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Cleantech-Interview mit Sicco Westra von Sunfilm AG: “Die Welt ist unser Markt!”

04/03/2010 08:01 0 Kommentare

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Gebäude Sunfilm AGAuf dem Weg zur Sunfilm AG in Großröhrsdorf bei Dresden fällt dessen architektonisch herausragendes Gebäude schon von weitem ins Auge: Rot-Töne und ungewöhnliche Formen sind zum Markenzeichen eines sächsischen Produzenten von Dünnschicht-Solarmodulen geworden. Auch das Logo des jungen Unternehmens passt in dieses Bild.

Die Sunfilm AG ging im Mai 2009 aus dem Zusammenschluss mit der Sontor GmbH in Bitterfeld-Wolfen hervor. Beide Unternehmen wurden 2006 gegründet – Sunfilm damals unter anderem vom zentralen Investor Good Energies und die Sontor GmbH als Tochtergesellschaft der Q-Cells. Durch die Fusion der beiden Unternehmen entstand im Mai 2009 der Technologieführer bei Silizium-Tandem-Dünnschicht-Modulen.

Um den Lesern von Cleanthinking.de einen Einblick in das Unternehmen und dessen Technologie zu geben, haben wir mit Dr. Sicco Westra, dem Chief Business Development Officer von Sunfilm, ein Interview geführt.

Cleanthinking.de: Herr Westra, bitte stellen Sie uns die Technologie der Sunfilm AG vor – was genau verbirgt sich hinter der Tandem Junction Thin Film Technologie?

sicco westra Sunfilm AGSicco W. T. Westra: Unsere Technologie verzichtet auf den Einsatz von Wafern, um den photovoltaischen Effekt zu bewirken. Stattdessen erzeugen wir diesen Effekt mit zwei ultradünnen Siliziumschichten; basierend auf einer amorphen und einer mikrokristallinen Schicht. Diese Tandem-Struktur absorbiert das komplette Lichtspektrum: Ein Layer absorbiert vor allem die blauen und grünen Töne (kurze Wellenlängen), der zweite die roten und infraroten Lichtstrahlen. So können wir das Lichtspektrum sehr effektiv nutzen, um Elektrizität zu erzeugen …

Cleanthinking.de: … und welche Vorteile bringt diese Technologie?

Sicco W. T. Westra: Neben der effektiven Nutzung des Lichtspektrums stellt auch die Skalierbarkeit unserer Technologie einen zentralen Vorteil dar. Dieser zeigt sich unter anderem in der Größe der Module von bis zu 220 x 260 cm. Diese Größe ist für die Photovoltaik-Branche quasi einmalig – aus der Sicht der Baubranche sind sie jedoch verhältnismäßig klein. Die Module wirken schwarz und sind sehr ästhetisch. Letztlich ist auch die Materialersparnis absolut signifikant: Wir brauchen ein Hundertstel des Siliziums, das bei gleicher Leistung mit Wafern benötigt würde.

Sunfilm Technologie QuerschnittCleanthinking.de: Wie umweltfreundlich ist Silizium?

Sicco W. T. Westra: Silizium ist ein absolut umweltverträglicher Rohstoff. Silizium wird aus Sand gewonnen und ist überall auf der ganzen Welt verfügbar.

Cleanthinking.de: Wir haben gelernt, dass Ihre Module besonders groß sind und gut skalierbar – welche Kernmärkte haben Sie im Blick?

Sicco W. T. Westra: Ein schon sehr wichtiges Feld sind große Dächer, etwa von Firmen oder öffentlichen Gebäuden. Los geht es bei einer Leistung von einem halben Megawatt.

Ein weiterer wichtiger Markt sind Solarparks, insofern richten wir uns an Projektierer. Außerdem setzen wir aufgrund der Ästhetik unserer Module auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik, die jedoch noch am Anfang steht.

Cleanthinking.de: Wie steht es mit der Effizienz der Module?

