Intersolar Europe: Anreize für Eigenverbrauch mit PV und Speicher

LichtBlick will Stromspeicher von Einfamilienhausbesitzern intelligent zusammenschließen / Vergütung: Mindestens 100 Euro pro Jahr

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Hinweis: Ich, Martin Jendrischik, bin für die im untenstehenden Text erwähnte E3/DC GmbH als PR-Berater tätig. Mehr dazu in meinem Autorenprofil.

Wenn die Intersolar Europe am morgigen Mittwoch in München die Tore öffnet, wird die Stimmung – wie bereits im Rahmen der Intersolar Europe 2013 – gedrückt sein. Der Grund ist einfach: Die politischen Rahmenbedingungen haben sich für all diejenigen, die mit der Entwicklung und dem Verkauf von Wechselrichtern, Stromspeichern und Photovoltaikanlagen ihr Geld verdienen, erneut verschlechtert – ganz gleich, wie das Gesetzgebungsverfahren rund um das Gabriel-EEG enden wird. Die Qualitätsdebatte über Lithium-Ionen-Batterietechnik, angestoßen vom Karlsruher Institut für Technologie, tut ihr übriges. In anderen Teilen der Welt beginnt der Boom der Solarenergie gerade erst – und immer häufiger wird uns die Frage gestellt, weshalb ausgerechnet mit dem Erreichen der Grid Parity in Deutschland der Ausbau der Solarenergie abgewürgt wird. 

München, 3. Juni 2014. Deutschland ist international eng mit dem Begriff der Energiewende verbunden. Der Umbau der Energieversorgung hin zu einer eher dezentralen, gesteuerten und digitalen Energieversorgung, wird auch durch Gesetze wie das neue EEG nicht zu stoppen sein. Die Zeit ist der größte Erfolgsfaktor der Erneuerbaren Energien – während Kohle, Schiefergas und andere fossile Quellen abnehmen, werden Solarenergie und andere regenerative Energiequellen immer billiger. In Deutschland ist Grid Parity erreicht: Selbst erzeugter und verbrauchter Strom ist billiger als der aus der Steckdose.

Das böse Wort vom „Eigenverbrauch“ ist eng mit der Thematik der Grid Parity verbunden – denn wer einfach nur eine Solaranlage hat, der kann die Quote seines Eigenverbrauchs nicht auf mehr als 30 bis 40 Prozent ausdehnen. Mehr als die Hälfte des Stroms muss nach wie vor teuer vom Energiekonzern gekauft werden. Also macht es Sinn, die selbst produzierte Energie des Tages zwischenzuspeichern und dann zu verbrauchen, wenn die unmittelbar produzierte Energiemenge nicht ausreicht. So lassen sich in einigen Monaten höchste Autarkiegrade erreichen – 73 bis 80 Prozent Eigenverbrauch sind – ohne gezielte Verhaltensänderungen – problemlos machbar.

PV-Eigenverbrauch ist wirtschaftlich

Entwicklung Preis Solarstrom-AnlagenWirtschaftlich betrachtet ist der Nutzen von selbst genutztem PV-Strom ohne Frage sinnvoll: Der durchschnittliche Strompreis liegt in Deutschland derzeit bei 27 Cent je Kilowattstunde – der Preis für Solarstrom vom Hausdach liegt bei 13 Cent je Kilowattstunde. So rechnet sich jede PV-Anlage problemlos, da entweder je Kilowattstunde deutlich Stromkosten eingespart werden oder aber eine Einspeisevergütung von ca. 12 Cent bezogen wird. Der im Stromnetz „zwischengespeicherte“ Strom kostet also vermutlich 15 Cent.

Experten schätzen die Kosten für den Strom, der aus einer PV-Anlage kommt und zunächst im Lithium-Ionen-Stromspeicher zwischengelagert wird, ehe er verbraucht wird, auf rund 27 Cent – das ergibt die Summe aus 13 Cent Produktionskosten und 14 Cent Speicherkosten. So beschreibt es u.a. auch Michael Rentzing im Blog Solar Energy Storage. Dabei ist bei den 27 Cent für zwischengespeicherten Strom eher von Blei-Säure-Batterien als von moderner Lithium-Technik, die auch in der Automobilbranche eingesetzt wird, auszugehen. Hier dürfte der Strom noch teurer sein.

