Start-up Story: Österreicher will mit Co2-verarbeitenden Mikrorganismen Biokraftstoff der vierten Generation herstellen

Der Pilot-Reaktor von Alexander Krajete in Wien
Wenn ein Doktor der Chemie wie der gebürtige Salzburger Alexander Krajete in einem ganz speziellen Segment seiner wissenschaftlichen bzw. unternehmerischen Tätigkeit plötzlich auf biologische Prozesse vertraut, dann sorgt das einerseits für Verwunderung, aber andererseits auch für Neugier. Krajete stellte kürzlich seine Basistechnologie vor, bei der ausgerechnet mithilfe des Klimagases Co2 eine kleine – oder größere? – Energierevolution beginnen könnte. Krajete hat Mikroorganismen entdeckt, die es seit vielen Millionen Jahren gibt, sich von CO2 „ernähren“ und gleichzeitig als Energieproduzent genutzt werden können. Biologie pur also – was genau dahinter steckt und wann diese Technologie wo zum Einsatz kommen könnten, haben wir vom Cleantech-Wirtschaftsmagazin Cleanthinking.de den Erfinder Alexander Krajete gefragt.
Krajetes Idee ist bestechend. Millionen Jahre alte Mikroorganismen intelligent zur Energieproduktion benutzen – darauf muss man erst einmal kommen. Der 36-jährige Chemiker hat sein Projekt Greentech getauft und reist nun durch die Lande, um Venture Capital für die Kommerzialisierung seiner Technologie zu bekommen. Momentan profitiert er von einer Gründungsfinanzierung der Austria Wirtschaftsservice (AWS) und der Mitgliedschaft im Linzer Hightech Inkubator tech2b. Alexander Krajete erklärt seine Erfindung in folgenden Worten:
“Während der Hälfte unserer Erdgeschichte musste Leben ohne Sauerstoff auskommen. Diese ältesten Mikoorganismen waren Spezialisten in der Umwandlung von CO2, um das eigene Überleben zu sichern. Was liegt also näher, als diesen Bakterien die schwierige Aufgabe umzuhängen, bisher wertlose Abfallgase aufzubereiten?“
In Wien betreibt Krajete bereits eine Pilotanlage und beweist damit in kleinem Maßstab, dass seine Technologie funktioniert. Künftige kommerzielle Anlagen können vor allem dort entstehen, wo viel Co2 freigesetzt wird, etwa an Standorten von Braun- und Steinkohlekraftwerken oder bei kleineren Anwendungen. CO2 gibt es jedenfalls genug:
“Jährlich werden 26 Milliarden Tonnen CO2 emittiert, das ist weit mehr, als die Pflanzen binden können. Wir wollen diesen Abfall aktiv verwerten und einen signifikanten Beitrag zur Schließung des offenen CO2-Kreislaufes leisten.“
Konkret nutzt Krajete das CO2 in Verbindung mit Wasserstoff um daraus energiereiche Kohlenwasserstoffe wie Erdgas herzustellen. „Biokraftstoffe der vierten Generation“ nennt Krajete das Ergebnis seiner Bemühungen, das durchaus eine Energierevolution auslösen könnte. Schnell wird es allerdings nicht gehen: Zunächst braucht der sympathische Unternehmer Krajete Venture Capital, um seine Technologie zu kommerzialisieren. Außerdem muss im großen Maßstab bewiesen werden, dass die Kosten der Umwandlung letztlich vertretbar sein werden.
Krajete ist optimistisch, dass sich seine Bio-Technologie im kommenden Jahrzehnt durchsetzen wird. Bis dahin wird der Chemiker zeigen, ob seine Erfindung wirklich zu einer Energierevolution einen Beitrag leisten kann. Zu wünschen ist es ihm und uns in jedem Fall.


“Jährlich werden 26 Milliarden Tonnen CO2 emittiert, das ist weit mehr, als die Pflanzen binden können. Wir wollen diesen Abfall aktiv verwerten und einen signifikanten Beitrag zur Schließung des offenen CO2-Kreislaufes leisten.“
16:46
Da stimme ich Zagor zu…. der Übergang wird lange dauern. Die Vorgaben der EU sind lächerlich und nicht zu schaffen. Vorallem in Deutschland, mit der Laufzeitverlängerung der AKWs. Wir müssen was finden dass das CO2 aus der Atmosphäre schnellstmöglichst abbaut. Auf das Meer und die Wälder können wir uns nicht verlassen… das dauert ewig. Noch dazu vernichten und vermüllen wir ja unseren natürlichen CO2- Abbauer/Umwandler. Wo ich bedenken sehe ist die Verbindung mit Wasserstoff. Momentan stecken wir mehr Energie rein, um Wasserstoff umzuwandeln, als das wir Energie raus bekommen/nutzen können. Der Ultimative Organismus wäre, wenn er sich von CO2 “ernähren” und H abgeben würde. Wäre theoretisch zuschaffen wenn man das Gesetz zu Genmanipulation lockern würde… aber das ist ein anderes Feld.
10:43
Herr Jones, die Zukunft gehoert den Erneuerbaren, doch wird dieser Uebergang nicht ueber Nacht passieren. CO2 wird weiterhin in grossen Mengen emittiert, dazu braucht es einer Technologie, die am CO2 direkt (!) ansetzt und dieses verwertet.
CO2 wird heutzutage durch ptotosynthetische Prozesse gebunden und in Form von Biomasse verfestigt, es gibt leider noch keinen kommerziellen, anthropogenen Prozess der CO2 im Grossmasstab umsetzt. Ich denke die vorgestellte Technologie setzt genau hier an, daher ist der Ansatz begruessenswert !
14:15
Das klingt zwar interessant! Macht für die Zukunft m.E. aber wenig Sinn, da CO2 ja vorwiegend aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien, die wenn überhaupt, eine verschwindend geringe CO2 Emission haben und daher ein schlechter Lieferant für die Mikroorganismen sein werden.
16:28
klingt auf jeden fall schon mal sehr gut…ich weiß nicht ob die wirtschaftlichkeit jetzt so eine große Rolle spielen sollte wenn man bedenkt, dass wir mit unserem hohen CO2-Ausstoß der Umwelt sehr viel Schaden zufügen