SolarWorld in Afrika: Wie Namibia von Photovoltaik profitiert
Verlässliche Solarprodukte als nachhaltige Entwicklungspolitik
SolarWorld-Chef Frank Asbeck hat – das muss man in jeder Hinsicht anerkennen – klare Ziele und Vorstellungen für sein CleanTech-Unternehmen, die Bonner SolarWorld AG. Seit der Fußball-WM 2010 in Südafrika hat der Konzern für Solarenergie sein Engagement in Afrika verstärkt – mit Frank Asbeck als “Kopf” an der Spitze. “Wir tragen Verantwortung für eine faire Entwicklung in allen Ländern der Welt. Afrika muss sich entwickeln und wirtschaftlich wachsen, um seine Menschen zu ernähren und ihnen eine Zukunft im eigenen Land zu geben”, so Frank Asbeck kürzlich im Rahmen eines Interviews. “Solarstrom leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag. Sonne gibt es in Afrika im Überfluss. Hier liegt es auf der Hand, dass Solarstrom die Grundlage für eine nachhaltige Energieversorgung sein muss. Es gibt die einmalige Chance, dort nicht alle Fehler zu wiederholen, die beim Thema Energie in Europa gemacht wurden.”
Ein eindringlicher Appell von Frank Asbeck, dass nicht nur SolarWorld (alle SolarWorld News bei CleanThinking.de) und Desertec sich in Afrika engagieren, sondern auch viele andere deutsche Unternehmen und Konzerne. Und das Engagement von SolarWorld und Co. in Afrika lohnt sich Stück für Stück. In Namibia etwa, in Südwestafrika, wächst die Bedeutung der Solarenergie rasch und kontinuierlich. Das von deutscher Kolonialgeschichte geprägte Land Namibia setzt dabei auf Photovoltaik-Technologien aus Deutschland.
“Deutschland und Namibia haben viel mehr gemeinsam”
Die Christuskirche zählt zu den Wahrzeichen. Sogar ein preußisches Reiterdenkmal steht hier. Und doch befinden wir uns nicht in Deutschland, nicht einmal in Europa. In Windhoek, der Hauptstadt Namibias im Süden Afrikas, wirkt Deutschland merkwürdig gegenwärtig. Das liegt nicht nur an der Geschichte der einstigen deutschen Kolonie „Deutsch-Südwest-Afrika“. „Deutschland und Namibia haben viel mehr gemeinsam“, glaubt Conrad Roedern: von der Mentalität bis zur Notwendigkeit, einstige Gegensätze wie die zwischen Ost und West oder Schwarz und Weiß zu überbrücken.
Der Duz-Freund vom verstorbenen, Alternativ-Nobelpreisträger Hermann Scheer kam 1989 mit einem Container und einhundert Solarmodulen ins Land, fest entschlossen, die Photovoltaik im Savannenstaat zu etablieren. Die verkaufte er an UN-Soldaten aus Kenia, die nach dem Ende des Buschkriegs zwischen dem südafrikanischen Apartheids-Regime und der Befreiungsarmee der namibischen SWAPO in ihre Heimat zurückkehrten. Heute ist Roederns Firma Solar Age einer der größten PV-Anbieter Namibias.
Die Zahl kreativer Kleinunternehmer wächst
Landesweit sind rund 3 MW an Solaranlagen installiert, die meisten fernab vom Stromnetz zur Versorgung von Wasserpumpen, Farmen und einzelnen Wohnhäusern (Solar-Home-Systems). Doch die Zahl kreativer Kleinunternehmer insbesondere in den ländlichen Regionen wächst, denen der Solarstrom eine neue Geschäftsgrundlage liefert.
“In einem Land mit einem Einspeisesystem wie in Deutschland ist die solare Produktqualität vor allem wichtig für die Sicherheit der Investoren. Hier ist sie unabdingbar zur Sicherung der Existenz”, sagt der Solarteur. “Bei einem chinesischen Start-Up, das es vielleicht in zehn Jahren nicht mehr gibt, kann ich mich auf die Qualität nicht verlassen.” Roedern verwendet deshalb ausnahmslos Solarmodule, von denen er weiß, dass Leistung und Zuverlässigkeit stimmen. Deshalb setzt er auf SolarWorld. “Das bietet den Kunden die größtmögliche Sicherheit.”
Für den engagierten Unternehmer ist die solare Elektrifizierung Namibias nicht nur ein Geschäft. Nichts wäre schlimmer für ihn, als wenn sich die feschen Jungunternehmer mit ihren solaren Handyladestationen, die bunt gekleideten Damen mit ihren solarversorgten Damen- und Herrensalons oder die fleißigen Näherinnen, denen ein Modul die Nadeln antreibt, nicht auf die Kraft der Sonne verlassen könnten. “Ihnen Qualität zu liefern, heißt, Verantwortung zu übernehmen”, sagt er. Verlässliche Solarprodukte sind für Roedern auch nachhaltige Entwicklungspolitik.
