möglich, bekräftigte eine Bundeswehrsprecherin jetzt auf Anfrage. Im Kaufvertrag hatte man 2012 bereits festgehalten, dass die EEV „über die militärischen Nutzungen im Projektierungsgebiet der Gesellschaft und die insoweit bestehenden Risiken des Projektfortschritts umfassend informiert“ worden sei und das „Risiko in Kauf“ nehme. Die EEV bezeichnet die Position der Bundeswehr in einer Presseerklärung als nicht haltbar und sieht keine Hindernisse für eine Genehmigung.

Im Genussrechte-Verkaufsprospekt für Anleger erwähnte die EEV das konkrete Risiko nicht. Doch der Prospekt sei für eine Anlageentscheidung maßgebend, sagte Gabriele Schmitz, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. „Risiken, die sich für den Initiator abzeichnen, und die den Erfolg des Projektes in Frage stellen, müssen dort natürlich dargestellt werden. Der Anleger muss ja wissen, worauf er sich einlässt.“ Ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte: „Im Falle eines Prospektfehlers hätten die Anleger, die aufgrund des Prospekts gekauft haben, die Möglichkeit, im Rahmen der sogenannten Prospekthaftung die Rückabwicklung ihres Kaufs zu verlangen.“

Gleichzeitig steht die EEV finanziell unter Druck. Ursprünglich sollte der Kaufpreis von 26,5 Millionen Euro für das Kraftwerk und das Windparkprojekt bereits 2013 vollständig bezahlt sein. Doch laut einem Vertrag aus dem vergangenen Herbst waren noch immer 20,7 Millionen Euro offen. Mehrfach bereits konnte die EEV die Kaufpreisraten für Kraftwerk und Windpark nicht überweisen, weil sie „Schwierigkeiten“ gehabt habe, „ihre Zahlungsziele einzuhalten“, heißt es in dem Vertrag. Der Verkäufer, die Etanax Holding des niedersächsischen Windkraftpioniers Günter Eisenhauer, gewährte nach Streitigkeiten erneut Aufschub, will nun aber zum 30. Juni sechs Millionen Euro und bis Ende 2014 zusätzlich etwa fünf Millionen von der EEV. Die EEV erklärte, die am Montag fällige Rate bezahlen zu können, wollte Fragen zur grundsätzlichen Finanzlage der Firma aber nicht beantworten, weil es sich um „Betriebsinterna“ handele.

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