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Rückblende Stadtwerke 2010: “Wir brauchen Smart Markets”

19/05/2010 12:52 0 Kommentare

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Stadtwerke 2010 (Quelle: Euroforum)

Jahrestagung Stadtwerke 2010 (Quelle: Euroforum)

Anfang Mai fand in Berlin die 14. Euroforum-Jahrestagung “Stadtwerke 2010″ mit vielen Vorträgen und Diskussioinen rund um Smart Grid, Smart Metering und zeitvariable und kundenfreundliche Tarife (Smart Tariffs?) statt. Klar ist: Die Energieversorger (EVU) und Stadtwerke müssen weg von der reinen Stromverteilung hin zu intelligenten Stromnetzen, die insbesondere darauf reagieren können, dass Erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Wellen nur bedingt planbar erzeugt werden. Weitere Themen bei der Jahrestagung waren die Auswirkungen einer möglichen Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken sowie der anhaltende Trend zur Rekommunalisierung von Stadtwerken.

Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, brachte es zum Auftakt auf den Punkt: “Wir brauchen Smart Markets” und brachte mit Smart Markets gleich einen neuen Begriff in die Diskussion, der die Einzelbereiche wie Smart Grid, Smart Home oder Smart Metering zusammenfügt. Ziel sei es, so Kurth weiter, eine aktive Handlungsplattform für eine intelligente Vernetzung in einem wettbewerblichen Rahmen zu schaffen. Die Möglichkeiten intelligenter Stromnetze und Stromzähler müssten zu einem Tarifsystem führen, das die Kunden für ein vernünftiges Energieverbrauchsverhalten belohne.

Der Einsatz intelligenter Zähler müsse zu flexiblen Tarifen und einer ganz neuen Tarifphilosophie bei den Versorgern führen, so Kurth. Ein aktives und intelligentes Netz binde alle Akteure von der Erzeugung bis zum Kunden ein und verknüpfe Kommunikationsfunktionen mit der Energieversorgung. „In einem Innovationsprozess kann nicht alles von der Regulierungsbehörde festgelegt werden“, betonte er.

Die Verantwortung läge auch bei den Marktteilnehmern. Die Verteilnetzbetreiber seien beispielsweise entscheidende Treiber für die Bereitstellung von Stromtankstellen für die Elektromobilität. Kosteneinsparungspotenziale bei der Modernisierung der Netze könnten die Verteilnetzbetreiber heben, indem sie Grabungsarbeiten für neue Energie- und Glasfasernetze zusammen betreiben würden.

Auf dem Weg zum Smart Grid fehle es derzeit noch an einer schlüssigen und fairen Aufgabenverteilung, die klar definiere, wer was mache und wer was bezahle. Diese Interessenvermittlung sei auch eine politische Aufgabe, so Kurth weiter. Für viele neue Fragen gäbe es zurzeit noch keinen rechtlichen Rahmen.

Der Trend zur Rekommunalisierung und Kooperation wurde auch in einer der drei parallelen Vortragsreihen am ersten Tag der EUROFORUM-Jahrestagung diskutiert. Am Beispiel der Stadtwerke-Neugründung Hamburg Energie erläuterte deren Geschäftsführer Dr. Michael Beckereit, warum Hamburg sich – trotz der Präsens der beiden großen Energieversorger Vattenfall und E.ON und einer intensiven Wettbewerbssituation – für ein Stadtwerk in kommunaler Hand entschieden hat. Beckereit betonte, dass die Rekommunalisierung in Hamburg stark durch spezifische Rahmenbedingungen getragen sei. Die große Unzufriedenheit der Kunden und die Diskussionen um das Kernkraftwerk Krümmel und um das geplante Kohlekraftwerk Moorburg hätten politisch aufgegriffen werden müssen. Hamburg habe auch als Klimahauptstadt 2011 eine Sonderstellung, bemerkte Beckereit.

Stadtwerke München als Paradebeispiel

Die Vorreiterrolle vieler Stadtwerke beim Aufbau dezentraler Energieerzeugungskapazitäten war ein weiteres Thema der Stadtwerke-Jahrestagung. Der Energiemanager des Jahres 2009 und Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke München (SWM), Dr. Kurt Mühlhäuser, erläuterte die „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ in München. Eine Großstadt wie München zu 100 Prozent mit Ökostrom zu versorgen, sei mittelfristig nicht zu erreichen, betonte er. Allerdings investieren die Stadtwerke München erheblich in den Aufbau erneuerbarer Energien auch auf Münchner Stadtgebiet. Neben der bereits 1999 in Betrieb genommenen Windkraftanlage auf dem Mühlberg würden die zehn Wasserkraftwerke modernisiert und erste Photovoltaik-Anlagen aufgebaut. Im Tierpark Hellabrunn sei bereits ein Biogasheizkraftwerk installiert. „Es ist wichtig, in allen Bereichen aktiv zu sein und den regionalen Bezug herzustellen, auch wenn die Kapazitäten für eine Großstadt nicht ausreichen“, betonte Mühlhäuser.

