Revolution im ÖPNV: Elektrobusse und Hybridbusse zunehmend im Einsatz

In Kassel, Niestetal, Potsdam oder Münster werden aktuell Elektrobusse oder Hybridbusse im Praxiseinsatz getestet

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (7 votes, average: 4,86 out of 5)
Loading...

In Deutschlands Öffentlichem Personen-Nahverkehr findet derzeit eine Revolution statt: Immer mehr Projekte beschäftigen sich mit dem Einsatz von Elektrobussen sowie Hybridbussen im ÖPNV. Und der Einsatz der Elektromobilität wird durchweg positiv bewertet, wie etwa jetzt die Stadtwerke Kassel bekanntgegeben haben. Die Elektrobusse überzeugen neben niedriger Emissionen besonders durch ihre geringe Geräuschkulisse – und sorgen für zunehmende Entspannung in den Innenstädten. Die Potenziale für den Einsatz der Elektrobusse in Deutschland sind enorm.

Cleantech, Elektromobilität News / Kassel. Im Rahmen der Documenta kamen jetzt in Kassel Elektrobusse testweise zum Einsatz. Die zuständigen Stadtwerke KVG zogen im Anschluss ein äußerst positives Fazit über den Einsatz der Elektro-Midibusse von Solaris. „Angenehm überrascht“ sei man über den zehntägigen Praxistest, bei dem der Elektrobus im mehrstündigen Linienbetrieb eingesetzt wurde. Pro Tag fuhr das Fahrzeug Solaris Urbano 8,9 LE electric eine 67 Kilometer lange Strecke. Der Solaris verfügt über einen 4-poligen Asynchronmotor von Vossloh Kiepe (120 kW, Drehmoment 1400 Nm).

[wp_campaign_3]

Doch noch können die Elektrobusse nicht allen Anforderungen stand halten: Bei der KVG müssen Linienbusse täglich Strecken von bis zu 350 Kilometer absolvieren – die Reichweite der Busse muss also noch gut verdreifacht werden – bislang schafft der Bus lediglich 100 Kilometer Reichweite, ohne nachzuladen. Eine Chance ist sicherlich die Aufladung via Induktion an Haltestellen. Die KVG will nun einen Solo-Elektrobus nun für zwei Jahre im mehrstündigen Linienbetrieb einsetzen und testen.

Auch Nordhessischer Verkehrsverbund testet Elektrobus

Doch nicht nur die KVG setzen auf den Bus des polnischen Herstellers Solaris. Auch der Nordhessische Verkehrsverbund sammelt seit kurzem erste Erfahrungen mit dem Solaris Elektrobus, der von einer Fachzeitschrift zur Innovation des Jahres 2012 im ÖPNV gekürt wurde. Dabei soll nicht nur untersucht werden, welche Möglichkeiten die Elektrobusse im städtischen, flachen Einsatz haben, sondern auch, wie sich die Einsatzmöglichkeiten in ländlichen Regionen verändern.

Umgebauter Dieselbus in Potsdam im Einsatz

Auf einen zum Elektrobus umfunktionierten Dieselbus setzen hingegen die Verkehrsbetriebe Potsdam. Die Verkehrsbetriebe kooperieren dabei mit Siemens, in für die Umrüstung zuständig war. Ziel hierbei sei es, dass der Elektrobus eine komplette Schicht von rund 130 Kilometern durchfahren könne – und es Nachlademöglichkeiten auf der Strecke geben wird. Aus Sicht des Geschäftsführers kann es aber noch zehn Jahre dauern, bis die Reichweite ausreichend ist und somit Elektrobusse flächendeckend eingesetzt werden können. In der Zwischenzeit setze sein Unternehmen auf Hybridbusse. Doch auch hier schlagen die hohen Preise von 600.000 bis 700.000 Euro zu Buche. Ein herkömmlicher Dieselbus kostet lediglich 270.000 Euro. Mit einer Neuanschaffung rechnen die Potsdamer Verkehrsbetriebe erst im Jahr 2015.

Stadtwerke Münster setzen auf Mercedes Hybridbusse

Unterdessen haben die Stadtwerke Münster ihre Flotte um zwei Hybridbusse vom Typ Mercedes-Benz Citaro G BlueTec Hybrid erweitert. Die Niederflur-Gelenkbusse verfügen über einen seriellen Hybrid-Antrieb und starteten Ende August in den Linienbetrieb. „Die Einführung der Hybridbusse ist ein wichtiger Baustein in unserer Strategie für umweltschonende Mobilität und unser Engagement für Elektromobilität“, so Andreas Hoffknecht, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Neben der Hybridtechnik werden die Fahrgäste in Münster zukünftig auch reine Elektro-Mobilität im Busverkehr erleben können.

„Ab Frühjahr 2014 setzen wir voraussichtlich den ersten vollwertigen Elektrobus auf der Linie 14 ein“, kündigte Hoffknecht an. Zurzeit werde das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit fast 550.000 Euro geförderte Pilot-Projekt entwickelt und der Bus in den Niederlanden gebaut.

Diese Beispiele zeigen, dass sich im Hinblick auf Elektromobilität im Öffentlichen Personen-Nahverkehr derzeit wahrlich eine Revolution abspielt. Keine Revolution, die in den kommenden drei Jahre flächendeckend Realität wird, aber doch eine, die im kommenden Jahrzehnt mehr als sichtbar werden wird. Das große Interesse der Verkehrsbetriebe an alternativen Antriebskonzepten für Busse im ÖPNV – wenngleich die Preise noch kaum erschwinglich sind – wird dazu führen, dass sich das Angebot verbreitert und sich damit auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sukzessive verbessert. Die Elektromobilitäts-Revolution im ÖPNV hat begonnen.

Lesen Sie auch, wie Mercedes-Benz mit dem Citaro die Elektrobus-Zukunft plant. Mehr zum Thema Elektrobusse in Italien gibt es im Beitrag: Elektrobusse sind im Nahverkehr die wirtschaftlichste Alternative.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung


Trackbacks
error: Content is protected !!