Sicco W. T. Westra: Effizienz muss unbedingt differenziert betrachtet werden: Generell spielt dieses Maß als Teil der Performance eines Solarmoduls gerade in der Dünnschicht-Technologie eine geringere Rolle als bei herkömmlichen Modulen mit Wafern.

Denn: Effizienz misst man immer unter Laborsituationen, die es in der realen Welt praktisch nie gibt. So wird der Effizienzwert immer bei direkter Sonneneinstrahlung im rechten Winkel zum Modul ermittelt. Unsere Produkte haben etwa für den deutschen Markt den ganz wichtigen Vorteil, dass sie schon bei diffusem Licht eine hohe Leistung bringen – denn mal ehrlich: wie viele Sonnentage, die mit den Laborbedingungen auch nur ansatzweise vergleichbar sind, haben wir in Deutschland wirklich?

Letztlich ist bei uns die Tageskurve flacher, also die maximale Energieproduktion im Peak ist geringer als bei herkömmlichen Modulen. Morgens und abends liefern unsere Module aber einen deutlich höheren Energieertrag als Wafer-Module. Daher schauen wir vor allem auf die erzielten Wattstunden über den gesamten Tag und zu allen Jahreszeiten – dabei kommt die Stärke unserer Produkte voll zum Tragen.

Cleanthinking.de: In welchen Ländern sind Sie – außerhalb Deutschlands – aktiv?

Sicco W. T. Westra: Wir sind theoretisch überall aktiv, wo es Licht gibt. Insofern gilt: Die Welt ist unser Markt. Aber klar ist, dass wir zunächst die Kostenkurve weiter senken und die Produktionskapazitäten erweitern müssen – bislang sind also vor allem Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und die Tschechische Republik als wichtigste Märkte anzusehen …

Cleanthinking.de: … Sie verbringen einen Teil Ihres Lebens in den USA – wie interessant ist der amerikanische Markt?

Modul Sunfilm AGSicco W. T. Westra, Sunfilm AG: Nun, prinzipiell handelt es sich um einen sehr interessanten Markt. Allerdings haben wir zwei zentrale Herausforderungen zu lösen: Einerseits können die USA aufgrund unterschiedlicher Förderungen oder Gesetze in den einzelnen Staaten kaum als ein Land angesehen werden, sondern eher als 50 Einzelstaaten.

Andererseits sind die Zertifizierungsverfahren in Europa und den USA zwar sehr ähnlich – trotzdem werden europäische Zertifizierungen in den USA nicht akzeptiert. Wir arbeiten gerade daran, die amerikanische Zertifizierungs-Prozedur zu durchlaufen.

Cleanthinking.de: Welche Unternehmen aus dem Dünnschicht-Bereich sehen Sie als wichtigste Konkurrenten?

Sicco W. T. Westra: Wettbewerber? Das Wort Wettbewerber kenne ich nicht (lacht).
Nein, im Ernst: Ich denke, dass wir unbedingt den Anteil der Sonnenenergie an der Gesamt-Stromerzeugung, der oft noch bei 1 oder 2 Prozent liegt, erhöhen müssen. Dafür benötigen wir meines Erachtens jede gute Technologie, insofern sehen wir eher die Erzeuger fossiler Energie als Konkurrenz und weniger andere Solarunternehmen. Im Bereich Solarenergie ist Platz für jede dieser Technologien.

Cleanthinking.de: Derzeit herrscht bei Ihnen Kurzarbeit – wann geht es weiter?

Sicco W. T. Westra: Wir arbeiten im Moment mit Hochdruck daran, diesen unbefriedigenden Zustand so schnell es geht zu beseitigen. Dafür ist unter anderem das Wetter eine wichtige Voraussetzung. In der Zwischenzeit kümmern wir uns darum, die dritte Produktionslinie in Betrieb zu nehmen, damit wir unsere Produktionskapazität insgesamt auf 145 MWp (120 MWp in Großröhrsdorf, 25 MWp in Thalheim; Anm. d. Red.) erhöhen können.

Herr Westra, vielen Dank für das offene Gespräch. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrer innovativen Solarmodul-Technologie.

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