Darum investierten die SWM auch in Ökostrom-Projekte außerhalb Münchens, wie beispielsweise in das Solarkraftwerk Andasol 3 in Südspanien. Rund neun Milliarden Euro investiert das größte deutsche Stadtwerk in seine Aufbauoffensive. In Ostdeutschland ist das Münchner Unternehmen an einer Photovoltaik-Anlage beteiligt, ebenso an Windkraftanlagen in der Nordsee. Mit Global Tech 1 würden die Stadtwerke München nach Alpha Ventus und Bard die nächste Offshore-Windanlage in Betrieb nehmen können. Eine besondere Vorreiterrolle nähmen die Stadtwerke München bei der Geothermie mit ihrem Projekt in München-Riem ein. Hier seien die Erwartungen im Moment allerdings gedämpfter, da die technischen Herausforderungen enorm seien und die Bohrkosten wesentlich höher als erwartet, so Mühlhäuser

„Bis 2015 werden die Stadtwerke München so viel Strom aus erneuerbaren Energien in eigenen Anlagen produzieren, wie die etwa 800.000 privaten Haushalte der Stadt verbrauchen“, sagte Mühlhäuser. Bis 2025 wolle man den gesamten Strombedarf München aus erneuerbaren Energien decken und damit weltweit die erste Großstadt sein, die dieses Ziel erreicht habe, so Mühlhäuser weiter. Auch die Stadt stehe trotz der angespannten kommunalen Haushaltslage hinter dem Projekt, so dass Erträge in die neuen Projekte fließen könnten.

„Wir können im Moment etwa 60 Prozent der Haushalt versorgen“, zog Mühlhäuser eine Zwischenbilanz. Er betonte allerdings, dass dies noch kein realer Wert sei. Langfristig wolle München aber seinen Bedarf regenerativ erzeugen.

Appell an die Innovationskraft der Stadtwerke

Einen Appell an die Innovationskraft der Stadtwerke richtete Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung von Trianel, an die rund 700 Stadtwerke-Vertreter. In den vergangenen zwölf Jahren hätten sich die Anstrengungen in der Energiewirtschaft in erster Linie um den Endkundenvertrieb und um den Kampf Marktanteile gedreht. „Innovationen haben wir im wesentlichen im Vertrieb und bei Kooperationen zu neuen Erzeugungskapazitäten gesehen“, sagte er.

Auch wenn man ein Vordringen der Stadtwerke in die Erzeugung beobachten könnte, stünde der Vertrieb weiter stark im Fokus für Innovationen. Das Geschäftsmodell der Energieversorger habe sich als stabil erwiesen, allerdings frage er sich, wie lange dies noch so bleiben werde. „Die Branche steht vor einem Umbruch“, betonte Becker und verwies auf die Treiber Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Vielfältigkeit der Themen führe zu einer immer höheren Komplexität, die bewältigt werden müsse. Im Endkundengeschäft und in den Netzen würden die Margen absehbar sinken, so dass die Besetzung von Themen wie Elektromobilität, Smart Metering, Prozessoptimierung oder Rekommunalisierung an Bedeutung gewinnen werde.

„Die Taktzahl für Innovationen wird sich erhöhen“, so Becker weiter. Neue und ernstzunehmende Player wie Google, Microsoft, Volkswagen oder die Telekom würden die Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft verändern. „Wettbewerb heißt: Innovativ sein“, betonte der Trianel-Chef. Veränderte Märkte erforderten eine permanente Entwicklung der Produkte und Geschäftsmodelle. Die Stadtwerke mit ihrem „direkten Draht zum Kunden über das Stromkabel“ müssten diesen Kontakt für sich nutzen und Themen wie Internetverbindungen, der Kunde als Strombeschaffer oder Elektromobilität für sich nutzen, um Margen erhöhen zu können.

Beispiele wie Apple zeigten, dass Unternehmen nur erfolgreich sein könnten, die die Kundenwünsche bereits im Vorfeld erkennen. Dazu müssten auch Energieversorger die Innovationskultur in ihren Häusern stärken, um als Innovator oder auch als Transformator weiter erfolgreich zu sein. Auch eine Neupositionierung eines Unternehmens könne nur gelingen, wenn sich die Unternehmen öffnen würden, so Becker. Gegen neue Wettbewerber würden sich nur diejenigen Unternehmen durchsetzen können, die die Transformation der Branche erfolgreich vorantreiben und neue Geschäftsfelder entwickeln.

Die EUROFORUM-Jahrestagung „Stadtwerke 2011“ findet vom 10. bis 12. Mai 2011 in Berlin statt.

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