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Smart Metering: Ersparnis alleine überzeugt Verbraucher nicht

28/01/2011 09:22 0 Kommentare

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Das Institut für Information, Organisation und Management (IOM) der Ludwig-Maximilians-Universität München hat untersucht, warum die Nachfrage nach intelligenten Energiezählern bei den Verbrauchern bislang so gering ist und das Ausrollen der Smart Meter eher im Schneckentempo voran geht. Dazu wurden mehr als 700 überwiegend junge und technikaffine Teilnehmer (“early adopter”) befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die bisherige eindimensionale Fokussierung auf Einsparungen in der Kommunikation der Vorteile zu kurz greift. Die für einen Durchschnittshaushalt geringen Einspareffekte reichten nicht aus, um Kunden von der Nutzung und der Anschaffung der neuen Zähler zu überzeugen, so der Verfasser der Studie, der Wirtschaftsinformatiker Johann Kranz.

“Privatkunden müssen verstehen, zu welchem Zweck sie sich die neuen Zähler ins Haus holen sollen und welche Rolle Smart Meter im zukünftigen Energieversorgungssystem spielen, das in erheblichem Maße von regenerativen Energiequellen geprägt sein wird”, sagt der Leiter der Studie, Prof. Arnold Picot.

Die Befragung zeigt eindrucksvoll, dass die Nutzungsabsicht der Kunden zwar in geringem Umfang auch von finanziellen Erwägungen beeinflusst wird, aber das Umweltbewusstein der Kunden eine deutlich größere Rolle spielt.

“Das heißt, dass die Vorteile der Smart Metering Technologie im intelligenten Energiesystem der Zukunft weit mehr als bisher kommuniziert werden müssen”, fordert Prof. Picot, “denn ohne detaillierte Verbrauchsdaten sind viele der angedachten Smart Grid-Konzepte gar nicht umsetzbar.”

Außerdem ließe sich der steigende Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms ohne eine bessere Koordination zwischen Erzeugung und Verbrauch nicht effektiv in das Energieversorgungssystem integrieren, ergänzt er.

Zwar halten über 70% der Studienteilnehmer den Einsatz eines Smart Meters für eine gute Idee, aber nur 32% beabsichtigen auch, die Technologie in Zukunft zu nutzen.

“Daher muss die Zählertechnologie den Kunden auch einen echten Mehrwert bieten”, sagt Kranz.

Er regt deshalb an, die Attraktivität der neuen Zähler beispielsweise durch integrierte Sicherheits- und Heimvernetzungsfunktionen zu steigern, an denen knapp 60 Prozent der Befragten interessiert sind. Ein Konzept, das beispielsweise Alertme in Großbritannien verfolgt. Dies würde nicht nur dazu beitragen, dass die Nachfrage nach intelligenten Zählern steigt, sondern auch aussichtsreiche Geschäftsmodelle für Messdienstleister bieten.

Verbrauchsdaten bevorzugt via Internet

Derzeit steht allerdings bei 87 Prozent der Verbraucher eine genauere Informationsbereitstellung im Hinblick auf den Stromverbrauch und den damit verbundenen Kosten im Blickpunkt. Erhalten möchten die Kunden diese Informationen am liebsten per Internet (69 Prozent) oder über ein Display in den Wohnräumen (64 Prozent).

“Die Erfahrung internationaler Studien hat gezeigt, dass alleine durch aktuellere und detaillierte Verbrauchsinformationen der Durchschnittsverbrauch eines Haushalts um bis zu 15% verringert werden kann”, weist Prof. Picot auf den positiven Effekt einer besserern Informationsversorgung hin.

Variable Tarife und Demand Response müssen finanziell attraktiv sein

Weitere Ergebnisse:

  • 76 Prozent der Verbraucher können sich mit der Idee anfreunden, ihren Stromkonsum in Schwachlastzeiten zu verschieben – wenn die Stromtarife deutlich reduziert sind.
  • Auch automatisierte Demand Response-Applikationen, mit denen in Abhängigkeit der aktuellen Stromverfügbarkeit geeignete Verbrauchsgeräte kurzzeitig an- bzw. abgeschaltet werden können, stoßen mit 51 Prozent auf überraschend positive Resonanz. Aber auch hier gilt, dass die Verbraucher hohe Einsparungen gegenüber den derzeitigen Strompreisen (25 Prozent) erwarten.
  • Die Mehrheit der Studienteilnehmer (60 Prozent) befürchtet, dass ihre Verbrauchsdaten nicht gänzlich vor unauthorisierten Zugriffen geschützt sind.

Fazit: Die fünf wichtigsten Empfehlungen

1. Kommunikation der mit der neuen Zählertechnologie einhergehenden Vorteile, sollte sich nicht nur auf eventuelle finanzielle Einspareffekte konzentrieren, sondern v.a. die positiven Umwelteffekte in den Vordergrund rücken.

2. Vertrauen und der wahrgenommene Schutz der Privatsphäre können durch die Definition transparenter und nachvollziehbarer Datenschutzbestimmungen und einheitlicher Standards für die Kompatibilität der verschiedenen Teilsysteme erhöht werden.

3. Um eine Ablehnung der Smart Metering Technologie zu vermeiden, gilt es, die Verbraucher vor der Einführung der neuen Geräte umfassend und verständlich zu informieren.

4. Verbraucher erachten die neuen Zähler zwar als grundsätzlich vorteilhaft, allerdings fehlt der entscheidende Kaufimpuls, der durch die Integration von Zusatzdiensten gesteigert werden kann.

5. Sowohl die Entwicklung eines wettbewerblichen und innovativen Marktes für Zusatzdienste als auch das Vertrauen und der wahrgenommene Schutz der Privatsphäre können vom Aufbau eines zentralen, neutralen, treuhänderischen Datendepots für Messdaten (wie in U.K. beschlossen) profitieren.

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