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UPDATE: Q-Cells stellt Insolvenzantrag

Solarkonzern Q-Cells wird wohl Anfang kommender Woche Insolvenzantrag stellen / Schwache Hoffnung auf Reduktion des Schuldenbergs

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UPDATE: Montag, 2. April 2012, 14:38 Uhr:
Bitterfeld-Wolfen, 02. April 2012: Die Q-Cells SE wird am Dienstag, den 3. April 2012, Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht Dessau stellen.

Vor dem Hintergrund der letztinstanzlichen Entscheidung des OLG Frankfurt a. M. vom 27. März 2012 im Fall Pfleiderer war das Unternehmen zu der Überzeugung gelangt, dass damit keine Fortführungsprognose mehr gegeben ist.

Nach intensiver Prüfung von alternativen Konzepten zur Umsetzung der Finanzrestrukturierung ist das Management zu der Einschätzung gelangt, dass die Fortführungsprognose für das Unternehmen nicht mit hinreichender rechtlicher Sicherheit wiederhergestellt werden kann. Daher ist die Stellung eines Insolvenzantrags rechtlich geboten.

Die Unternehmensleitung wird gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter daran arbeiten, den Fortbestand des Unternehmens in der Insolvenz sicherzustellen.

Q cells Hauptgebäude4 UPDATE: Q Cells stellt InsolvenzantragCleantech & Energie & Solar News / Bitterfeld-Wolfen. Der einstige Börsenstar Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen – einstmals mit einer Marktkapitalisierung von acht Milliarden Euro bewertet – in Sachsen-Anhalt steht kurz vor der Insolvenz. Grund ist eine Gerichtsentscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt/Oder, das gestern im Fall von Pfleiderer sinngemäß entschieden hatte, dass einige Aktionäre den kompletten Sanierungsplan von Q-Cells blockieren können.

Q-Cells geht nach eigener Einschätzung davon aus, dass das OLG Frankfurt auch im Fall Q-Cells genauso entscheiden würde. Daher prüft Q-Cells – wie gestern angekündigt – Alternativen zum ursprünglich angedachten Sanierungsplan. Eine diskutierte Alternative ist nach Angaben des manager magazins Online, eine Reduktion der Verschuldung über einen Insolvenzantrag. Dieser könnte bereits am Montag oder Dienstag beim zuständigen Amtsgericht Dessau gestellt werden. Mehrere Hundert Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt sind bedroht.

 UPDATE: Q Cells stellt Insolvenzantrag

“Insolvenz in Eigenverwaltung” als Rettungsanker?

“Insolvenz in Eigenverwaltung” lautet die Formel, die den Mitarbeitern und Aktionären von Q-Cells noch Hoffnung machen soll. Mit dieser Form der Insolvenz solle die erdrückende Schuldenlast reduziert und der Weg für den Einstieg chinesischer Investoren frei gemacht werden. Ob der Plan wirklich gelingen kann, ist höchst zweifelhaft. Denn insbesondere das Vertrauen von Zulieferern, Kunden und Mitarbeitern in die Zukunftsfähigkeit von Q-Cells wird weiter schwer beschädigt. In Verbindung mit der ohnehin schwierigen Lage der Solarbranche – die Insolvenzen von Solar Millennium, Solon und Solarhybrid sind bereits Realität – ist kaum mit einer Rettung zu rechnen.

Der Plan – oder letzte Strohhalm – zur Restrukturierung geht so: Die höchst komplizierten Anleihe-Konstruktionen von Q-Cells werden rechtlich nach England verlegt und nach dortigem Recht behandelt. So soll eine erneute Einigung mit den Gläubigern herbeigeführt werden. Anschließend könnte dann ein angeblich interessierter chinesischer Investor bei Q-Cells einsteigen und frisches Geld einbringen.

Der Börsenwert von Q-Cells ist seit Wochen in den Keller gerutscht: Gerade 20 Cent kosten die Anteilsscheine des Cleantech-Konzerns am Freitag noch. Mit dem Insolvenzantrag Anfang kommender Woche, könnte ein weiterer Einbruch unmittelbar bevorstehen.

“Vorerst keine staatlichen Finanzhilfen”

Für die Region Bitterfeld-Wolfen in deren “Solar Valley” Q-Cells zusammen mit Sovello und anderen Branchenvertretern stationiert ist, wäre die Insolvenz des Solarunternehmens ein herber Schlag. Derzeit arbeiten noch 2.200 Menschen bei Q-Cells und sind damit Teil des Leuchtturms der Solarbranche in Sachsen-Anhalt.

Unterdessen hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der sich vehement für Verbesserungen bei der EEG-Novelle im Bundesrat stark macht und seit jeher engen Kontakt zum Q-Cells-Management hält. vorerst keine staatlichen Finanzhilfen erhalten. Zuerst müsse das Unternehmen seine Hausaufgaben machen, sagte der Ministerpräsident des mitteldeutschen Bundeslandes im MDR-Fernsehen. Q-Cells sei auf einem guten Weg, Alternativen zu entwickeln, um die Grundstrukturen zu stabilisieren.

Solar Millennium, Solon, Solarhybrid – jetzt Q-Cells?

Letztlich müssen sich die in die Insolvenz getrudelten Solarunternehmen Solar Millennium, Solon, Solarhybrid und jetzt womöglich Q-Cells fragen lassen, ob sie sich nicht zu lange auf den garantierten staatlichen Förderungen des EEG ausgeruht und zu wenig in technischen Fortschritt und die Internationalisierung des eigenen Geschäfts investiert haben. Und die Politik muss sich fragen lassen, wieso sie nicht in der Lage ist, diesen Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Diese Gemengelange führt zu einer garantiert ungesunden Marktbereinigung, die auch Unternehmen “erwischt”, die eigentlich gute Überlebenschancen gehabt hätten.

 UPDATE: Q Cells stellt Insolvenzantrag

Aus CleanThinking-Sicht muss die deutsche Solarbranche als Exportbranche ausgerichtet werden, die Innovationen in die anderen Staaten bringt. Daher muss verstärkt in technischen Fortschritt investiert werden und weniger in immer mehr Solaranlagen auf deutschen Dächern und Feldern. Fehlanreize sollten in Zukunft vermieden werden. Cleantech-Unternehmen wie Avancis, Heliatek und Soltecture sind die Zukunft des Solarstandorts Deutschland – weitere aus der Forschungsarbeit von Universitäten stammende Unternehmen müssen folgen. Nur so kann der Solarstandort Deutschland überleben.

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