WirtschaftsWoche: Daimler will Brennstoffzellen-Auto bis 2015
Die Meldung, die die WirtschaftsWoche heute morgen exklusiv verkündet, überrascht: Wie Redakteur Martin Seiwert schreibt, will Autobauer Daimler bis 2015 ein wasserstoffbetriebenes Brennstoffzellen-Auto auf den Markt bringen, das vom Preis her nicht teurer sein soll als ein Auto mit sparsamem Verbrennungsmotor. Dabei beruft sich das Wirtschaftsblatt auf Daimler-Forschungschef Herbert Kohler.
Woher rührt der plötzliche Optimismus, öffentlich ein solches Ziel zu verkünden?
Derzeit arbeitet BMW laut Forschungschef Kohler daran, die Gesamtkosten der Brennstoffzelle zu reduzieren. Dabei liegt der Fokus auf dem Edelmetall Platin, das ungefähr zu 60 Gramm in jeder Brennstoffzelle vorkommt und für die Elektroden der Brennstoffzelle benötigt wird. Problem: Das Platin macht die Herstellung einer Brennstoffzelle teuer – diese kostet rund 3.000 Euro. Logischer Schritt könnte daher die Senkung des Platin-Anteils sein und auf diesem Gebiet scheint Daimler in letzter Zeit Fortschritte gemacht zu haben:
„Den Platinanteil im Brennstoffzellen-System haben wir in den letzten zehn Jahren deutlich reduziert, und werden ihn auf dem Weg zur Marktreife kontinuierlich weiter senken. Dafür haben wir präzise Maßnahmen definiert: Ziel ist es, den Platingehalt eines Brennstoffzellensystems in eine ähnliche Größenordnung zu bringen, wie der eines Katalysators für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.“
Ein herkömmlicher Katalysator enthält weniger als zehn Gramm Platin.
Allerdings hat Daimler noch eine zweite Sorge, was die Marktreife eines wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Fahrzeugs betrifft: Es fehlt schlicht die Infrastruktur, die den Betrieb von Brennstoffzellen-Autos im Alltag erst ermöglicht. Und, während Elektroautos und der Aufbau von “Zapfsäulen” für strombetriebene Fahrzeuge umfassend in der öffentlichen Debatte ist, gilt das Brennstoffzellen-Fahrzeug eher als Auslaufmodell. Schon alleine deswegen könnte Daimler daran gelegen sein, mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzielen.
Allerdings: Bis 2015 ist noch ein weiter Weg und die Elektroauto-Branche schläft nicht. Wird es also ein Wettrennen um die beste und tragfähigste Zukunftslösung in Sachen Mobilität? Wir von Cleanthinking.de sind der Meinung, dass ein gesunder Wettbewerb nur förderlich sein kann – wir sind gespannt, inwiefern die von der neuen Regierung angekündigte Offensive für Elektromobilität, die ja auch Hybrid-Fahrzeuge einschließen soll, die Anstrengungen von Daimler behandeln wird.


21:07
Toller Bericht!
Ist ja auch Zeit, dass hier mehr passiert. Mir geht das alles viel zu langsam!
13:55
Klar ist es bis 2015 noch ein weiter Weg aber im Grunde auch genug Zeit um ein ausgereiftes Projekt vorzustellen. Kann mir gut vorstellen, dass Daimler damit sehr gute Schlagzeilen machen wird.