Masdar PV: Richtfest in Ichtershausen

Ichtershausen, genauer gesagt, das neue Gewerbegebiet Erfurter Kreuz in der Nähe der thüringischen Landeshauptstat ist Teil eines der spannendsten Zukunftsprojekte weltweit: Masdar City. Dort, nur ein paar Meter von dem Ort entfernt, an dem Bundeskanzlerin Merkel kürzlich den Grundstein für das neue ersol Werk legte, gab es am heutigen Mittwoch die nächste Feierlichkeit zu erleben: Richtfest bei Masdar PV, der Photovoltaik-Tochter der Masdar Initiative, Abu Dhabis Initiative für Zukunftsenergie, initiiert und im Bestz der Mubadala Development Company – und ausgestattet mit 15 Milliarden Dollar.
Einen Teil des Geldes verwendet Masdar PV, um in Ichtershausen eine Fertigungslinie für Amporphe Silizium-Module (a-Si/a-Si) aufzubauen, deren Wirkungsgrad durch die doppelte Beschichtung mindestens zehn Prozent höher sein soll als der eines einfach beschichteten Silizium-Moduls. In den nächsten Tagen werden in Erfurt die Fertigungsanlagen von Applied Materials erwartet – dann endlich, so sagt es auch der Chief Operating Officer Joachim Nell, hat die Planung ein Ende und kann endlich Hand angelegt werden in der Produktionshalle. Im Herbst des Jahres wird dann die Produktion starten und langsam hochfahren: Auf 65 Megawatt Peak zunächst. Gleichzeitig entsteht in Abu Dhabi die noch größere Fertigungshalle für die zweite Produktion, diese soll 2010 beginnen.
Doch all dies ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Öko-City Masdar City zwischen Abu Dhabi und Dubai gelegen, mitten in der Wüste. Dort soll, so wollen es die milliardenschweren Scheichs aus Abu Dhabi. Vorreiter wollen sie werden. Und Superlativen schaffen: Die erste komplett CO2-freie Stadt errichten, ohne Abfälle und Autolärm — Platz genug für 50.000 Wohnungen und das größte Hochhaus der Welt, das sogar Energie produziert. Die Vereinigung der Visionen ist greifbar, wenn man sich Videos ansieht, die im Web zu Masdar City kursieren.

Die Faszination macht aus meiner Sicht weniger die Frage aus, ob die Stadt wirklich in dieser Art aufgebaut werden kann oder ob es doch Schwierigkeiten gibt – viel wichtiger ist die Kernaussage, dass ein Staat, der Milliarden mit der Förderung von Öl verdient hat, nun Vorreiter bei Zukunftstechnologien werden will. Selbst wenn nur einige der Projekte funktionieren – etwa die Öko-Universität, die schon im Herbst die ersten Studenten aufnehmen soll oder eben der Aufbau des größten Windparks und des effizientesten Solarkraftwerks der Welt: Schon dann können sich die Investitionen für die Scheichs und die Welt gelohnt haben.

Masdar PV ist ein Baustein in der faszinierenden Welt der Masdar Initiative — und, dass ausgerechnet Deutschland und Thüringen der Standort für die erste Solarmodul-Fabrik von Masdar ist, dass dort auf deutsche Ingenieurskunst wie die von Dr. Rainer Gegenwart, dem CEO oder die von jachim Nell vertraut wird, zeigt: Noch sind viele deutsche Unternehmen bzw. deren Köpfe weltweit führend, was Cleantech angeht. Doch, neben den USA, kämpfen auch die Scheichs von Abu Dhabi darum, den Deutschen den Rang abzulaufen.
Als heute beim Richtfest der Richtkranz in die Höhe gezogen wurde, kam passend zum Anlass die Sonne hervor. 1.500 Tonnen Stahl, 650 Kubikmeter Mauerwerk und 6800 Kubikmeter Beton haben eine 90 * 150 Meter große Fertigungshalle entstehen lassen, in der in wenigen Wochen ein Teil der Geschichte von Masdar City geschrieben wird. Die Chancen stehen gut, dass Masdar PV sein Ziel erreicht, in den kommenden Jahren schon ein führender Player im Markt für Dünnschicht-Solarmodule zu werden.


13:15
Wirklich ein interessantes Projekt dieses Masdar City dingens – gibt es dazu aktuell noch mehr Infos? Finde zwar ein paar Videos beim googlen aber auch nicht sooo viel mehr…