Living, Energy und Mobility im Fokus der "My Sustainable World" im September in Leipzig
Superschnelle Autos, Tempo ohne Limits, altmodische Verkehrskonzepte, Erdbeeren aus Neuseeland, Stand-by, Industrieprodukte und jede Menge Plastik – der moderne Westeuropäer verbraucht eine Menge Energie, zum Großteil aus endlichen Ressourcen. 52.500 Kilowattstunden laufen so pro Kopf Jahr für Jahr im Durchschnitt auf. Dies entspricht einer kontinuierlichen Leistung von 6.000 Watt für jeden – und einem riesigen CO2-Fußabdruck. Dagegen setzt die 2000-Watt-Gesellschaft aus der Schweiz Leuchttürme der Nachhaltigkeit – mit Green Citys, dem effizienten 2000-Watt-Spital oder modernen Lebens- und Mobilitätskonzepten. Wie sich moderner Lebensstandard und Klimaschutz verbinden, zeigt My Sustainable World vom 23. bis 24. September 2010 im Congress Center der Leipziger Messe. Der Kongress mit Ausstellung vernetzt erstmals die Bereiche Living, Energy und Mobility.
“Ich setzte auf eine Symbiose aus Ökologie und Ökonomie”, betont Roland Stulz, Geschäftsführer Novatlantis – Nachhaltigkeit im ETH-Bereich aus Zürich. Der Mitgründer der 2000-Watt-Gesellschaft in der Schweiz ist Beirat im Themenbereich Living von My Sustainable World. “Wir wissen schon jetzt sehr viel darüber, wie unsere nachhaltige Welt aussehen wird. Auch die Wege dorthin sind bestens bekannt – selbst wenn sie noch lang sind.” Deshalb kreiert und vernetzt die 2000-Watt-Gesellschaft Vorzeigeprojekte für zukunftsfähiges und dennoch bezahlbares Mobilsein, Wohnen, Arbeiten oder Genießen. “Nur wenn wir unsere Zukunft bewusst und nachhaltig gestalten, können wir in einigen Jahrzehnten noch so leben, wie wir es uns wünschen.”
“Unser Ziel ist die Reduktion des Energiebedarfs um den Faktor 3 und des CO2-Ausstoßes um Faktor 8 – auf eine Tonne pro Person und Jahr”, erklärt Stulz. “Dieses Ziel möchten wir in 50 bis 100 Jahren erreicht haben.” Beginnen müsse man sofort: “Jetzt stellen wir die Weichen. Denn 2050 werden wir zum Beispiel in den CO2-neutralen Häusern leben, die wir heute entwerfen und bauen. Wir haben schon einiges erreicht – immerhin brauchen moderne Passivhäuser im Vergleich zu den 1970er-Jahren nur noch ein Zehntel der Energie.”
Zum einem neuen Lifestyle gehören Mobilitätskonzepte, die auf Kollektivlösungen setzen und private Fahrzeuge nahezu überflüssig machen – mit einer geschickten Kombination aus öffentlichem Verkehr, Car Sharing sowie Kleinfahrzeugen mit Chauffeur für die individuelle Fahrt von Haustür zu Haustür. Benutzen statt Besitzen lautet der Grundsatz. “Die beste Investition ist die in Energieeffizienz bei Gebäuden und Fahrten – jede eingesparte Kilowattstunde ist um ein Vielfaches günstiger als jede zu neu zu produzierende.”
Zürich, Genf, Basel und rund 30 weitere Städte und Quartiere sind schon an Bord, wollen als Leuchttürme der Nachhaltigkeit die Zukunft in die Hand nehmen. Zürich hat die Grundsätze der 2000-Watt-Gesellschaft per Volksabstimmung sogar in die Gemeindeordnung aufgenommen – Ja-Stimmen: 76 Prozent. Gleich mehrere Referenzprojekte sind gerade in Bau oder Planung. In drei Jahren soll das 2000-Watt-Spital Triemli an den Start gehen, ein Passiv-Bettenhaus für 400 Millionen Schweizer Franken. Das Kunsthaus und ganze Viertel wie das Richti-Areal und die Green City Sihl-Manegg mit 800 Wohnungen werden auf 2.000 Watt “getrimmt”.
