Smart Grid Pioniere sind VC Könige
Während die Gesamtinvestitionen von Privatinvestoren und Venture Capitalists in Cleantech und saubere Technologien gerade rückläufig sind, rückt der so genannte Smart Grid Sektor immer stärker in den Fokus von Investoren und Interessenten. Jüngstes Beispiel: Die Ember Corporation, die die ZigBee Wireless-Technologie entwickelt, hat erneut 8 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Die Einführung eines so genannten intelligenten Stromnetzes wird von der neuen amerikanischen Regierung massiv gefördert – kein Wunder also, dass Ember und Co. derzeit sehr gute Zukunftsperspektiven nachgesagt werden. Hinter “Smart Grid” versteckt sich eine Technologie, die einerseits auf intelligenten Stromzählern, dem so genannten “Smart Meter” beruht und andererseits auf eher dezentral angelegten Kraftwerken aus vorwiegend Erneuerbaren Energien.
D.h.: Jeder Haushalt bekommt einen intelligenten Stromzähler, der ständig mit dem Stromnetz verbunden ist. Es gibt dezentrale Stromquellen, beispielsweise einen kleinen Windpark oder Solarzellen auf den Dächern der Häuser in einem Neubaugebiet. “Intelligent” bedeutet dann, dass die Versorgung mit Energie untereinander automatisch gesteuert wird. Das kann soweit gehen, dass der Strom je nach Stunde und Bedarf unterschiedliche Preise kostet: Wenn Nachbar A also mit seiner Solarzelle mehr Strom produziert als er aktuell verbraucht, wird dieser Strom automatisch dem Nachbarn B angeboten, der gerade vielleicht mehr Bedarf hat. Gleichzeitig variiert der Strompreis dahingehend, dass er sich nicht nach einem Durchschnittspreis richtet, sondern schlicht nach Angebot und Nachfrage, wie es auf einem Markt üblich sein sollte. Nachts wird der Strom günstiger, weil weniger verbraucht wird, tagsüber und abends ab 19 Uhr entsprechend teurer.
Die Vision vom intelligenten Stromnetz geht soweit, dass auch die Elektrogeräte ans Netz angeschlossen werden: Die Waschmaschine, die abends um 19 Uhr angestellt wird, läuft dann eben nicht direkt an, sondern erst um 2 Uhr nachts, weil dann der Strom günstiger ist. Oder: Das Elektroauto wird über die Solarzellen auf dem Dach geladen, eben auch dann über Nacht, wenns besonders günstig ist. Dies sind nur wenige der möglichen Anwendungen, hochspannend, aktueller denn je.
Im Bereich “Smart Grid”, einem der zukunftsträchtigsten Cleantech-Segmente, hat Ember nun insgesamt schon 89 Millionen Dollar eingesammelt. Investoren waren u.a. Polaris Venture Partners, GrandBanks Capital, RRE Ventures, Vulcan Capital, DFJ ePlanet Ventures, New Atlantic Ventures, WestLB Mellon Asset Management und strategische Partner wie Chevron Technology Ventures und Stata Venture Partners. Auch Hitachi und das MIT sind beteiligt.
Smart Grids und Startups aus diesem Segment werden Cleanthinking.de noch lange beschäftigen: Gerade hat der Spiegel ein sehr, sehr lesenswertes Interview mit den Gründern von SilverSpring veröffentlicht. Fortsetzung folgt…

21:13
Ja, das Thema Smart Grid wird ja zb vom Spiegel derzeit in Deutschland gefeatured, spielt aber sonst kaum eine Rolle in der Debatte der Öffentlichkeit.
Vielleicht ist ein Grund die dichtere Besiedelung in Deutschland im Vergleich zu den USA – dezentrale Kraftwerke aufzubauen womöglich komplizierter… Aber genau, weiss ich es auch nicht, warum Smart Grid in den USA das Hype-Thema schlechthin ist, in Europa aber kaum…