So wie bei Ndilimeke Shuumbwa. Die resolute Frau mit der Kurzhaar-Rastaperücke unterhält in einer traditionellen Gemeinschaft aus Kralhütten am Rande der Kleinstadt Ongwediva einen Kindergarten. Das Areal steht inmitten mannshoher Hirsefelder, das Stromnetz ist fern. Auf dem Dach ihres Steinhauses hat sich Ndilimeke eine Solaranlage mit vier 80 Watt-SolarWorld Modulen installieren lassen, ein typisches Solar-Home-System. “Dafür habe ich jetzt genug Licht und Strom für Computer und Fernsehen.”
Sie setzt dabei sogar auf Energiesparlampen. Der saubere Strom ermöglicht ihr, die Kinder bei Bedarf auch abends zu betreuen und sie mit den neuen Kommunikationsmedien vertraut zu machen. “Als nächstes steht die Anschaffung eines Kühlschranks an”, sagt sie. Vielleicht wird sie dafür noch ein Modul brauchen.
TU Ongwediva setzt auf Solar
Ondangwa ist eine Flugstunde von Windhoek entfernt, die Grenze zu Angola nicht mehr weit. Ein alter verrosteter Hangar in der Nähe der Landepisten des Provinzflughafens erinnert noch an den Buschkrieg vor mehr als zwanzig Jahren. Doch an der zehn Kilometer entfernten Technischen Universität von Ongwediva ist der Wandel greifbar. Das mit viel Glas und noch mehr hellem Gestein errichtete Gebäude repräsentiert Namibias Aufbruch in eine neue Zeit.
Hier entsteht der größte Uni-Campus des Landes. An der University of Namibia (UNAM) werden junge Frauen und Männer in vor allem technischen Spezialgebieten ausgebildet und sollen dafür sorgen, dass das Land auf Entwicklungskurs bleibt. In den fünf Jahren vor Ausbruch der Weltfinanzkrise bis 2008 kletterte das Bruttoinlandsprodukt nach Auskunft des Internationalen Währungsfonds im Jahresdurchschnitt um mehr als sechs Prozent. Damit ist Namibia eines der wachstumsstärksten Länder des ganzen Kontinents.
„Vom Weltraum aus betrachtet soll die Uni einmal wie ein Stern aussehen“, beschreibt Vorarbeiter Andreas Kapuka das architektonische Ziel, für das noch drei Gebäude errichtet werden müssen. Vom Dach aus lässt sich das schon erahnen. Hier oben im schattenlosen Licht arbeiten auch die vier Solarstrombahnen, die dem Gebäude schon von weitem einen bläulichen Schimmer verleihen. Sie sind an der Kante des Flachdachs wie eine Balustrade angebracht und spenden Schatten für die Studenten unten auf dem Hof.
Größtes PV-Kraftwerk Südafrikas
Insgesamt 168 Module des Typs SolarWorld SW 225 erledigen hier ihren Dienst und das mit großem Erfolg. Zu rund einem Drittel trägt das 37,8 Kilowatt starke Solarkraftwerk zum Strombedarf der Universität bei. Der besondere Clou: Als größte netzintegrierte PV-Anlage Südwestafrikas speist sie an Tagen, an denen die Universität geschlossen ist, die Energie in das Netz des namibischen Stromversorgers NAM Power ein. Eine Vergütung gibt es zwar nicht, doch dafür dreht sich der Stromzähler, der den Verbrauch konventionellen Stroms der Universität misst, rückwärts. Durch dieses Net Metering-Verfahren dürfte der Beitrag des SolarWorld Kraftwerks am universitären Stromverbrauch auf das Gesamtjahr gerechnet noch steigen. Diese Referenzwerte könnten ein wichtiges Argument für die Uni sein, auch die anderen Gebäude mit Solartechnologie zu bestücken.
“Ich hoffe, dass die Mittel dafür da sein werden”, sagt Baumanager Kapuka. “Das wäre auch praktischer Anschauungsunterricht für die Studenten.”
In Windhoek hat die namibische Regierung jedenfalls schon mal eine wichtige Weichenstellung vorgenommen. Sämtliche öffentliche Neubauten müssen zumindest mit einer solarthermischen Anlage ausgestattet werden.
“Solarenergie sorgt für wachsende Kommunikation unter den Menschen etwa durch die Versorgung von Handys, Radios und Computern”, resümiert Conrad Roedern.
Das erweitere die Informationsmöglichkeiten der Menschen enorm. Deshalb habe die Technologie das Zeug, zum Entwicklungsmotor für ganz Afrika zu werden, glaubt er. Auch das Beispiel der solaren Kleinunternehmer könnte auf dem ganzen Kontinent ebenso wie im eigenen Land weiter Schule machen. Dem Solarvorkämpfer Roedern wäre es sicher Recht. Und die traditionsreichen Verbindungen zwischen Deutschland und Namibia würden davon bestimmt ein weiteres Mal gestärkt.


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