Thüringens Wirtschaftsminister Machnig im Cleantech-Interview: "Die ThEGA wird das zentrale Greentech-Kompetenzzentrum"
Ende Juni gründete der Freistaat Thüringen mit der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur ThEGA eine eigenständige, regionale Energieagentur, um die Akteure aus Wirtschaft, Hochschulen, Verbänden, Landkreisen und Kommunen im Sinne von Greentech zusammenzubringen (Cleanthinking.de berichtete). Cleanthinking.de-Chefredakteur Martin Jendrischik wollte vom thüringischen SPD-Wirtschaftsminister Matthias Machnig u.a. wissen, wie er Greentech im Verhältnis zu Cleantech definiert, welche Ziele die ThEGA verfolgt und ob nicht eine bundesländerübergreifende Kräftebündelung sinnvoll sein könnte.
Cleanthinking.de: Sehr geehrter Herr Machnig- wie kam es zu der Idee, die Thüringer Energie- und Greentech-Agentur (ThEGA) ins Leben zu rufen?
Wirtschaftsminister Machning: Zu den wichtigsten Leitmärkten der Zukunft gehören die Erneuerbare-Energien-Branche, die Energieeffizienz, die Rohstoff- und Materialeffizienz und die Recyclingwirtschaft. Hier liegen große Potenziale für Unternehmen. Die industrie- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung der Greentech-Branche wird weiter wachsen. Deutschland ist im Bereich Greentech Weltmarktführer und muss die gigantischen Potenziale für Wachstum und Beschäftigung nutzen. Über 300 000 Menschen arbeiten heute allein innerhalb der Erneuerbaren-Energien-Branche.
Nach den Prognosen verschiedenster Forschungsinstitute können wir in Deutschland bis 2020 mit bis zu 2 Millionen neuen Jobs im Bereich der Grünen Technologien rechnen. Daran knüpfen wir an. Mit der ThEGA schaffen wir ein Instrument, das Thüringen zum „Grünen Motor Deutschlands“ und damit zum Vorreiter für grünes Wachstum machen wird.
Cleanthinking.de: Wir sind ein Cleantech-Wirtschaftsmagazin – wir meinen damit alle Technologien, Produkte usw. die die Ressourcen schonen und Energie effizienter verbrauchen. Wie definieren Sie im Kontrast dazu „Greentech“?
Wirtschaftsminister Machning: Unter Greentech verstehen wir ein Querschnittsfeld, das sich in sechs wesentliche Leitmärkte unterteilt: Dazu zählt erstens die Erzeugung von Strom und Wärme durch Erneuerbare Energien, die Energieeffizienz und die Verringerung von Emissionen. Zweites die Durchsetzung einer nachhaltigen Mobilität z.B. über die Umstellung auf Elektroautos. Dann gibt es die Leitmärkte im Bereich der Rohstoff- und Materialeffizienz.
Schließlich spielen Recycling-Technologien, die die Vermeidung, Wiederverwertung und nachhaltige Entsorgung zum Ziel haben, eine wichtige Rolle. Hier hat Deutschland bereits einen Weltmarktanteil von gut 30 Prozent. Und zu guter Letzt steht das Thema einer nachhaltigen Wasserwirtschaft auf der Agenda, bei dem es z.B. um effiziente Wassernutzung geht.
Cleanthinking.de: Was sind denn, ganz konkret, die Ziele der neuen Agentur für Energie und Greentech?
Wirtschaftsminister Machning: Die ThEGA wird das zentrale Greentech-Kompetenzzentrum sein. Sie soll die Akteure aus Wirtschaft, Hochschulen, Verbänden, Landkreisen und Kommunen zusammenbringen und deren Aktivitäten bündeln, sie soll FuE-Projekte unterstützen, über Förderungen beraten usw.
In 2011 werden wir ein Demonstrationszentrum (ThEGAZ) - das Schaufenster der ThEGA – einrichten, das die Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.
