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Ist die deutsche Solar-Welt bald wieder in Ordnung? Ein Versuch einer Analyse.

18/09/2009 15:23 3 Kommentare

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Wenn kommende Woche die Europäische Photovoltaic – Solarenergie Konferenz und Ausstellung erstmalig in Hamburg Station macht, werden die Medien voll sein mit positiven Meldungen der Solarbranche. Denn: Zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Stimmung bei juwi, sovello, Solarworld und Co in den letzten Wochen merklich aufgehellt hat. Woran liegt es, dass die Stimmung besser wird? Der Versuch einer Analyse.

Ein Beispiel: Die sovello AG beendet aktuell die für alle 1.200 Mitarbeiter geltende Kurzarbeit “aufgrund der aktuell sehr positiven Nachfrageentwicklung”. Positiv ist diese Nachricht vor allem deshalb, weil die sovello AG, die vor knapp einem Jahr aus der EverQ GmbH hervorging, sich inzwischen mit der neuen Marke und einer auf deutsche Qualitätsarbeit setzenden Fertigung durchgesetzt hat. sovello, ansässig im sachsen-anhaltinischen Thalheim, sieht in der jetzigen Entwicklung

“einen Hoffnungsschimmer im Meer der Stimmen derjenigen, die Deutschland nur als Absatzmarkt für die globale Solarbranche sehen, dem Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland jedoch eine düstere Zukunft vorhersagen”, so Ted Scheidegger, CEO von sovello in einer Pressemitteilung.

Langfristiges Arbeiten oder, um in der Sprache der Cleantech-Branche zu bleiben, nachhaltiges Wirtschaften wird sich, davon bin ich persönlich überzeugt, auch in der Solarbranche bewähren. Interessant ist auch, dass es sovello gelingt, eine neue Marke aufzubauen, die substanziell, smart, verantwortungsvoll und direkt als Kerneigenschaften aufweisen soll. sovello schafft den Spagat - auf der einen Seite B2B-Unternehmen mit steigender Zahl an Vertriebspartnerschaften und andererseits ein Unternehmen, das den direkten Kontakt zu den Menschen, beispielsweise im Internet über Social Media Kampagnen sucht – momentan perfekt.

Die Analyse des Wertes und der Werte von sovello zeigt: Die Branche entwickelt derzeit wieder neue Marken und bringt im Zuge dessen neue Persönlichkeiten wie die Chefs von SolarWorld oder juwi hervor. Gleichzeitig geht die Branche zunehmend an die schnöden Konsumenten heran – siehe Werbespots mit Podolski – und schafft so ein neues Bewusstsein in der Bevölkerung für Photovoltaik und Solarenergie. Es beginnt ein Professionalisierungs-Prozeß was Außendarstellung in Bezug auf PR, Marketing oder Investor Relations betrifft. Es entsteht eine neue Dialogkommunikation, die nicht nur auf Messen zugeschnitten ist, sondern auch auf das Dialogmedium schlechthin, das Internet.

Spannend ist auch: Die ganz große Pleitewelle oder Übernahmeschlachten sind in Krise ausgeblieben. Kurzarbeit bei sovello oder Q-Cells war nötig und auch harte Einschnitte, aber inzwischen hat etwa Q-Cells angekündigt, die Kurzarbeit wieder aufzuheben.Pleiten gab es keine, die wenigen Übernahmen wie die von ersol durch Bosch, waren lange geplant und angekündigt.

Gleichzeitig greifen junge Unternehmen wie die Sulfurcell Solartechnik GmbH mit völlig neuen Technologien nach dem Markteintritt. Das Nachfragewachstum benötigt beide Player: Einerseits die, die schon etabliert sind und klassische kristalline Module auf den Markt bringen, aber auch die Innovatoren, die Deutschland als Standort voranbringen und das Kopiert-werden durch ausländische Nachahmer unmöglich oder zumindest langwierig und schwierig machen.

Q-Cells wird auf der PVSEC eine neue Generation multikristalliner Zellen vorstellen, die im ISE-zertifizierten Modul 249 Watt und einen Wirkungsgrad von 15,9 Prozent vorweisen sollen. Besonders positiv: Die Module hat Q-Cells im eigenen Modultestcenter in Thalheim entwickelt – die Investitionen von 50 Millionen Euro werden sich vermutlich rasch amortisieren können, sobald die Marketinführung dieser Module 2010 stattfindet.

Auch bei Q-Cells scheint man den Wert der Marke neben einer gelungenen Technologie erkannt zu haben: So wird Q-Cells selbst künftig stärker als Dachmarke fungieren und beispielsweise die Töchter Solibro GmbH als “Q-Cells Modules” auftreten oder Großprojekte unter der Sub-Marke “Q-Cells Systems” gebündelt.

Auch andere Hersteller bringen auf die PVEX interessante Meldungen mit:

  • ABB stellt den neuen Roboter für die Photovoltaik-Produktion vor: Der FlexPicker der neuesten Generation besticht durch Schnelligkeit und Präzision.
  • Sunways zeigt die neue hoch effiziente monokristalline Solarzelle “18+” und einen Zentralwechselrichter der 30 kW-KLasse mit einem Wirkungsgrad von 97,8 Prozent – Weltrekord!
  • Conergy zeigt auf der Messe u.a. die neue Conergy IPG S Serie, also ihrer Stringwechselrichter, die schon seit Anfang September auf dem Markt sind.
  • Und auch ein weiterer Technologie-Hoffnungsträger, die Dresdner Heliatek präsentiert sich und seine erste organische Solarzelle (Tandemsolarzellen) auf der Messe – die Massenproduktion dieser organischen Solarzellen könnte schon 2010 beginnen.

Die Aktien der Solar-Größen steigen in diesen Tagen deutlich bis stark überdurchschnittlich (mit wenigen Ausnahmen wie Conergy, dem alten Sorgenkind der Branche). Die gesamte Analyse zeigt: Ab Frühjahr 2010 wird die Krise in der deutschen Solarbranche endgültig vorbei sein. Seien wir gespannt!

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