Rezensiert: “Der grüne Betrug” von Martin Gerth
„Wie echter Klimaschutz zwischen Tagespolitik und Lobbyismus auf der Strecke bleibt“, lautet der Untertitel des im Redline-Verlag Ende 2009 erschienen Buchs „Der grüne Betrug“. Der Wirtschaftsjournalist Martin Gerth schildert darin seinen Blick hinter die Kulissen der Klimadebatte – und das auch für Laien gut verständlich.
Im ersten Teil liefert er Grundlagen und eine Einordnung in die gesamtwirtschaftliche Situation, wie beispielsweise die Finanzkrise. Gerth analysiert herrschende Ideologien, wie Liberalismus und Zentralismus, und stellt deren Positionen beim globalen Klimaschutz dar.
Es folgen Kapitel über Wirtschaftsinteressen, politische Konflikte und Meinungsmache, ehe der Autor die Folgen für die Klimapolitik subsummiert und pragmatische Lösungen vorschlägt. Diese richten sich vor allem an Politiker und weniger an die breite Öffentlichkeit. Wobei Gerth durchaus sieht, dass jeder Einzelne gefragt ist, denn: „Nur auf den Staat zu warten wäre fatal, schließlich können Regierungen und Wahlprogramme wechseln und Gesetze wieder abgeschafft werden“, wie er selbst gegen Ende betont.
So gut die Darstellung der Situation ist – „Der grüne Betrug“ leidet unter seinem klaren Bezug zur Tagespolitik und damit seinem Redaktionsschluss: Es gibt einen Ausblick auf die Klimakonferenz in Kopenhagen; aber eben nur diesen. Streng genommen ist das Medium Buch falsch gewählt für den Ansatz von Martin Gerth. Beraubt es ihn schließlich der Möglichkeit, die weitere Entwicklung kontinuierlich darzustellen und zu kommentieren. Das ist schade! Hat er doch ein profundes Wissen, eindeutige Positionen und gute Quellen.
Aussagen wie „Von einer nachhaltigen Marktwirtschaft sind wir in Deutschland aber noch Lichtjahre entfernt“, lassen kaum ein gutes Haar an Politikern und Lobbyisten. Die Zeit drängt, deshalb fordert Martin Gerth Lösungen: „So lange zu warten, bis wir irgendwann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen können, welcher Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und der Erderwärmung besteht, ist ein hochriskantes Spiel.“ Dass er bisweilen in seiner Darstellung wichtige Fakten unter den Tisch fallen lässt – beispielsweise bei der Atompolitik-Diskussion die Frage der Endlagerung – ist ärgerlich, stört aber den Gesamteindruck nur wenig.
Fazit: Ein interessantes Buch, das man aber bald und schnell lesen sollte, denn sonst hat die Tagespolitik zu vieles überholt. Ich würde mir wünschen, dass Martin Gerth seine Beobachtungen im Web fortschriebe, seine Kommentare kontinuierlich erstellen und so ein fundierter Begleiter der Klimapolitik wäre. Seine Beiträge in der Wirtschaftswoche sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.