Cleanthinking.de: Welche Voraussetzungen bringt die Thüringer Wirtschaft mit?
Wirtschaftsminister Machning: Die Voraussetzungen im Freistaat sind gut: Thüringer Unternehmen sind auf nahezu allen Greentech-Leitmärkten vertreten. Das Produkt- und Leistungsspektrum ist dabei oftmals über mehrere Branchen und Technologiefelder verteilt. Derzeit können etwa 450 Unternehmen und wirtschaftsnahe Dienstleister dem Bereich der Umwelttechnologien zugeordnet werden. Sie erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von etwa 2 Milliarden Euro und beschäftigen mehr als 15.000 Arbeitnehmer.
Der Hauptanteil am Umsatz dieser Querschnittsbranche entfällt auf über 250 Unternehmen mit knapp 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz. Umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung, Material- und Rohstoffeffizienz und die Kreislaufwirtschaft spielen dabei die größte Rolle. Als wichtige Säule der Thüringer Wirtschaft haben sich die Solarunternehmen mit rund 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Euro etabliert.
Cleanthinking.de: Sie wollen die Kräfte in den Bereichen Energieeffizienz, Greentech usw. bündeln – gab es bislang keine Stelle, die dies leisten konnte?
Wirtschaftsminister Machning: Nein. Die ThEGA ist die erste Einrichtung in Thüringen, die diese Aktivitäten bündelt und voranbringt.
Cleanthinking.de: Teilweise liest sich die Beschreibung der ThEGA wie eine neue Energieagentur, wie es sie mit der DENA in einigen Regionen bereits gibt – wie grenzt sich die ThEGA etwa von der Sächsischen Energieagentur SAENA also einer regionalen Energieagentur ab?
Wirtschaftsminister Machning: Die ThEGA ist eine regionale Energieagentur, sie agiert für die Thüringer Wirtschaft. Sie soll dafür sorgen, dass sich unsere Unternehmen die grünen Leitmärkte in- und außerhalb des Freistaats erschließen und sich im Bereich Greentech weiterentwickeln können.
Cleanthinking.de: Sie wollen jede Menge Fördergelder „verteilen“ – in welche Projekte ist schon Geld geflossen bzw. nach welchen Kriterien wird investiert werden?
Wirtschaftsminister Machning: Wir haben zusätzliche Haushaltsmittel bereit gestellt u.a. für das 1000-Dächer-Photovolthaik-Programm, das Kommunen und öffentliche Einrichtungen Zuschüsse für die Errichtung von Solaranlagen gibt. Auch die ThEGA wird aus Haushaltsmitteln finanziert, ebenso ein Energieeffizienzprogramm für kleine und mittlere Unternehmen.
Und zweitens werden wir vorhandene Förderinstrumente um das Themenfeld Greentech erweitern, die aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln finanziert werden.
Cleanthinking.de: In den nächsten Monaten soll die ThEGA mit fünf oder mehr Personen besetzt werden. Gibt es schon Gespräche mit potenziellen Geschäftsführern?
Wirtschaftsminister Machning: Die Gespräche sind im Gange.
Cleanthinking.de: Warum soll es ausgerechnet eine Thüringische Initiative richten: Wäre nicht der gesamte mitteldeutsche Raum geeignet, die Kräfte im Sinne von Clean Tech zu bündeln?
Wirtschaftsminister Machning: Als Thüringer Wirtschaftsminister muss ich zuerst einmal dafür sorgen, dass sich die Thüringer Wirtschaft die grünen Leitmärkte erschließen kann. Darin möchte ich unsere Unternehmen unterstützen und die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten.
Vielen Dank Herr Machnig für dieses ausführliche Interview. Wir freuen uns, wenn Sie uns in Zukunft über Erfolge, Taten, Förderungen und Personalentscheidungen der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur auf dem Laufenden halten.
