Spitze oder breite Produkte? Die Trends im Smart Home-Markt

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Das Smart Home entwickelt sich, immer mehr neue Produkte gelangen auf den Markt. Die Anbieter reichen von etablierten Großkonzernen aus der IT-, Telekommunikations- und Energiebranche bis hin zu ambitionierten Start-up-Unternehmen. Das Marktpotenzial gilt als beträchtlich: So sagen die Experten der Beratungsfirma Arthur D. Little ein jährliches weltweites Wachstum von durchschnittlich zwölf Prozent voraus.

Laut einer Studie des VDI/VDE Technik & Innovation wird der kumulierte Umsatz mit Smart Home-Lösungen alleine in Deutschland bis 2025 bei bis zu 19 Mrd. Euro liegen. Manche Branchenkenner sehen sogar eine Analogie zur rasanten Entwicklung des Mobilfunks. In wenigen Jahren, so der allgemeine Tenor unter den Anbietern, werden Smart Home-Komponenten – ähnlich wie heute das Internet – zu jedem modernen Haushalt dazugehören. Umso mehr lohnt es sich, einen Blick auf den derzeitigen Smart Home-Markt und dessen Produkte zu werfen.

Nest Thermostat 2Smart Home News, Leipzig. Aus der Vielzahl der Smart Home-Angebote lassen sich momentan zwei Trends ablesen. Auf der einen Seite gibt es Produkte, die sich auf einen bestimmten Themenbereich – z.B. Effizienz, Komfort, Sicherheit oder altersgerechte Assistenzsysteme (Ambient Assisted Living) – und spezielle Anwendungsfälle konzentrieren. Auf der anderen Seite stehen Produkte, die eine breite Auswahl an Themen und Anwendungsfällen in einer Lösung kombinieren. Ein gutes Beispiel für ein spitzes Produktangebot ist die intelligente Glühbirne „Hue“ von Phillips. Per Smartphone App lässt sich die Hue-Leuchte nicht nur von überall an- und ausschalten, auch unterschiedliche Lichttöne und Aufweckmodi sind individuell einstellbar. Der Anbieter Fonium konzentriert sich hingegen auf Smart Home-Anwendungen für Senioren. Das Fonium-Vorzeigeprodukt „Butler“ erinnert an die Einnahme von Medikamenten, informiert Angehörige per Tagestaste über das Wohlbefinden des Nutzers und registriert Stürze. Zudem dient es als Notrufgerät.

Das Feld der smarten Heizlösungen decken sowohl der deutsche Anbieter Tado als auch das US-amerikanische Unternehmen Nest ab. Das Nest-Thermostat lernt die Gewohnheiten seines Anwenders kennen und richtet sich nach diesen. Klassisches Beispiel: Der Nutzer verlässt morgens zum Arbeiten das Haus, das Thermostat dreht die Heizleistungen herunter. Das Tado-Thermometer macht sich hingegen die Untrenn-barkeit von Mensch und Smartphone zunutze. Per App wird regelmäßig der Abstand von Wohnung zu Smartphone berechnet. So erkennt das Thermostat z.B., wenn sich der Nutzer auf dem Heimweg befindet und heizt automatisch die Wohnung vor. Nest verspricht bei Nutzung des Thermostats Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent, tado sogar noch mehr.

Smart Home_GreenPocketGute Beispiele für breite Produktpakete sind die Lösungen des Kölner Start-ups GreenPocket, des Energieversorgers RWE oder des US-amerikanischen Unternehmens Lowe’s. Die Themenbereiche Energie, Komfort und Sicherheit werden hier klug miteinander verbunden. Beispielsweise hilft die „Optimal Pattern Technology“ von GreenPocket dabei, in den eigenen vier Wänden Energie zu sparen, ohne dass der Komfort darunter leidet. Dazu macht die automatisierte Software konkrete Vorschläge, wie die individuellen Energiesparziele und das Wohlbefinden des Nutzers sinnvoll miteinander in Einklang gebracht werden können.

