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Siemens als Anführer der grünen Revolution?

29/04/2009 10:44 0 Kommentare

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Jahrespressekonferenz 2008 / Annual Press Conference 2008„Die Entwicklung hin zu einer grünen Weltwirtschaft ist für uns eine Riesenchance” – so jedenfalls sieht Siemens-Chef Peter Löscher die Zukunft des Gemischtwarenladens auf Industrie-Niveau namens Siemens. Für das laufende Geschäftsjahr, so wurde heute verkündet, gab Siemens eine Gewinnwarnung aus – statt der angestrebten 8,5 Milliarden Euro, macht Siemens “nur” 6,5 Milliarden Euro Gewinn. Allerdings wird der Konzern traditionell erst mittelfristig von Krisen erfasst, weshalb mit einem noch stärkeren Rückgang zu rechnen ist.

Genau in diese Meldungen hinein platzt die Nachricht, Siemens wollen Anführer der grünen Revolution werden. Ist Siemens das wirklich? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Die Worte von Siemens-CEO Löscher auf Halbjahres-Bilanzpressekonferenz in Berlin klangen gut: Siemens wolle seine Stellung zum führenden grünen Infrastruktur-Gigant ausbauen, niemand sei besser gerüstet für die grüne Revolution. Schön wäre es, allein glaubhaft sind diese Worte nicht.

Ein Beispiel:

Im März unterzeichnete Löscher eine Absichtserklärung mit Sergej Kirijenko, dem Chef der russischen Atomholding Rosatom (vgl. Zeit Online). Ziel der Erklärung: Die Gründung eines Joint Ventures, das – man höre und staune – beide Unternehmen gemeinsam zum Weltmarktführer in Sachen Atomenergie machen soll. Siemens wolle durch die Kooperation künftig auch vom “heißen” Geschäft mit Reaktoren und Brennelementen profitieren. Sieht so der Aufbruch in die grüne Revolution aus? Es wirkt eher wie der Rückschritt in die Zeit des kalten Krieges.

Ein völlig anderes Beispiel ist die Siemens-Tochter Osram, die momentan erheblich unter der Krise zu leiden hat, u.a. wegen des einbrechnenden Autogeschäfts. Was beim Traditionsunternehmen entwickelt wird, sind u.a. LEDs und OLEDs der Zukunft – das klingt schon eher nach grüner Revolution.

In der Erklärung von Löscher heißt es weiter:

“Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise setzt Siemens gezielt auf den Ausbau seiner führenden Position bei grünen Technologien. Neue staatliche Investitionsprogramme sehen vielfach auch eine Erneuerung der Infrastrukturen und Produktionsanlagen vor. So sollen nach einem Beschluss der G20-Staaten in den kommenden Jahren im Rahmen der staatlichen Investitionsprogramme rund 430 Milliarden US-Dollar in effizientere und klimafreundlichere Infrastrukturen investiert werden. Als Weltmarktführer bei Umwelt-Technologien sei Siemens in einer hervorragenden Ausgangsposition, daraus zusätzliches Geschäft für das Unternehmen zu generieren.”

Bislang schafft Sienens ein Viertel seines Umsatzes, rund 19 Milliarden Euro, mit Umweltschutz-Technologien. Im Vordergrund steht dabei die Division Renewable Energy, die u.a. Großaufträge vom dänischen Konzern DONG Energy für 500 Offshore-WIndkraftanlagen erhielt. Gleichzeitig beteiligte sich Siemens zuletzt am italienischen Unternehen Archimede Solar Energy, um auch bei Lösungen für solarthermische Kraftwerke eine führende Rolle spielen zu können.

Verwunderlich ist allerdings, dass in der Pressemitteilung, die sich ausschließlich mit dem angeblich grünen Fokus beschäftigt, beispielsweise kein Wort über das künftige Mega-Thema Smart Grid verloren wird. Sieht Siemens intelligente Stromzähler, die dem Verbraucher Transparenz bieten, Stromfresser identifizieren und damit eine Reduzierung des Stromverbrauchs ermöglichen, womöglich nicht als grüne Technologie an? Unverständlich. Oder spielt Siemens vielleicht in Sachen Smart Grid eine gegenüber ABB vergleichsweise kleine Rolle und verschläft einen Zukunftstrend?

Wie dem auch sei: Das Aufspringen auf den Zug einer grünen Revolution, deren Lokomotive Siemens nach Außen hin sein will, überzeugt mich keineswegs – ich lasse mich aber gerne positiv überraschen beim weiteren Verfolgen des Siemens-Imperiums.

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