Strom speichern? Weitere Anreize für EFH-Besitzer nötig

Kleine SolarstromspeicherKlar ist: Einfamilienhausbesitzer und kleine Gewerbebetriebe, deren PV-Anlage unter die Bagatellgrenze des neuen EEG fällt, können zusätzliche finanzielle Anreize gebrauchen, damit sich die Kombination aus Photovoltaikanlage und Stromspeicher für sie wirtschaftlich kalkulierbar rechnet. Da kommt ein Angebot des Ökoenergieversorgers LichtBlick, das dieser kurz vor der Intersolar Europe 2014 bekanntgab, gerade recht: Wer über einen Stromspeicher verfügt und bereit ist, einen Vertrag mit LichtBlick als Ökostromversorger abzuschließen, der kann über einen Zusatzvertrag seine Hausbatterie zur Schwarmbatterie machen.

LichtBlick verspricht, die Hausbatterien, ‚intelligent‘ zu machen – über die Energiewende-Plattform SchwarmDirigent sollen Hunderttausende Batterien zu einem großen Schwarm vernetzt werden. So soll ein gigantischer SchwarmStrom-Speicher entstehen. Sinn des Ganzen ist laut Pressemitteilung von LichtBlick: „Der Schwarm von Batterien kann so, intelligent vernetzt und gesteuert Sonnenstrom, der vor Ort produziert und nicht benötigt wird, bei hoher Nachfrage ins Netz einspeisen. Oder zum Beispiel überschüssigen Windstrom aus dem Netz aufnehmen.“

schwarmDirigent von LichtBlickInteressant für Speicherkunden wie Einfamilienhausbesitzer und Vertreter kleiner Gewerbebetriebe: Für die Bereitschaft, sich an das LichtBlick-System anzuschließen, erhält der Kunde pro Jahr einen garantierten SchwarmStrom-Prämie von 100 Euro – so sieht es jedenfalls der SchwarmBatterie-Vertrag vor, den Kunden zusätzlich zum Ökostrom-Vertrag abschließen können. Weitere Chancen zum Geldverdienen bietet (3) des Vergütungs-Paragraphen im LichtBlick-Vertrag: „Dem Kunden steht für die dezentrale Einspeisung gemäß § 18 Stromnetzentgeltverordnung ggfs. die Erstattung von vermiedenen Netznutzungsentgelten durch den Netzbetreiber zu. Diese Erstattung ist nicht Gegenstand dieses Vertrages und nicht von LichtBlick an den Kunden zu zahlen. Gleiches gilt für etwaige Vergütungen nach dem EEG oder KWKG.“

Vermarktung des Stroms als Regelenergie

Und: Wie §5 des Vertrages nahelegt, könnte zusätzlich eine Vergütung hinzukommen, wenn eine Vermarktung überschüssigen Stroms an den Spotmärkten oder auch die Erbringung von Regelenergie möglich werden. Ist eine solche Umsetzung möglich, werden Verhandlungen über einen zusätzlichen Vertrag zwischen den Vertragsparteien aufgenommen.

Das LichtBlick-Konzept und das Vorpreschen zum jetzigen Zeitpunkt soll nur einen Zweck erfüllen: LichtBlick möchte möglichst viele Speicherkunden an sich binden, um durch Zusammenschaltung der Kapazitäten in relevante Größenordnungen zu kommen. Dabei hat LichtBlick den Nachteil, nicht selber Produzent von Stromspeichern zu sein – dafür aber übergreifend an Kunden anderer Batteriehersteller herantreten zu können. Namentlich werden VARTA Storage und Sonnenbatterie als erste Partner hierzu genannt.

Speicher-Hersteller wie Deutsche Energieversorgung („Econamic Grid“) und E3/DC („Store2Market“) gehen mit Konzepten ebenfalls in die Richtung virtueller Kraftwerke. Das ist genau der richtige Schritt, um für Besitzer von Einfamilienhäusern oder KMUs zusätzliche Anreize zur Investition in die Kombination Photovoltaik mit Stromspeicher zu setzen.

Der Fähigkeit Strom sinnvoll zu speichern und damit die Stromnetze punktuell zu entlasten, kommt im Zuge der Energiewende eine immer größere Bedeutung zu. Gezielte Nachfragen im Rahmen der Intersolar zu den genannten Konzepten lohnen sich sicherlich…

(Bildquelle: solarwirtschaft.de (2) / LichtBlick AG)

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