Cleantech-Interview mit Sicco Westra von Sunfilm AG: “Die Welt ist unser Markt!”
Auf dem Weg zur Sunfilm AG in Großröhrsdorf bei Dresden fällt dessen architektonisch herausragendes Gebäude schon von weitem ins Auge: Rot-Töne und ungewöhnliche Formen sind zum Markenzeichen eines sächsischen Produzenten von Dünnschicht-Solarmodulen geworden. Auch das Logo des jungen Unternehmens passt in dieses Bild.
Die Sunfilm AG ging im Mai 2009 aus dem Zusammenschluss mit der Sontor GmbH in Bitterfeld-Wolfen hervor. Beide Unternehmen wurden 2006 gegründet – Sunfilm damals unter anderem vom zentralen Investor Good Energies und die Sontor GmbH als Tochtergesellschaft der Q-Cells. Durch die Fusion der beiden Unternehmen entstand im Mai 2009 der Technologieführer bei Silizium-Tandem-Dünnschicht-Modulen.
Um den Lesern von Cleanthinking.de einen Einblick in das Unternehmen und dessen Technologie zu geben, haben wir mit Dr. Sicco Westra, dem Chief Business Development Officer von Sunfilm, ein Interview geführt.
Cleanthinking.de: Herr Westra, bitte stellen Sie uns die Technologie der Sunfilm AG vor – was genau verbirgt sich hinter der Tandem Junction Thin Film Technologie?
Sicco W. T. Westra: Unsere Technologie verzichtet auf den Einsatz von Wafern, um den photovoltaischen Effekt zu bewirken. Stattdessen erzeugen wir diesen Effekt mit zwei ultradünnen Siliziumschichten; basierend auf einer amorphen und einer mikrokristallinen Schicht. Diese Tandem-Struktur absorbiert das komplette Lichtspektrum: Ein Layer absorbiert vor allem die blauen und grünen Töne (kurze Wellenlängen), der zweite die roten und infraroten Lichtstrahlen. So können wir das Lichtspektrum sehr effektiv nutzen, um Elektrizität zu erzeugen …
Cleanthinking.de: … und welche Vorteile bringt diese Technologie?
Sicco W. T. Westra: Neben der effektiven Nutzung des Lichtspektrums stellt auch die Skalierbarkeit unserer Technologie einen zentralen Vorteil dar. Dieser zeigt sich unter anderem in der Größe der Module von bis zu 220 x 260 cm. Diese Größe ist für die Photovoltaik-Branche quasi einmalig – aus der Sicht der Baubranche sind sie jedoch verhältnismäßig klein. Die Module wirken schwarz und sind sehr ästhetisch. Letztlich ist auch die Materialersparnis absolut signifikant: Wir brauchen ein Hundertstel des Siliziums, das bei gleicher Leistung mit Wafern benötigt würde.
Cleanthinking.de: Wie umweltfreundlich ist Silizium?
Sicco W. T. Westra: Silizium ist ein absolut umweltverträglicher Rohstoff. Silizium wird aus Sand gewonnen und ist überall auf der ganzen Welt verfügbar.
Cleanthinking.de: Wir haben gelernt, dass Ihre Module besonders groß sind und gut skalierbar – welche Kernmärkte haben Sie im Blick?
Sicco W. T. Westra: Ein schon sehr wichtiges Feld sind große Dächer, etwa von Firmen oder öffentlichen Gebäuden. Los geht es bei einer Leistung von einem halben Megawatt.
Ein weiterer wichtiger Markt sind Solarparks, insofern richten wir uns an Projektierer. Außerdem setzen wir aufgrund der Ästhetik unserer Module auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik, die jedoch noch am Anfang steht.
Cleanthinking.de: Wie steht es mit der Effizienz der Module?
Sicco W. T. Westra: Effizienz muss unbedingt differenziert betrachtet werden: Generell spielt dieses Maß als Teil der Performance eines Solarmoduls gerade in der Dünnschicht-Technologie eine geringere Rolle als bei herkömmlichen Modulen mit Wafern.
Denn: Effizienz misst man immer unter Laborsituationen, die es in der realen Welt praktisch nie gibt. So wird der Effizienzwert immer bei direkter Sonneneinstrahlung im rechten Winkel zum Modul ermittelt. Unsere Produkte haben etwa für den deutschen Markt den ganz wichtigen Vorteil, dass sie schon bei diffusem Licht eine hohe Leistung bringen – denn mal ehrlich: wie viele Sonnentage, die mit den Laborbedingungen auch nur ansatzweise vergleichbar sind, haben wir in Deutschland wirklich? Den ganzen Beitrag lesen »
Geschrieben von Martin Jendrischik, 4. Mrz 2010, Rubrik: Allgemein, Kommentare schreiben
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