Die Idee dahinter ist, dass der Nutzer kleine Änderungen, wie die Reduzierung der Raumtemperatur um einen Grad Celsius kaum bemerkt, die positiven Effekte für die eigene Energieeffizienz aber hoch sind. Darüber hinaus lassen sich Sicherheitselemente – wie Alerts, Bewegungsmelder oder Überwachungskameras – problemlos in die GreenPocket-Lösung einbinden. Weitere Hardware-Komponenten aus den Bereichen Effizienz, Komfort und Sicherheit sind über einen integrierten Onlineshop erhältlich.

Das amerikanische Einzelhandelsunternehmen Lowe’s vereint mit der Marke „Iris“ sämtliche Smart Home-Themenbereiche von Komfort und Sicherheit bis hin zu Energieeffizienz und Ambient Assisted Living. So bietet es verschiedene Pakete an, etwa „Safe & Secure“ (enthält z.B. Bewegungssensoren) oder „Comfort & Control“ (Heizungs- und Lichtkontrolle) sowie einzelne, individuell zusammenstellbare Geräte (etwa Panikknöpfe, Zwischenstecker etc.).

Besonders bei Lowe‘s: Ein Abo ist nicht zwingend notwendig, denn das Basis-Paket, mit dem sich z.B. das Licht per Smartphone an- und ausschalten lässt, erhält der Käufer gratis zum Gerät dazu. Auch RWE bietet ein „Rundum-Sorglos-Paket“ an, das sich aus unterschiedlichen Paketen und Einzelgeräten (Rauchmelder, Tür- und Fenstersender etc.) zusammensetzt und durch eine Vielzahl dazu buchbarer Apps und Services (z. B. SMS bei ungewöhnlichen Aktivitäten zu Hause) ergänzt werden kann.

Ob spitzes oder breites Angebot: In beiden Fällen geht es darum, den Nerv des Nutzers zu treffen. Wie eine Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg kürzlich gezeigt hat, ist die Zahlungsbereitschaft für Smart Home-Produkte vor allem bei jungen Verbrauchern groß. Über die Hälfte der Befragten gibt an, großes bis sehr großes Interesse an Smart Home-Lösungen zu haben.

„Für ein Einstiegspaket mit einer zentralen Steuerungseinheit, zwei Heizungssteuerungen und einer schaltbaren Steckdose würden 67 Prozent der Befragten einmalig 150 Euro ausgeben, 33 Prozent sogar 250 Euro“, fasst Professor Jens Böcker die Ergebnisse der Studie zusammen. Ähnlich hoch sei die Zahlungsbereitschaft für die laufende Nutzung einer Smart Home-Software, so Böcker weiter. Über 60 Prozent wären bereit, eine monatliche Gebühr von 5 bis 10 Euro zu entrichten. Neben dem mobilen Charakter, den die Befragten für eine Smart Home-Lösung voraussetzen, interessieren sie sich insbesondere für Pakete aus dem Bereich Sicherheit.

Ob es aber einen einzelnen Anwendungsfall geben wird, der dem Smart Home den Weg zum Massenmarkt ebnet, ist bisher unklar. Ein erneuter Blick auf die Telekommunikationsbranche ist hier aufschlussreich. Der Erfolg des Smartphones in Verbindung mit dem mobilen Internet hat die kommunikativen Gewohnheiten der Nutzer grundlegend verändert. Eine einzelne sogenannte „Killer App“ gibt es aber auch hier nicht.

Stattdessen stehen die individuellen Bedürfnisse des Nutzers und die Einfachheit der Bedienung im Mittelpunkt. Ähnliches, so sagt etwa Dr. Thomas Goette, CEO von GreenPocket, sei auch für das Smart Home denkbar. Nicht eine einzelne Anwendung werde zum Markterfolg führen, sondern eine breite, zielgruppengerechte Auswahl an Applikationen, die einfach zu steuern sind.

Für eine breite Lösung spreche auch, dass das Smart Home mittelfristig durch einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) ergänzt werden sollte. Dies sei für den Verbraucher aber nur dann interessant, wenn das Smart Home über die Energieeffizienz hinaus weitere Themengebiete und Anwendungsfälle abdecke.

Fazit: Die verschiedenen Anbieter stehen also vor der Entscheidung, auf welchen der beiden Trends – ob spitz oder breit – sie setzen. Eines steht jedoch fest: Am Ende wird der Nutzer entscheiden, welche Themengebiete und Anwendungen das Smart Home in Zukunft ausmachen werden.

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