“Je weniger Parkplätze gebraucht werden, desto besser. Im Mietpreis inbegriffen ist ein Generalabonnement für den öffentlichen Verkehr”, so Stulz. Sogar ein namhaftes Versicherungsunternehmen sei interessiert – wolle nachhaltiges Verhalten seiner Kunden honorieren. Im Ergebnis bedeutet dies: Wirtschaftlichkeit müsse neu definiert werden. “Nicht kurzfristig in Monaten oder Wahlperioden, sondern in Lebenszyklen von Produkten, Fahrzeugen, Gebäuden mit allen externen Kosten.”
Global gibt es die 2000-Watt-Gesellschaft schon – aber sehr ungerecht verteilt: Im weltweiten Durchschnitt verbraucht jeder Mensch rund 17.500 Kilowattstunden pro Jahr (entspricht 1.750 Liter Öl), also rund um die Uhr 2.000 Watt. Doch während in den USA mehr als 10.000 Watt pro Person „anliegen“ oder in Europa 6.000 – was 0,6 Litern Öl pro Stunde und 5.250 pro Jahr entspricht – sind es in einigen Ländern Afrikas oder Asiens nur Bruchteile. In Äthiopien zum Beispiel nur 500 Watt. “Unsere Vision bedeutet Annäherung und garantiert Fairness. Alle Erdenbürger treffen sich bei 2.000 Watt”, führt Roland Stulz aus.
Auf Basis innovativer Technik entspreche dies einem Niveau, auf dem jeder nahezu ohne Komfort-Abstriche leben kann. “Die entwickelten Industrienationen helfen den Entwicklungs- und Schwellenländern, eine Abkürzung auf dem Weg zu einem besseren Leben zu beschreiten. Unsere Fehler müssen diese Nationen nicht wiederholen, können sofort auf modernste Technologien, Erneuerbare Energie und Effizienz setzen. Sinnvoll ist beispielsweise der Sprung in die Mobiltelefonie, ohne aufwändige Kabeltelefonnetze in jeden Haushalt.”
Plattform Zukunft
„Die 2000-Watt-Vision eröffnet neue Marktchancen. Gerade in Krisenzeiten sollten Wirtschaft, Politik und Verbraucher in Nachhaltigkeit investieren“, sagt Roland Stulz, der in seiner Leipziger Keynote über das „Entstehen einer nachhaltigen Stadt – Erfahrungen auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft“ berichten wird. „My Sustainable World ist ein Kongress von Machern für Macher, der die Grenzen einzelner Fachbereiche überschreitet und so Neues schafft. Mein Anspruch: In Leipzig entstehen neue Kooperationen und Projekte, treffen Politiker auf Visionäre, Vordenker auf Investoren.“


15:22
Hallo, Ihr sprecht mir so richtig aus der Seele. Oft sind es gerade die kleinen Dinge, bei denen man sich entweder etwas vergibt, oder eine ganze Menge gewinnen kann.
Ein ordentliches Nahverkehrssystem z.B. wäre für mich ein Grund, nicht mit dem Auto fahren zu wollen.
Ich kann aber auch nicht verstehen, weshalb so viele natürliche Rohstoffe, wie z.B. Schafwolle, untergeackert werden, weil die Schafhalter, Schäfer, sie nicht mehr verkaufen können. Die Wollpreise sind so im Keller, dass sie nicht einmal die Kosten für den Schafscherer decken. Stattdessen karren wir die Wolle aus Australien oder Neuseeland an. Es kann mir keiner erzählen, dass das billiger ist, nicht Resourcen verbraucht, die verzichtbar wären und eigene vernichtet.
Ich werde weiter mit meinen Schafwollprojekt in die Schulen gehen, denn letztendlich entscheiden wir mit unserem Konsumverhalten, wie sich unsere Umwelt entwickelt. Ich bin keiner, der sagt, ich verbrauche keine Energie weil ich zur Steinzeit zurück möchte, aber ich bin dafür, dass man haushalten sollte.
Danke für den sehr interessanten Artikel.